Ach Twitter, war schön mit dir

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Doch, wirklich. Ich mochte dich. Sogar richtig gut. Und wenn du dich entsinnst, dann habe ich dir auch immer den Rücken gestärkt und versucht, allen anderen zu erklären, dass du nun mal Geld brauchst.

Wer sich allerdings wie ein riesen Arschloch aufführt, der kann wegen mir ruhig gerne sterben. Eher früher als später.

In deinem Fall wird das eher später als früher sein – aber es wird kommen.

Den ersten (riesen) Schritt in diese Richtung hast du gestern übrigens selber genommen.

Deine neuen Richtlinien mögen dir und deinen Investoren vielleicht kurzzeitig eine Menge Geld in die Kasse spülen und natürlich werden sie vielen auch direkt am Arsch vorbei gehen.

Spätestens bis die merken, dass es keine gescheiten Twitter-Apps mehr gibt und eure eigenen entweder tot sind oder schlicht und einfach so beschissen bleiben, dass man sie einfach nicht benutzen möchte.

Ja, Twitter-Apps werden aussterben. Punkt. Die Twitter-Integration mit anderen Diensten (dies hat ja in den letzten Wochen schon angefangen) wird auch gewaltig kastriert, wenn nicht gar ausgerottet.

Und ja, ich habe dann gestern direkt nach dem Lesen der Neuen Vorschriften sämtliche Ambitionen bezüglich meines eigenen kleinen Twitter-Apps beerdigt. Was an sich nicht so schlimm ist, für Arschlöcher will ich eh keine Apps schreiben. Aber das Icon. Darum ist es wahrlich schade.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was alles für Auswirkungen diese Änderungen noch mit sich bringen werden – dies werden die nächsten Monate wohl zeigen. Aber eines ist klar: Twitter ist tot. Es wird ein langsamer Tod. Aber er wird kommen.

Und das Problem ist nicht, dass sie Geld machen wollen (müssen). Es ist die Art und Weise. Oder noch einfacher ausgedrückt. Einheitliche Erlebnisse sind auch nicht das Problem – so es denn wirklich darum ginge.

Nein, es ist die Gier.

Die wird einem zum Glück immer noch in den meisten Fällen zum Verhängnis. Keine 20 Prozent von Twitters Traffic kommen mittlerweile noch aus anderen Quellen, als den eigenen Apps und der eigenen Webseite.

Diese 20 Prozent könnte man anders behandeln. Und würde man die eigenen Apps gescheit behandeln, dann wären es vielleicht sogar nur noch 10 Prozent.

Aber ab gewissen Summen setzt das Hirn und der Anstand wohl leider einfach aus.

Zum Glück ist das Internet ein Elefant. Wir vergessen nicht, wie wir uns behandelt gefühlt haben. Wir lernen vielleicht als Gesamtheit nicht immer schnell dazu – dafür sind wir aber so herrlich nachtragend.

Und genau das wird euch in den Arsch beißen. Es mag vielleicht ein etwas reicherer Arsch sein. Aber der schützt nicht dafür, jeden morgen mit dem Wissen aufwachen zu müssen, dass man vor Gier zum Arschloch geworden ist und seine eigenen gute Idee verraten hat.

Hach, da habe ich doch lieber ein paar Nullen weniger an meinem Arsch kleben – kann dafür aber behaupten, dass ich dessen Loch noch nicht weit geöffnet für Geld zur Verfügung gestellt habe …






Zwischenrufe

  1. Andreas

    hm, da scheint app.net ja ordentlich Aufwind zu bekommen.

    Für 50$ / Jahr keine Werbung, weniger Spam (würde ich meinen)…
    Könnte klappen.

    Ich glaube aber nicht, dass sich das für mich persönlich lohnen täte…
    Dann lieber wieder RSS und Twitter totlaufen lassen…



  2. egghat

    Tja, wenn Twitter was könnte … Aber alles, was Twitter spannend macht, kam von anderen. Bilderdienst, Ranking, Short-URLs, Analyse, Suche, Clients, etc. pp. waren alle nicht von Twitter. Der Laden ist dermaßen unkreativ, dass der Dienst ohne die Hilfe von außen eigentlich eingehen *muss*.

    Ich verstehe nicht, warum Twitter nicht einfach Geld für direkten Zugriff auf die API nimmt. Profinutzer zahlen, die Weboberfläche bleibt frei und Twitter probiert einfach mal, was erfolgreicher ist.

    http://egghat.tumblr.com/post/29611424486/dear-twitter-get-your-f-cking-act-together

    @Andreas:

    Was nützt mir App.net auf dem Papier? Ohne Werbung? So wie Diaspora? So Dienste bekommen doch NIE die kritische Masse. Das schaffen zwei oder drei, die anderen Tausend (völlig unabhängig von Features) floppen. Was soll ich auf App.net mit 10.000 Nutzern? Bei Twitter sind 500 Millionen …



  3. Andreas

    Nunja… von den 500 Mio Twitter Nutzern interessieren mich grad mal 146 laut aktueller Following-Liste.
    Ein Großteil davon hat sich bereits bei app.net registriert.

    Von app.net würde ich mir versprechen, dass es weniger Justin-Bieber-heirate-mich Flutwellen gibt und sich die Informationen etwas “erwachsener” gestalten.

    Es ist wie bei Facebook, Google+ und wasweissich.
    Twitter ist etabliert und der gemeine User wird da bleiben. Warum sollte man auch wechseln? Ist doch “gratis”.
    Gerade deshalb könnte man die Hoffnung hegen, dass bei app.net nicht jeder Hinz-und-Kunz vertreten ist.

    Wer potentielle Masse erreichen will, bleibt bei Twitter. Das wäre aber nicht meine persönliche Absicht. :)




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