Wenn die Samsung Werbung Recht behält

Der eine oder andere hat sie ja vermutlich gesehen, Samsungs jüngste Werbung, die sich unter anderem damit befasst, wer denn da eigentlich in der Schlange steht.

Und wenn ich mir so die Berichte aus aller Welt anschaut und die heutigen Artikel dazu in und auf den 756 möglichen Blogs und Webseiten durchforste, dann könnte Samsung, bzw. deren Werbeköppe am Ende vielleicht doch mehr Wahrheit in ihrer Werbung und der Sicht der Dinge stecken haben – als uns vielleicht lieb ist.

Es hat sich ausgehipstert. Aber so endgültig. Der iPod hat sein Werk getan. Ich denke, dies ist uns so deutlich schon lange nicht mehr vorgeführt worden, wie bei diesem neuen iPhone. Vielleicht wollten wir es auch nie so wahrhaben. So mit Steve-Zauber dennoch, die ganze Zeit.

Wir, die wir doch mit Apple groß geworden sind. Die wir immer etwas hipper waren. Naja, sagen wir lieber, die die wir uns dies immer so schön einbilden konnten und vermutlich auch getan haben.

Die wir ein iPhone 1 für Unsummen gekauft haben, ohne Flash und 3G und Copy-and-Paste und was da noch so war, als die Presse sich noch uneins war. Wir, die wir schon Loblieder auf OS X gesungen haben, als die anderen entweder noch mit OS 9 arbeiten wollten oder nicht einmal wussten, dass es da noch etwas anderes gibt als Windows 98.

Wir hatten unseren ersten iPod noch mit FireWire-Anschluss und waren noch auf der guten Seite.

Wir waren die Inderschlangesteher.

Heute berichten wir leicht amüsiert darüber und finden alles gar nicht mehr so dolle. Und dabei geht es nicht nur drum, dass es das bei Steve nicht gegeben hätte. Die Kratzer wären auch unter Steve passiert. Oder das Maps Desaster. Ich sage nur MobileMe.

Was es aber unter Steve vielleicht eher gegeben hätte, wäre der Wunsch auch in einer Schlange zu stehen. Wenn auch nur gefühlt, ihr wisst schon. Um wirklich in der Schlange zu stehen, da sind wir ja viel zu hip für.

Und das Ganze hat vielleicht dann doch auch gar nicht so viel mit Steve selber zu tun, sondern ist einfach der Lauf der Dinge. Und damit haben wir ja bekanntlich ein Problem. Auch wenn wir gerne das Gegenteil behaupten, wir sind weder flexibel noch finden wir Veränderung toll.

Passieren tut die trotzdem. Auch ohne uns. Und so findet man sich dann vielleicht ernüchtert beim auf die Schlange Starren wieder und sieht da Gestalten aus der Samsung Werbung und will es nicht so ganz wahrhaben.

Cool und hip ist anders. Zumindest könnten wir es uns ein ganze Zeit etwas anders einbilden. Wer ist schon gerne Massenmarkt.

Und wenn Hipster etwas so gar nicht kennen, dann ist es die wunderbare Eigenschaft des Reframings. Wenn mir etwas nicht passt, dann verdrehe ich mir die Welt um mich so, dass es wieder passt. Ohne diese Fähigkeit wären wir schon längst alle verrückt geworden.

Und wir haben da noch ein zusätzliches Problem. Wir haben keine Alternative. Wir mögen über das neue iPhone herziehen. Wir mögen motzen und mit dem Fuß aufstampfen und wir mögen uns über die umcoolen Schlangesteher lustig machen, die das Teil und Alles Apple ganz toll finden.

Und dann?

Was machen wir dann? Wir kaufen uns ein iPhone 5 und benutzen OS X – dieses Augenzucker – und unser iPad und den ollen App Store. Dennoch. Oder gerade.

Denn unterm Strich reden wir immer noch über Apple. Und die sind insgesamt gesehen halt immer noch um Längen besser als die Alternativen. Jetzt halt nur für noch mehr. Und Millionen mehr.

Und dies bedeutet, dass die Samsung Werbung am Ende dann doch wieder nicht ganz so Recht hat. Es mögen vielleicht dann doch nur noch uncoole (also nicht wir, per se) in der Reihe stehen. Ein olles Galaxy kaufen wir uns deswegen aber noch lange nicht.

Ich glaube nur, so manche haben das noch nicht ganz mitbekommen oder wollen es nicht wahr haben. Ist ja auch schwer. Soll aber tatsächlich Menschen geben, die im Detail meckern und im Großen und Ganzen dennoch wissen, womit sie arbeiten möchten …






Zwischenrufe

  1. to

    Schön gesagt….




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