Ihr erschreckt mich

Nicht, dass ich mich nicht auch selber erschrecken würde – aber man gewöhnt sich ja an sich selber. Und man gewöhnt sich Dinge und Marotten an. Und viele von euch müssen sich da etwas angewöhnt haben, was mich erschreckt.

Ihr blättert irgendwo euer sauer verdientes Geld hin – ohne anscheinend zu wissen, wie der Laden überhaupt läuft. Von den Hasen gar nicht erst zu reden.

Und was mich am meisten erschreckt ist die Tasche, dass es so verdammt viele sind und auch einige, von denen ich das nie erwartet hätte.

Also – jetzt noch mal nur für euch:

Wir Entwickler haben NICHTS mit den App Stores zu tun. Punkt. Wir sind Zulieferer. Wie Samsung oder Sharp.

Ihr habt eure Apps von Apple gekauft. Die haben eure Daten. Wir kennen euch nicht. Ihr seid nicht unsere Kunden.

Wenn wir nett sind und ihr uns anschreibt (was übrigens die wenigsten tun, grob geschätzt finden von 1000 Käufern nur 2 den Support Link und 0.5 schauen auch mal auf der Entwickler-Webseite vorbei) – dann bieten wir euch Support.

Wir können weder euer Geld zurück geben, noch euch reduzierte Up- oder Cross grades anbieten, noch mal so nebenbei eine Version in eine andere umwandeln.

Keine Sau liest jemals eine AGB vollständig – schon klar. Aber die Grunddinge, wer wo von wem was bekommt und wo welches Geld hinfließt und wer welche Rechte und Pflichten hat – interessiert euch das nicht?

Ich bin als Entwickler eines App Store Apps euch gegenüber zu gar nichts verpflichtet. Noch mal: zu gar nichts. Ihr habt etwas von Apple gekauft. Deren AGB – die keiner von uns zu Ende gelesen (geschweige denn verstanden) hat – sagt, dass ihr (eigentlich) keinen Anspruch auf Erstattung und Support von Apple habt und ihr euch bei Problemen an den jeweiligen Entwickler wenden sollt.

Wir sind nicht verpflichtet euch zu antworten, euch mit Aktualisierungen zu versorgen oder für irgendwelche Schäden zu haften. Apple ist davon natürlich auch komplett befreit.

Vom gesetzlichen Schmu mal ganz abgesehen – wenn wir nicht doof sind und unsere Miete zahlen wollen, dann antworten wir euch natürlich, schreiben Aktualisierungen und beheben Fehler und erklären euch jeden Tag aufs Neue das 1×1 des App Stores – was eigentlich Apples und euer eigener Job wäre.

Ihr habt euch (eigentlich wollte ich jetzt hier bewusst schreiben, aber das wäre in vielen Fällen wohl falsch) für den App Store entschieden. Entweder weil es einfacher war. Oder billiger. Oder weil ihr gar nichts anderes kennt.

Ich hasse es auch – aber wer A sagt, hat B zu schlucken. Punkt.

Wenn Entwickler, von denen der überwiegende Teil – gerade die im Mac Bereich – so wie ich jetzt, ihre Fühler wieder aus dem App Store heraus strecken – dann haben wir zum Einen doppelt so viel Arbeit, doppelt so viele Mails und und und … und wir machen das alle (ich bin nicht der einzige, der die Schnauze voll hat) nur aus einem Grund. Um euch gute Apps anzubieten und das auf einem Weg, der für alle halbwegs funktioniert.

Ihr könntet uns bitte mal ein wenig entgegen kommen – in dem ihr mal die Grundzüge des App Stores versteht und anderen beibringt.

Und dazu gehört nun einmal, dass wir Käufer aus dem App Store gar nicht kennen. Denn noch einmal – ihr habt NICHTS bei uns gekauft. Ihr habt etwas bei Apple gekauft. Der App Store ist eine Einbahnstraße. Und das in beide Richtungen. Klingt komisch – ist aber so.

Zu meinen Apps und den hunderten Fragen, ob ihr denn jetzt dann einfach die ‘Nicht-MAS’ Versionen einfach weiter nehmen könnt: NEIN. Äpfel und Bananen halt.

Ich habe ja auch Apple und dem App Store nicht gekündigt. Irgend wann – und wenn es hundert Ehrenrunden dauern sollte – werden die Aktualisierungen ja auch mal im App Store aufschlagen. Und dann bekommt ihr die alle gratis auf Knopfdruck. Ist ja nicht so, dass der App Store nicht auch Vorteile hätte.

Denn das ist auch ein Teil, den ihr eigentlich bewusst (Betonung auf eigentlich) der Dinge, die ihr wissen solltet und in Kauf genommen habt (was ein passendes Wortspiel) – als ihr euer Geld bei Apple im App Store gelassen habt.

Apps werden begutachtet und entweder zugelassen oder abgelehnt. Und das kann dauern. Und natürlich bauen wir Bockmist, natürlich bekommen wir Apps von Apples Review-Team wieder vor die Füße geklatscht, weil wir etwas Offensichtliches übersehen haben oder uns zu dumm angestellt haben. Allzu oft aber hängt es nun mal an irgend einem Pups, dem da einem Reviewer oder dessen Vorgesetzten quer hängt – oder weil die ihre eigenen Regel nicht kennen oder keine Ahnung von Apps haben. Hat es alles schon gegeben. Und wird es auch weiter geben.

Ich denke (hoffe) ja auch – dass Apple da irgend wann noch mal etwas dran ändern wird. So kann das nicht lange weiter gehen.

Bis dahin versuchen wir halt das Beste daraus zu machen. Und für euch bedeutet das nun mal, dass ihr euch entscheiden müsst, wo ihr was kauft und dazu gehört, dass man sich informiert und kapiert – wie der Laden funktioniert. Und dazu gehört auch, dass man halt manchmal länger auf eine Aktualisierung warten muss als andere.

Dafür kommt man dann aber auch in den Genuss der iCloud zum Beispiel – denn die ist ohne App Store leider nicht möglich.

Und hier schließt sich der Kreis. A und B. Oder B und A. Übersetzt heißt das – irgend einer ist immer der Dumme. Aber der Dümmste ist grundsätzlich der, der sich überhaupt gar niemals nicht informiert. Und vorher ist in aller Regel immer noch besser als Nachsicht – oder so …






Zwischenrufe

  1. to

    Gut und klar geschrieben.
    Bis auf einen Punkt - das nur die User sich für den MAS entschieden haben stimmt so nicht.
    Es waren sehr wohl auch die Entwickler - ich erinnere nur an Pixelmator und die elends langen Diskussionen als die MAS-only gingen. Viele User waren damals dagegen - und wurden als zukunftsverweigernd und was weiß ich noch alles bezeichnet, auch von den Entwicklern.
    Mir hat das Konzept von Anfang an heftiges Kopfweh gemacht. Aber ich denke auch, irgendwann wird Apple da nachbessern müssen.



  2. Michael

    So meinte ich das gar nicht - sondern einfach, das man sich ja - aus welchen Gründen auch immer - dafür entschieden hat App XY im App Store zu kaufen. War in diesem Fall (Michael untypisch) gar nicht global-kosmisch gemeint :-)



  3. Mario

    Provokante Frage ;-) : Geht die Übertragung der Lizenz von MAS auf Nicht-MAS technisch nicht, oder möchtest Du das nicht? Panic hat so etwas mit dem Coda 2.0.2 Update gemacht. Käufer der MAS Version können auch die „Panic-eigene“ Version betreiben und updaten.



  4. Michael

    Auch bei denen hat das mehr Ärger und eine Flut an Supportmails gebracht - als Nutzen (aus Entwicklersicht). Auch reden wir jetzt von einem 100 (und drüber) Dollar App und nicht über Summen, die ihr jeden Morgen bei Starbucks lasst.

    Ich habe einen Monat damit verschwendet, eine halbwegs gescheite Lösung dafür zu finden, bei der ich dann nichts anderes mache, als Supportmails zu beantworten. Coda Benutzern unterscheiden sich auch ein klein wenig von meinen Benutzern (ich muss 30 mal am Tag erklären, was Copy and Paste ist und das Mac Apps Einstellungen haben, die in jedem Programm auf die selbe Art und Weise erreicht werden).

    Ja, mit viel Aufwand und 5 Menschen nur für den Support ist das wohl möglich. Kennst du noch ein andere Firma, die das ‘anbietet’?



  5. Mario

    Nein, kenne ich nicht. Ich hatte mir schon gedacht, dass das ein größerer Aufwand ist. Da ich aber kein „Coder“ bin, mich das aber interessiert, frage ich einfach mal nach.

    Bei MacRabbit hatte ich das im Gefühl, dass die mit LayerCake (heisst jetzt Slicy) im MAS sehr unglücklich sind. Zumal Espresso auch nicht im MAS zu haben ist. Nachdem ein Update auch wochenlang nicht ankam, gab es eines Tages eine „normale“ Version über den eigenen Shop. Und da hab ich dann zugeschlagen.



  6. Olaf B.

    Ich mag diese Diskussion um das Für und Wieder der ein oder anderen Version irgendwie… und sei es nur wegen der Blicke hinter die Kulissen. Ich bin z.B. immer davon ausgegangen, das man als Anbieter im MAS sowas wie eine History bekommt welche Apple-IDs die eigenen Programme gekauft haben - und das es dadurch mehr oder weniger ohne Umwege möglich ist User zu identifizieren… Andererseits kann ich mir auch vorstellen das die sich da ungern in die Karten gucken lassen.

    Ich denke, es wird immer schwer sein, den gemeinen User für die Leiden eines einzelnen Programmierers zu sensibilisieren - aber es ist ein komisches Phänomen, dass man sobald man für etwas bezahlt hat immer gleich risen Fragezeichen auf der Stirn hat, wenn man erahnt man könne vielleicht einen Nachteil haben… und dabei ist es scheinbar wirklich unerheblich wie viel Geld etwas gekostet hat… plötzlich werden sogar 79 Cent zu einem schützenswerten Gut… wir sind dann doch alles Menschen und vergessen dabei gerne, das wir z.B. jeden Tag für viel mehr Geld bedenkenlos Lebensmittel Verklappen…

    Falls es dann mal Sinn macht, werde ich mir übrigens gerne die Apps die ich mir im MAS kaufte noch einmal kaufen… und in Zukunft bei anderen Anbietern vielleicht einmal mehr nachdenken :-)



  7. Jens

    Was können wir/man denn tun, dass es besser wird?

    Gleich vorne weg, ich möchte auf die Bequemlichkeit des MAS nicht mehr verzichten! Gerade wenn man wie ich mehrere Rechner hat bzw. umsorgt und dazu noch des öfteren dem inneren Druck nachgibt, immer mal wieder was neues zu haben. Mich nerven beim Neuaufsetzen der Rechner zunehmend die Apps und kleinen Helferlein, die man mal „traditionell“ gekauft hat. Dann sucht man wegen jedem kleinen Helfer auf jedem Rechner wieder Seriennummern korrekte Nutzernamen etc.. Dann bekommt man wieder eine Fehlermeldung, weil man vergessen hat eine Lizenz irgendwo zu deaktivieren und den Rechner hat man gar nicht mehr oder es dürfen nicht mehr als zwei Installationen sein usw.. Ich habe schon einige Apps im MAS (neu)gekauft, obwohl ich sie „traditionell“ bereits erworben hatte. Ist dann auch in Ordnung für mich, wenn ich noch mal zahle.

    Ich kann aber auch den Frust von Entwicklerseite verstehen und Apple ist ja nun nicht gerade dafür bekannt, besonders emphatisch gegenüber seinen Geschäftspartnern zu sein. Das ist wohl die Schattenseite und auch die Notwendigkeit von „kompromisslosen“ Lösungen und Produkten, die Apple von anderen Unterscheidet?!

    Aber, was können wir denn machen? Apples Support auf die Nerven gehen oder was?
    Mir fiele einiges ein, was man besser machen könnte neben dem Review-Dramen: Testversionen für zwei Wochen zum Beispiel, kostenpflichtige/günstige Upgrades für wirkliche Neuerungen bzw. neue Versionen, Möglichkeit von EDU-Lizenzen, ein brauchbares BusinessLizenzmodell! …




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!