Die Kehrseite des Vierfachpixels

Da ist es nun, das Retina Display für den Schreibtisch. Endlich keine Pixel mehr. Alles in toll und noch schärfer und glatter und überhaupt. Also alles toll und uneingeschränkte Freude?

Bei weitem nicht!

Also jetzt mal ganz davon abgesehen, dass man als Entwickler einfach nicht mehr hinterher kommt. App Store, iCloud, Sandboxing und jetzt auch @2x Bilder für den Mac.

Da hat man gerade erst die meisten Apps in den App Store gebracht, dann aktualisiert, dass sie mit der iCloud können, um dann noch einmal alles auf den Kopf zu stellen, dass sie in ihrem eigenen Sandkasten spielen – so kann man jetzt zum vierten mal innerhalb von einem (1 ½) Jahr erneut komplett alle Apps umschreiben, so dass sie auch mit dem neuen Retina Display klar kommen.

Für Anwender heißt das vor allem erst einmal, dass der Platz auf der Festplatte, den Apps zukünftig verbrauchen, gewaltig steigen wird. Also dauert auch das Laden von Apps wieder länger. Eventuell muss man dann sogar auch wieder in die Tasche greifen (ich wollte mir ja CS 6 eigentlich sparen) und wie lange man warten wird, steht bei Größen, wie Adobe und MS ja bekanntlich immer in den Sternen.

Bis dahin wird es also eine pixelige Angelegenheit.

Und auch wenn uns Safari und das neue Weberlebnis so toll angepriesen wurde (wird) – momentan ist es schlicht unmöglich Webseiten komplett an Retina Displays anzupassen. Und das, was man machen kann, dauert. Dauert beim Gestalten und Codieren und vor allem beim Laden.

Ich kann mich immer nur wiederholen. Es fehlt schlicht und einfach ein neues Bildformat. Oder WebKit müsste zumindest in der Lage sein, automatisch @2x Bilder zu laden, so denn überhaupt vorhanden. Und das bitte auch für Hintergründe.

Und was mangels Erfahrung auch noch nicht klar ist – wird das Retina Erlebnis auch so Wärme- und Ruckelgetrübt sein, wie auf dem neuen iPad? Vom Durchhaltevermögen das Akkus mal ganz abgesehen.

Auch gehe ich davon aus, dass die Oberflächen von Apps unbunter werden. Das kann eventuell sogar hilfreich sein, dann müssen die Entwickler/Gestalter aber wirklich wissen, was sie tun.

Auf lange Sicht werden die Vorteile natürlich überwiegen und irgendwann bauen wir dann nur noch Apps für Retina Displays, dann werden die Bundles auch wieder kleiner und fürs Web wird es dann hoffentlich auch gescheite Lösungen geben.

So als Beta-Tester für die Welt muss man manchmal halt einfach Geduld und Nerven haben …






Zwischenrufe

  1. Andreas

    Wie ist es denn mit dem Hochskalieren?

    Sieht es nicht im schlimmsten Falle so aus, wie unter 1440×900?

    …bisher bin ich mit meiner 256 GB SSD gut hingekommen.
    Aber auch nur, weil ich das Superdrive ausgebaut und die 320er Platte umgeschraubt habe.
    Die 512er SSD für das NG MBP ist mir schlichtweg zu teuer, da reicht auch eine USB 3.0 HDD für das auslagern.

    …aber: wird die 256er SSD immer noch reichen, wenn retina Apps kommen?
    Wie hoch wird der Anstieg des Platzverbrauchs sein?



  2. Pat

    Habs grad mal mit nem PNG ausprobiert:
    - Normale Größe: 40 KB
    - “@2x-Größe”: 132 KB

    Wie viele Bilder eine App nutzt ist natürlich extrem unterschiedlich, irgendwo zwischen 0 und 10.000 denke ich.

    Fürs Webdesign fände ich es übrigens ziemlich blöd, die Grafiken doppelt abzulegen. Bin ja mal auf die ersten Tests gespannt, wie Safari die Seiten denn jetzt überhaupt auf dem neuen Macbook rendert. Grafik mit 220 ppi statt 72 ppi anlegen? Was ist mit Schriftgrößen, die im CSS in px angegeben sind?

    Da ist noch einiges unklar.

    Statt Grafiken für Farbverläufe und Schatten zu nehmen kann man das ja prinzipiell auch alles schön mit CSS machen - nur geht das dann wieder teilweise in älteren Browsern nicht. Zumindest Schatten sind in den Microsoft-Browsern RICHTIG fummelig.

    Tja, da wird sich in den nächsten Jahren wohl noch viel tun. Vielleicht wird ja der Metro-Stil von Microsoft angesagter: Einfache farbige Flächen, alles schön ohne Grafiken. Und die Icons dann als Webfont. Oder so.




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