Wenn der Monk in mit Putzen! schreit

myWPEdit Image

Steht ein kleines, altes Männlein im Wald und bricht sich einen mit einer uralten und rostigen Säge einen ab, während es versucht, einen Baum durchgesägt zu bekommen. Und die Frage, ob es denn nicht mal ein Pause machen möchte, um die Säge zu ölen – verneint es immer mit den Worten, dass es nicht könne, da es doch sägen müsse.

Und genau so kommen mir ganz viele Menschen vor ihren Rechnern vor.

Die sitzen da und rackern sich einen ab, trinken Kaffe, stellen den direkt neben dem Laptop, manche sogar darauf, ab und essen Schokolade und Döner und dann tippen sie weiter und wenn sie anderen etwas zeigen, dann stochern sie immer direkt auf dem Bildschirm rum. Gerne auch mit mit dem Kuli oder Bleistift.

Und es ist ja nicht so, dass sie dies nur mit ihren eigenen Rechenknechten tun, die gehen mit den Rechnern anderer genau so um.

Das sind dann die Menschen, die beim Arzt oder im Krankenhaus nicht auf die Toilette gehen können und keine Hände schütteln – wegen der Keime.

Und in ihrer eigen Tastatur geht es schlimmer zu, als in jedem Dritte-Welt-Krankenhaus zusammen.

In aller Regel sehen deren Schreibtisch dann auch genau so aus. Analog, wie digital.

Ich bin der friedliebendste Mensch – zumindest in Taten – den ich kenne und das meine ich auch genau so. Aber in den Momenten könnte ich Amok laufen.

Und nicht nur, wenn die meinen Rechenknecht betatschen. Nein, auch wenn die mit ihren eigenen oder ihnen überlassenen teuren Arbeitsgeräten so liederlich und achtlos umgehen.

Das ist wie fremdschämen. Maschinenmitleiden ist das. Das tut körperlich weh. Und ich bin mir sicher, solche Menschen sind im Bett auch genau so.

Am Umgang mit ihren Arbeitsgeräten und Wertgegenständen (relativ, da egal) erkennt man die Im-Bett-Socken- und Feinrippträger schon von weitem.

Der Monk in mir dreht sich im Kreise und rennt in Gedanken schon panisch zur nächsten Putzutensilienschublade vor.

Und es ist ja nicht so, dass die ihren Rechner aus Scham immer unter Bett verstecken, nein – die haben den so offen rumstehen, empfangen so Kunden und nehmen den mit in Kaffees. Wo sie dann den Kaffe und die Cola wieder drei Zentimeter daneben abstellen.

Wer sein Arbeitsgerät nicht mal ein kleine wenig pflegen kann, der liefert in aller Regel auch genau so eine Arbeit ab.

Und ich rede jetzt nicht unbedingt von dem alten G4 auf dem seit Jahren im dichtesten Zustand und im Dunklen Dubstep produziert wird und bei dem man die Tastatur nicht vom Aschenbecher unterscheiden kann.

Ich rede von euch bebrillten Barträgern, die ihr eure hippen bremsenlosen Fahrräder am liebsten mit ins Bett nehmen würdet. Ich rede von euch Amtsversagern, die ihr euch nicht mal die Mühe macht, euer Arbeitsgerät wenigstens in den Grundzügen verstehen zu wollen, geschweige denn bedienen zu können. Ich rede von euch Frauen, die ihr mit euren 120 Euro Haarschnitten in eueren Müllkippen an Autos durch die Gegend fahrt und zu Hause eure MacBooks verkommen lasst.

Und ich rede von euch Gestaltern und Programmieren, die ihr alle demnächst von den Facebooks und Googles dieser Welt aufgekauft werden wollt und dann nicht mal in der Lage seid, eure Arbeitsgeräte in Ordnung zu halten.

Sieht euer Code und sehen eure Photoshop Dateien genau so aus?

Vielleicht ist das Teil des Krankheitsbildes meines Monks in mir. Aber der ist sich relativ sicher, dass nicht er unnormal ist – sondern ihr, die ihr da der ganzen Welt zeigt, wie wenig Respekt ihr für eure teuren Arbeitsgeräte an den Tag legt.

Einen guten Koch erkennt man übrigens unter anderem auch daran, wie er mit seinen Messer umgeht. Oder wie ein Maler seiner Rollen behandelt und nach dem Gebrauch reinigt.

Ihr steigt also auch in ein völlig versifftes und verdrecktes Taxi und euch ist egal, wie die Bambusmatten aussehen, von denen ihr euer überteuertes Sushi speist?

Der Monk in mir wäre euch sehr dankbar, wenn ihr wenigstens ab und an mal die Frühstücksreste aus euren Tastaturen popeln könntet und die Staubschicht auf euren Rechnern nicht älter als zwei Jahre wäre.

Und der nächste, der mit seinen Wichsgriffeln an meinen Bildschirm donnert, wird ohne Vorwarnung erschlagen. Mit seinem eigenen ranzigen Laptop …






Zwischenrufe

  1. Stefan D.

    Toleranz ist nicht Dein Ding oder? :D



  2. Michael

    Ich bin äußert tolerant gegenüber Menschen, die anständig mit ihren und vor allem MEINEN Dingen umgehen :-)



  3. Stefan D.

    Klar, Deine Dinge versteh ich — warum Du Dich um ihre Dinge scherst, verschließt sich mir.



  4. to

    Ich versteh dich!
    Geht mir manchmal genau so…



  5. Paul

    Wow, du sprichst mir aus der Seele!!!!

    Wie gerne wollte ich ich schon einige Kunden erschlagen, die mit Ihren “Wichsgriffeln” meine Bildschirme betatscht haben…



  6. Marko

    Amen!



  7. B

    Natürlich ist ein entsprechender Umgang mit (teurem) Arbeitsgerät wichtig, allerdings habe ich im Laufe der Zeit Eines gelernt: Arbeitsgeräte bzw. Alltagsgegenstände im Allgemeinen sind, wenn auch teuer, am Ende dann doch nur Werkzeuge. Und wenn solches Schaden nimmt, meine Güte, dann ist es so. Schont eure eigenen Nerven und seht darüber hinweg.

    Gehört man hingegen zur Fraktion die gleich in einen Heulkrampf ausbricht, weil wieder mal ein “ganz, ganz tiefer Kratzer” oder ein “richtig, richtig fettiger Fingerabdruck” auf ihrem Zeug zu finden war, dann bitte: Verkriecht euch wie Gollum in eine tiefe, dunkle Höhle, wo ihr dann schön drauf achten könnt, dass niemand euren “Schatz” anfasst. Schlimmer als im Kindergarten!



  8. helge

    recht hast du…

    …man könnte die Beispiele noch vervielfachen! Nur die Rechtschreibbrüfung scheint vernachlässigt zu sein ;)




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!