Über Usability, Ergonomie und vor allem Schönheit

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Usability, Ergonomie und Schönheit haben nichts mit Geschmack zu tun. Geschmack haben die wenigsten. Und schon mal gar nicht meinen. Oder ich nicht deinen, wenn wir die Sache rumdrehen.

Die anderen Dinge allerdings, die drehen sich um eine ganz andere Sache. Und darüber kann man nicht nur streiten, darüber muss man streiten. Oder noch besser: diskutieren.

Und wenn die Firma, die darin seit Jahren und Jahrzehnten Maßstäbe setzt, auf einmal Bockmist baut, dann ist da natürlich die Aufregung groß. Was nichts daran ändert, dass man es persönlich ganz toll finden kann. Das ist dann Geschmack.

Wenn man von seinem Geschmack geblendet dann allerdings nicht sehen kann (oder will) – dass Kritik geboten ist, dann hat das nichts mehr mit Kompetenz zu tun.

Wenn von Jetzt auf Gleich eine verdammt große Anzahl von Menschen ein Problem mit der Bedienung bekommt, weil Bedienelemente außerhalb der Reichweite liegen, die seit Jahren immer zu erreichen waren, dann ist das ein Griff ins Klo. Punkt.

Jetzt mögen Menschen mit größeren Händen und einem anderen Geschmack darin für sich kein Problem sehen, nur können sie dann nicht in Anspruch nehmen in dem Bereich kompetent zu sein, wenn ihnen das Problem einer großen Anzahl von Benutzern am Arsch vorbei geht.

Ergonomie geht anders.

Wenn etwas, dass zumindest für die meisten Benutzer halbwegs gescheit in der Hand lag, auf einmal nicht mehr so gescheit in der Hand liegt – und zwar für mehr als vorher, dann stimmt da was nicht. Gerade bei einer Firma, die drei Jahre an ein paar Plastikohrstöpseln rumgedoktert und da ein wirkliche Besserung erzielt hat.

Das alles hat etwas mit Abwägung zu tun. Und nur, weil etwas mittlerweile technisch vielleicht möglich ist und ich als Designer schon seit Jahrzehnten davon träume, es endlich umsetzen zu können – heißt das noch lange nicht, dass ich es auch kann. Oder zumindest sollte. Wenn ich mein Ego, meinen Geschmack einem anderen aufdränge, dann man das vielleicht gut gehen – hat aber nichts, aber so gar nichts, mit Usability zu tun.

Wir alle, die wir Dinge für andere ‘gestalten’ wissen, wie hart das ist und wie schwer es uns fällt, dies zu trennen. Was wir für richtig und gut halten, muss noch lange nicht ankommen. Und damit meine ich bewusst nicht Geschmack. Ich meine die Benutzbarkeit für andere.

Manchmal sind zwei Klicks oder eine für unseren Geschmack ‘hässlichere’ Farbe für die Benutzbarkeit der Mehrheit wichtiger als alle Farblehre und Gestaltungsfachbücher zusammen. Und manchmal wäre ein kleinerer Bildschirm für die Mehrheit vielleicht doch besser, als das Geschreie der Marketingabteilung. Oder auch einfach nur ein anderer Ansatz.

Mir gefällt das aber und ich habe keine Problem damit und du hast eh keine Ahnung.

Das ist das gute Recht eines jeden einzelnen. Das darf auch jeder laut aussprechen. Daraus aber eine Allgemeingültig abzuleiten, dient so gar nicht der Sache.

Und die Sache ist, etwas zu erschaffen, dass in sich stimmig ist und womit die meisten, die viel Geld dafür bezahlen, klar kommen.

Und das I-Tüpfelchen dazu wäre ein wenig Schönheit. Und auch die hat nicht wirklich mit Geschmack zu tun. Toll ist natürlich, wenn die beiden sich überschneiden.

Aber es gibt so etwas wie eine allgemeingültige Schönheit. Fibonacci und Co, Farben und deren Zusammenspiel – ihr wisst schon. Wobei da natürlich auch gerade bei den Farben Kultur mit hineinspielen kann. Aber gerade was Formen und deren Seitenverhältnisse angeht, da haben wir alle eine universelles Empfinden, Dinge, die selbst nicht unbedingt unserem eigenen Geschmack entsprechen, als schön einordnen zu können.

Der kleinste gemeinsame Nenner ist zumindest die Umkehrung. Nicht hässlich kann ja auch schon ein großer Erfolg sein.

Persönlich mag ich zum Beispiel die iOS GUI nicht wirklich. Aber sie funktioniert. Sie ist in sich stimmig. Zumindest an den meisten Stellen. Es sind auch nicht ganz meine Farben. Aber auch sie funktionieren. Und das auch für die meisten.

Wenn allerdings etwas auf einmal für viele nicht mehr funktioniert und da immer noch jemand behauptet, dass das dennoch OK ist, weil es ihm persönlich gefällt und für ihn als Einzelnen funktioniert, dann hat das nichts mehr mit Kompetenz zu tun.

Und die darf man ihm dann auch absprechen …







Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!