Am Pulse der Zeit vorbei
Früher – also damals, als alles noch besser war und wir nichts hatten außer Zeit – da hat man morgens noch am Tisch gesessen, seinen handgebrühten Kaffee aus der in Deutschland hergestellten Tasse getrunken und eine Zeitung gelesen.
Falls einige von ich das nicht mehr kennen sollten – das waren so komische bedruckte dünne Blätter in unhandlichem 25 Zoll Format. Ohne 4G. Dafür war der Akku nie leer.
Heutzutage gibt es nur noch komische Latten aus Plastik- und Pappbechern zum Preis von vier Zeitungen in aller Eile in der U-Bahn und dazu lesen wir 1.276 News-Häppchen auf einem 3.5 Zoll Bildschirm in einem 2-Stationen-Zeitraum.
Das hat natürlich Vorteile. Vor allem für die Menschen, die neben einem sitzen. Die bekommen nicht mehr die FAZ mitten in die Fresse gedrückt. Man selber kann dabei noch Musik hören, twittern und die hässlichen Schuhe des Schlückchens von Gegenüber instagrammisieren.
Wenn man Glück hat, halt der Akku auch fünf Stationen. Das wären dann 3.876 News-Häppchen.
Die alle zu verdauen ist die Aufgabe der (nicht mehr ganz so) neusten Gattung Apps. Die Apps, die so tun, als würden sie die Zeitung ins neue Zeitalter hinüberretten. Dazu noch irgend was von sozial und irgendwas mit Targeting.
Manche machen das sogar (bis jetzt zumindest noch) ganz gut – gell Flipboard?
Und dann gibt es da andere, die machen das so ähnlich. Und jetzt auch im Web – gell pulse?
Und genau das verstehe ich nicht. Das ist doch am Pulse der Zeit vorbei. Der Hang geht doch zum App. Und das aus einem guten Grund. Bitte – wer tut sich das als Webseite an? Menschen, die auch die Webversion von Gmail benutzen?
Wie immer dürft ihr meiner eingeschränkten Sicht der Dinge gerne auf die Sprünge helfen …

14.08.12 | 02:52
Hm, was genau spricht gegen die Webversion von Gmail? :-) Und ich nutze, gerade auf meinem Rechner/Macbook eigentlich hauptsächlich den Browser - viel mehr als irgendwelche Apps.