Ordnung ist auch für den Arsch!

myWPEdit Image

Ich denke – wo ich doch eh gerade schon mal dabei bin – könnte ich doch alles auf einen Schlag abhandeln, was noch so für den Arsch ist.

Und der große Bruder der Tags, Unterordner und Fähnchen ist die, ach so wichtige, Ordnung.

Dazu haben schon unsere Mütter alle das ein und selbe Buch gelesen. Früher war das eine eigene Kopfnote und der Verfasser dieser Zeilen, der es heute nicht erträgt, wenn mehr als ein Rechner und eine Katze auf dem Schreibtisch stehen, der hatte darin immer eine sechs.

Genau so, wie in Schönschrift (die würde ich allerdings auch heute noch kassieren) und Betragen. Und jetzt ratet mal, was ich Fleiß hatte.

Morgen gibt es hier an dieser Stelle kein Beitrag zum Thema ‘Kopfnoten sind für den Arsch’ – das haben zum Glück auch schon andere vor mir kapiert.

Aber schon damals, als noch keiner GTD und Tags und ortsbezogene Erinnerungen erfunden hatte, hat sich das Thema nicht von heute unterschieden.

Obwohl – ortsbezogen war es doch irgendwie. Meist auf das eigene Zimmer und den eigenen Schulranzen und Turnbeutel.

Und ich behaupte jetzt mal ganz frech dreist, dass all jene, die früher genug Fleißbienchen in ihre Hefte gestempelt bekommen haben und ganz tolle viele Einsen im Kopf ihres Zeugnisses hatten – dass die alle nicht ein einziges GTD-App benutzen und auch keine Feeds von Webseiten, die einem erklären wollen, wie man dann ordentlicher wird, abonniert haben.

Denn Ordnung ist nichts anderes als ein aufgezwungenes System. Das System eines anderen. Der oder die andere kann – und ist dies auch oft – nichts anderes sein als ein ‘Das machen wir hier schon immer so’ und das kommt dem ‘So lange du deine Beine unter meinen Tisch …’ so was von nahe.

In dem Moment, in dem man anfängt das System eines anderen zu übernehmen – ist der Versuch schon zum Scheitern verurteilt. Keine Webseite, die euch erzählen will, wie man denn am Besten seine Photoshop Dateien und Ebenen anordnet und beschriftet, kann euch kennen.

Und euer System. Euer System des Denkens. Ich denke total anders als ihr. Der Autor eines solchen Artikels denkt total anders als ihr. Und ist vermutlich ziemlich schlecht im Umgang mit Photoshop. Denn sonst hätte er ein ganz tolles Tutorial dazu verfasst, zum Beispiel: wie man die nervigen Instagramm-Filter wieder aus einem Bild heraus bekommt – oder noch was ganz viel Tolleres.

Ich habe seit 2006 noch nicht einmal Spotlight benutzt, um ein Bild oder eine Datei zu finden. Ich weiß, wo die sind. Auch noch nach Jahren. Und meine Photoshop Datei mit 348 Ebenen und Masken und was es noch so gibt, was man ordentlich bezeichnen und neuerdings mit Farben versehen könnte – würde euch in den Wahnsinn treiben.

Von der Art und Weise, wie ich meine Xcode-Projekte anlege und verwalte will ich erst gar nicht reden. Ein Allan Odgaard würde sich mit großer Wahrscheinlichkeit in den Norrström stürzen. Allerdings brauche ich mit meiner ‘Ordnung’ keine sechs Jahre für eine alpha Version 2.

Was natürlich nicht heißt, dass ich zwischendurch nicht 327 mal ob meiner Unordnung geflucht habe. Aber mein System würde zusammenbrechen, würde ich meine Mutter auch nur in die Nähe meines Xcode Ordners lassen.

Denn Ordnung ist für den Arsch!

Also deine. Für meinen. Und meine für euren.

Der Mensch ist für das Chaos dieser Welt nicht gerüstet. Und das wird ja nicht besser. Das wird mit jedem Tag immer schlimmer. Genau so, wie diese eine Schublade in unsere Küche mit den ganzen Tupper-Scheiß-Dingern, bei denen nicht ein Deckel zum anderen passt und man erst alle hervor holen muss, um an den einen zu kommen, den man eigentlich immer braucht.

Aber wehe – ich würde da für Ordnung sorgen. Dann bricht das ganze System meiner Frau zusammen.

Denn Ordnung ist nichts anderes als unser ureigener Schleichweg durch das Chaos. Und je mehr man in der Lage ist, das weltliche Chaos zu verdrängen – um so unordentlicher ist die eigene Ordnung.

Klingt komisch – ist aber so.

Drum ist Ordnung halten in den aller meisten Fällen auch nichts anderes als eine riesengroße unnütze Zeit- und Energieverschwendung. Eine doppelte. Denn anschließend muss man durch das neu geschaffene Chaos erst einmal wieder seine Trampelpfade ziehen.

Und was darunter leidet – ist die Arbeit.

Was dagegen keine Zeitverschwendung ist – ist das dafür Sorgen, dass man das Chaos überblickt. Bei mir ist das ein komplett leer geräumter Schreibtisch, ein Mac, bei dem das Dock und die Menüleiste ausgeblendet sind und bei dem nichts auf dem Schreibtisch rumfliegt.

Wie das in der Küchenschublade aussieht, geht mir dagegen am Arsch vorbei. Das behindert meine Weltordnung nicht. Ich kann allerdings auch keine Tupper benutzen, denn dann würde das Chaos ausbrechen.

Für andere ist produktives Arbeiten nur dann möglich, wenn möglichst viel auf dem Schreibtisch rumfliegt. Und dies gilt sowohl für den digitalen, als auch den analogen.

Die gehen so weit, die machen sich absichtlich Unordnung – also ihre Ordnung – damit sie das Chaos eines nackten Schreibtisches wieder überblicken können. Sie machen die Arbeit also eigentlich doppelt.

Aus irgend einem Anfall heraus – vermutlich ist dies die Leere, die wir in uns auffüllen müssen, weil mir sieben Jahren nicht genug Fleißbienchen abbekommen haben – machen wir also erst Ordnung, wie man uns erzählt hat, was Ordnung ist. Zwingen uns also das System eines anderen auf, nur um dann fest zu stellen, dass wir so nicht arbeiten können.

Und dann wird wieder Unordnung gemacht. Als das falsche System aus Sicht der anderen angewendet. Nur ist es ja eigentlich das richtige.

Das ist Zeit- und Energieverschwendung hoch2.

Und dann kommt da noch das Gewissen mit ins Spiel. Also, das schlechte. Das entspringt auch einzig und alleine einem Albtraum, in dem diese aufgestempelten Bienen einen anfallen.

Drum hier noch mal in aller Deutlichkeit: Ordnung ist für den Arsch.

Allerdings gibt es da eine einzige, kleine Einschränkung. Dein System darf meinem System nicht in die Quere kommen – denn dann ist nicht die Ordnung für den, sondern du bist der Arsch. Und mit großer Wahrscheinlichkeit werde ich daraufhin zu selbigem …






Zwischenrufe

  1. Lukas Bestle

    Ja, da hast du mal wieder recht!

    Das geht mir auch immer so: Da hat man einen “nach System” unaufgeräumten Schreibtisch, bis dann die Mutter kommt, und mal “das Buch darüber und diesen Ordner dahin” legt. Bis man dann nicht mehr weiß, wo was ist. Nicht, weil es unaufgeräumt ist, sondern weil es *aufgeräumt* ist. Aber nicht von mir, sondern von jemand anderem.

    Wenn ich dann manchmal selber wieder aufräume freue ich mich, aber ich weiß trotzdem noch, wo was liegt :).

    Aber, dass Ordnung allgemein für den Arsch ist, sehe ich nicht so, die Ordnung, die *andere* für dich machen wollen, *die* ist für den Arsch :).



  2. elm

    alles gut solange nicht mehrere leute mit dem selbsen system zu rande kommen müssen.



  3. Michael

    Ich behaupte mal, dass da auch nicht die ‘Ordnung’ das Hauptproblem ist. Da geht es - wie so oft - auch nur um Machtspielchen …



  4. Marco

    Hallo Michael.

    So ganz kann ich deine Ungemach über den Photoshop-Tutorialisten, die Bücher und Ähnliches nicht nachvollziehen.
    Ja, sie leben in ihrer eigenen Welt. Ja, diese eigene Welt ist auch für mich nichts. Ja, sie haben keine Ahnung davon, wie ich eigentlich ticke.

    Nur ist es doch so, dass wir in unserem Denken, Handeln und Fühlen oftmals festgefahren sind. Da gibt es nichts Besseres, als einmal über den Tellerrand zu blicken. Und oftmals muss man viel probieren um festzustellen, dass der eigene Ansatz doch der Beste ist.

    Manchmal findet man aber auch heraus, dass der eigens angenommene Ansatz für den Arsch ist.
    Ich war eigentlich jahrelang Projektordnerfan in Mail, was irgendwann zur totalen Verblödung geführt hat.
    Dank eines Buches “Zeitmanagement für Systemadministratoren” habe ich dieses Manko beheben können, jetzt habe ich genau zwei Unterordner: “Erledigt” und “Federn”. Manchmal möchte man seine Erfolge ja nachfeiern, nech.

    Mein persönliches Fazit: alles ausprobieren, Sinnvolles von Sinnlosem sondieren und sich dann mit den gemachten Erfahrungen seinen Königsweg pflastern.
    Kommt also deinem Fazit schon ziemlich nahe - nur wäre ich nie auf den Stand gekommen, hätte ich nicht herumprobiert.




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!