Open APIs - oder all die falschen Pferde

Momentan kursiert ja gerade so etwas wie Vorfreude über eine baldige Aktualisierung des Twitter-Apps durch’s Netz und ich kann mich nur fragen: warum?
Ja, es hat ein neues Icon. Ja, es wird besser in iOS integriert sein. Vielleicht haben sie es sogar geschafft, die nervigen Darstellungsfehler zu beheben und vielleicht – aber auch nur vielleicht – kommt man auch wieder an seine DMs ran, ohne sich die Finger zu brechen.
Aber das alles kann doch nicht über die am Horizont aufziehenden dunklen Wolken und den sich schon mal für den Abgesang warm hüstelnden Chor hinwegtäuschen.
Ich bin heute noch froh, dass ich vor Jahren nicht weiter an einem eigenen Twitter-App geklöppelt habe, als die ersten Richtungsänderung in den Köpfen der Twitter-Macher aufblitzten.
JA, die müssen Geld machen. JA, Twitter kostet. Kostet Unsummen. Und es ist nicht, dass ich ihnen nicht jeden Cent gönne. ich habe nur ein Problem mit der Art.
Und wenn man aus unserer Lieblingskneipe über Nacht eine vermeintlich durchgestylte Espressobar mit Werbetafeln an jeder Ecke macht und wir nur auf IKEA Art (also an jedem Scheiß vorbei, den wir nicht wollen) zu unserem Lieblingstisch gelangen, dann kotzen wir.
Ich hatte mich schon mal darüber aufgeregt und mit der bald erscheinenden Aktualisierung wird es nicht besser.
Und es geht dabei nicht um des Menschen grundsätzliches Problem, dass er ja kein Problem mit Veränderungen hat, wenn dadurch alles bleibt wie vorher.
Es geht darum, wie man mit denen umgeht, die einem die jetzige Position überhaupt erst ermöglicht haben. Und da sind Twitter ja auch nicht die Ersten und werden garantiert auch nicht die letzten sein.
Nur ist dies immer das aller erste eindeutige Anzeichen vom Ende. Und vor dem kommt bekanntlich der Ausverkauf. Die Loveparadedisierung des Internets halt.
Habt ihr mal zusammen gezählt, wie oft ihr – egal ob als Nutzer oder Unterstützer oder auch ‘Geschäftspartner’ – schon auf ein falsches Pferd gesetzt habt?
In den letzen zwei, fünf, zehn Jahren?
Und irgendwie hat kaum einer daraus gelernt. Ob das nun einfach eine unumstößliche Regel oder fast schon Zwang(haft) ist, kann ich gar nicht sagen.
· Erfinde tolles Ding
· Klöppel eine API, die jeder benutzen kann
· Werde dadurch groß
· Gestalte neues Icon und gehe mit den Falschen ins Bett
· Mache API dicht
· Ruhe dich kurz auf dem Erfolg und im Geldstrom aus
· Gehe langsam und mit riesen Verlust ein
· Gehe nicht über Los und grüße das Murmeltier
Und dann ploppt da schon die nächste API an einer anderen Ecke in unserem Dorf aus Einsen und Nullen auf und …
Wie hat Einstein dieses Verhalten noch mal genannt?
Was mich am allermeisten dabei erstaunt ist die Tatsache, dass selbst im Jahre 2012 keine gescheite offene Lösung geschafft hat, wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit zu erreichen?
Wollen wir einfach nicht? Können wir einfach nicht? Oder ist uns uns schon so egal?
