Aus der Reihe: Auch für den Arsch

Heute: Wörter
Jawoll, Wörter sind auch für den Arsch. Vor allem viele Worte an einer Reihe. Wie ToDos und Ordnung.
Nun unterscheiden viele nicht zwischen gesprochenen und geschrieben Wörtern. Dies ist allerdings wichtig. Denn gesprochene Worte sind komplett für den Arsch. Aber so was von komplett. Menschen, bei denen Wörter wichtig – also nötig waren – sind eh nicht in der Lage zuzuhören. Somit ist da jedes Wort vergebens.
Und Menschen, die in der Lage sind zuzuhören – die achten eh nicht auf die Wörter. In den seltensten Fällen vielleicht gerade noch auf den Zusammenhang. Wenn überhaupt, dann wird darauf geachtet, wer da da was sagt (Wörter von sich gibt) und vor allem, wie da jemand was sagt (die Lippen bewegt).
Und dabei kommt es garantiert nicht auf die Menge der Wörter an. Im Gegenteil. Und schon gar nicht auf die Lautstärke. Doof, wie wir Menschen sind, dann eher noch auf das, was wir dabei anhaben.
Kleider machen Worte.
Bleiben also noch die geschriebenen Worte übrig. Und davon begegnen uns pro Tag eine Menge. Und Menschen, die so komische launische Seiten, wie diese hier, lesen – denen begegnen so verdammt viele, dass auch dem Letzten klar sein müsste, dass die nur für den Arsch sein können.
Es sind über 100.000. Hunderttausend Wörter am Tag. Bei den meisten schon vor dem Frühstück. Und abends noch im Bett.
Die wenigsten von uns können sich 10 Wörter am Stück merken.
Mac, Michael, Ollerum, Langeweile, Arsch, iPhone, Deppenalarm, Schreibtisch, Software und Tastatur.
Und jetzt bitte mal die Augen zu machen und die 10 Wörter aufsagen. Nicht mal ich habe es (in der richtigen Reihenfolge) hinbekommen und ich habe sie gerade getippt.
Und jetzt multipliziert die mit 1000. In den unterschiedlichsten Kontexten. Zusätzlich zu dem ganzen anderen Schwachsinn, der in unserem überfordertem Hirn noch so rum schwappt.
Ratet mal, warum Twitter so ein Erfolg ist.
Auch bei geschriebenen Worten geht es nicht um die einzelnen Wörter an sich. Es geht um das Gefühl, dass sie einem vermitteln.
Menschen, die nicht in der Lage sind über sich selber lachen zu können, die werden mit verdammt großer Wahrscheinlichkeit hier nicht allzu oft wieder kommen. Und da ist es dann auch ganz egal, was für Wörter ich verwende.
Aber ich kann es allen anderen leichter machen. Ich kann (zumindest kann ich es versuchen) einfache Wörter (zu ) verwenden. Und wenige am Stück. Dann aber welche, die alles sagen.
Und ja, ich weiß – dies können die wenigsten. Steve Jobs zum Beispiel konnte das verdammt gut. Von all seinen (positiven) Eigenschaften ist genau diese es, die ich am meisten bewundere.
Und wenn ich das schon nicht ganz so toll kann, dann kann ich wenigstens versuchen, die Gesamtanzahl zu begrenzen. Denn dann bleibt wenigstens das Gefühl hängen, dass man nicht noch zusätzlich gequält wurde.
Und auch das sticht dann schon mal positiv aus den anderen 100.000 Wörtern hervor …
PS: Ich hatte übrigens meinen Lieblingspyjama an, als ich diese unnötigen und zu vielen Worte tippte. Falls da noch jemand unter euch drauf achten sollte …

08.02.13 | 10:56
Das Problem der vielen Worte.
Dieses Phänomen wird häufig bei ADS-Erkrankten festgestellt.
Aufmerksamkeit zu bekommen ist für sie sehr selten. Deshalb möchten sie alles auf einmal mitteilen. Damit erschlagen sie ihr Gegenüber. Als Konsequenz bekommen sie noch weniger Aufmerksamkeit. Die berühmte “Downward Spiral”, nach der Trent Reznor sein 1994 erschienenes Album benannte.
Auch ich möchte weniger Worte nutzen.
Gegen viele Worte. Für mehr Inhalt.