Wie es NICHT funktionieren wird

myWPEdit Image

Vorneweg – es ist nicht nur OK, es ist auch dringend an der Zeit, dass Zeitungen/Verleger sich um Mittel und Wege kümmern, wie sie in Zeiten der Cholera des bösen Internets zu Geld kommen.

Einige sind schon gar absonderliche Wege gegangen und wieder andere die erst einmal offensichtlichsten. Dazu gehörte auch die NYT, die wohl eine der ersten waren, die eine Paywall für ihren Content (schlimm mit diesen Anglizismen, aber ich kenn keine einfachen kurzen Wörter dafür) eingerichtet haben.

Und damit gescheitert sind. Bei der Errichtung haben sie noch ein riesen Trara veranstaltet. Abgetragen haben sie sie wieder still heimlich und leise.

Und jetzt versuchen sie es auf neuem Weg. Startend in dieser Woche gibt es bezahlte ‘Premiuminhalte’ auch in Flipboard, wobei das ‘Abo’ dann 15 Dollar im Monat kosten wird (ob das jetzt nur in der Testphase so ist und die Preise später anziehen entzieht sich momentan meinem Wissen). Besitzer eines Abos der Printausgabe zahlen nichts.

Dies ist auf jeden Fall mal ein neuer und etwas anderer Ansatz und auch wenn ich es ihnen gönnen würde – ich gehe davon aus, dass auch dieses Model scheitern wird.

Für Menschen, die eh die Printausgabe täglich zu den Cornflakes bekommen ist dies eher uninteressant und vor allem bringen die ja kein zusätzliches Geld. Ziel ist ja, Nicht-Abonnenten dazu zu bewegen, sich anzumelden und monatlich viele, viele Dollar abzudrücken.

Und das klappt so eher nicht. Erst einmal muss ich mich dazu aufrappeln und mich irgendwo anmelden und das hasse ich als fauler Mensch. Ich benutzte Flipboard, weil es Lesen einfacher macht und weil ich damit browsen kann. Buchstaben-Zappen halt. Natürlich klicke ich mal auf einen Artikel oder speichere ihn für später.

So wird Flipboard – die natürlich auch Geld verdienen müssen – NYT Premiuminhalt natürlich anderen Dinge, die ich vielleicht viel lieber mag, vorziehen und mir aufs Auge drücken. Gar nicht gut.

Und vor allem mag ich bestimmt gerne zwei oder vielleicht sogar fünf besonders tolle Artikel der NYT im Monat – oder vielleicht sogar in der Woche lesen. Aber deswegen hole ich mir garantiert kein Abo. Und wenn, dann will ich sie freiwillig lesen. Nicht, weil Flipboard mir sie unterjubelt.

Technisch wäre es für Apple möglich, Entwicklern/Verlegern es zu ermöglichen, pro gelesenen Artikel abzurechnen.

Ich muss mich nicht bei einem weiteren Dienst anmelden und ich weiß genau, was ich für mein Geld bekomme.

Und ich als Benutzer werde immer fein darüber informiert. Wie in iBooks:

Wollen sie wirklich diesen Link öffnen?

Das Lesen dieses Artikels der NYT kostet sie 29 Cent und wird von ihrem iTunes Guthaben abgezogen. Wollen Sie dies wirklich tun?

Ich hätte auch kein Problem damit, wenn man die Warnung auf Wunsch abstellen kann. Einfach Artikel kaufen anklicken und der wird direkt im App geöffnet oder auf Wunsch auch gerne iBooks hinzugefügt.

Und ich bin mir recht sicher, dass Apple dies noch besser und durchdachter gestalten könnte. Inklusive Leseprobe/Teaser und Parental Controls.

Die Zeiten von Abos sind vorbei. Diejenigen, die bewusst abonnieren, die wissen warum. Aber die muss ich auch nicht mittels Flipboard tricksen. Aber es gibt – gerade auf der iOS Platform – genug Menschen, die für gute Inhalte zahlen. Vor allem würde man so eine Kultur der guten Inhalte und des Honorierens selbiger fördern.

Aber vielleicht bin auch auch mal wieder nur zu naiv. Ich denke aber, dass sämtliche Paywalls dieser Verleger-Welt wieder eingerissen werden, spricht eine deutliche Sprache …






Zwischenrufe

  1. Hannelore

    Kultur der guten Inhalte und deren Honorierung? –Das klappt leider nur mit vernunftbegabten Menschen. Mehr sage ich dazu nicht, sonst geht’s über mehrere Seiten.



  2. Moss

    eine Paywall für ihren Content (schlimm mit diesen Anglizismen, aber ich keine keine einfachen kurzen Wörter dafür)

    «Eine Zahlmauer für ihre Inhalte» vielleicht? Ach, und «keine» ist doppelt, da müssen wir eines abziehen. Ich schenke Dir ein «kenne» als Ersatz.

    Jetzt mußt Du nur noch glaubhaft und nachvollziehbar erklären, wer in Zeiten von Internet, Blog und BoD noch Verleger braucht, und wozu.



  3. Michael

    Oh ja, eine Zahlmauer für ihre Inhalte ist wirklich einfach und vor allem so schön kurz :-)

    Biochemical Oxygen Demand? Hä?

    Im Ernst - ersetze Verleger mit Kuratoren oder Inhaltebündler. Nur weil irgend wann mal etwas falsch gelaufen ist, muss die Grundidee ja nicht verkehrt sein. Denn dann wäre ja mittlerweile alles überflüssig :-)



  4. Moss the TeXie

    Das englische Wortgeklingel ist exakt einen Buchstaben kürzer als mein Vorschlag. Gut, mit meiner Version kommt man beim Bullshitbingo irgendwie nicht weiter … ;-)

    \meaning{\csname BoD\endcsname} –> ‘Book on Demand’

    Es läuft an verschiedenen Enden immer noch massiv falsch. Die typischen Wissenschaftsverlage, die den Unis für mit öffentlichen Geldern erzielte Ergebnisse nochmal unglaubliche Summen abknöpfen, sind nur ein Beispiel; die großen Publikumsverlage, die durch ihre einseitige Gewinnorientierung den Literaturbetrieb zum reinen Profitbetrieb verarmen lassen, ein anderes.

    Die Grundidee ist ja nicht verkehrt, nur ihre Perversion; und wenn jeder sein eigener Verleger sein kann, werden die Verleger halt so langsam überflüssig(er); manche mehr, andere weniger. Wowereit.




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!