Wer meckert, muss auch …

Wie wir alle wissen, meckere ich gerne. Zwar nur da und dann, wo und wenn angebracht. Dann aber auch richtig.
Aber wer meckert, der muss auch das andere können.
So nervig, wie das ist, wenn man ein angemacktes Neugerät bekommt, wichtiger ist dann, wie der Verkäufer (die betroffene Firma) reagiert.
Und der Service stimmt in aller Regel bei Apple.
Anruf, Daten aufnehmen, Wochenende warten und Ersatzgerät in den Händen halten.
Und das Ersatzgerät hat keine Macken, Flimmert nicht, Wi-Fi geht und Display ist auch in Ordnung.
Schöner ist es allerdings über das Wochenende auch nicht geworden. Dafür mag ich den neuen Anschluss. Das hat endlich nichts mehr von gekakelt und gleich kaputt.
Im Vergleich zum Vorgänger ist das Display eindeutig besser und endlich kommt das Profil wieder auf die halbwegs richtige Seite der Kelvins. Ich wette, die meisten, die darüber meckern, dass ihr Display einen Gelbstich hat, haben in ihrem Leben noch nie vor einem gescheit kalibrierten und profilierten Monitor gesessen.
Ich persönlich brauche sie nicht wirklich, aber die eingebauten Lautsprecher sind auch besser geworden. Allerdings ist die Sprachqualität bei Anrufen immer noch nicht vergleichbar mit einem BlackBerry oder auch so manchem Nokia Teil. Dies ist wohl aber auch oft eher subjektiv.
Die Performance solch eines Teiles zu beurteilen – dafür bin ich die falsche Person. Das Teil gehört in die Hosentasche und man googelt damit mal, beantwortet seine Mails und liest ein paar Nachrichten. Auch spiele ich nicht. Das konnte man alles schon mit der ersten Version.
Da war allerdings der Flaschenhals die lächerliche Edge-Verbindung. Und da wir nicht in Süd-Korea wohnen, hat sich das seit der zweiten/dritten Version ja eh erledigt. LTE steht drauf, ist in Teilen drin – aber selbst in Berlin Mitte Dienstag nachts kommt man bei den Telekomikern bei weitem nicht an das Versprochene ran. Da ist immer noch wichtiger, was der Browser so macht und der macht seine Sache in der neusten Version fein und schnell.
Was ich von anderen höre, so ist die Performance bei schon angepassten Spielen natürlich besser geworden, was Apples erster mehr oder minder wirklichen Prozessor-Eigenkreation zu verdanken ist.
Denn bei allem Gemeckere über das Offensichtliche – Däumchen haben sie in Cupertino natürlich nicht gedreht. Technisch ist das Gerät ein zum Teil gewaltiger Schritt.
Nur hier ist die Sache: um die Technik geht es nicht. Nicht wirklich. Es ging schon immer um die Software und das Zusammenspiel. Da sind sie natürlich immer noch Vorne. Aber ausruhen dürfen sie sich nicht.
Noch ist es nicht so weit – aber der Smartphone-Markt ist demnächst gesättigt. Da gibt es keine neuen Kunden mehr. Dies ist übrigens auch der Grund, warum so erbittert gekämpft wird. Es geht um die Erstkäufer.
Wie fast überall. Der Mensch ist faul, bequem und ein Gewohnheitstier. Sollte er nicht komplett ins Klo gegriffen haben, so bleibt er bei dem, was er kennt und an was er sich gewöhnt hat.
Drum dürfen solche Pannen, wie die Macken und Kratzer, schlicht und einfach nicht passieren. Da kann der Support hinterher noch so gut sein, Kunden die jetzt kommen, die sind nicht mit Apple groß geworden. Die sind unser Leiden nicht gewöhnt.
Auf der anderen Seite sind wir alle ja auch immer selber dran Schuld. Jedem anderen, der mich fragt, sage ich grundsätzlich:
NIE, NIE, NIE DIE ERSTE REVISION EINES APPLE PRODUKTES KAUFEN! NIEMALS NIE!
Um fair zu bleiben, die Qualität hat sich in den letzten Jahren konstant gesteigert. Da mag zwar jetzt erst einmal mancher mit dem Kopp schütteln – aber die älteren Hasen unter uns, die jahrelang von Spaltmaß-Albträumen geplagt und von Quietsch- und Zischgeräuschen verfolgt wurden, wir können nur müde über diese kleinen Macken lächeln.
Auch kann man nur den Kopp über Maps schütteln und sich wundern, was sie sich dabei gedacht haben – ist doch heute heraus gekommen, dass der Vertrag mit Google auch noch für iOS 6 gegolten hätte. Das so halbfertig abzuliefern wäre also gar nicht nötig gewesen.
Google arbeitet seit über 7 Jahren mit über 1000 Mitarbeitern daran und Apple hat mal gemeint in weniger als zwei Jahren mit einer Handvoll Mitarbeitern was reißen zu können. Ja, mehr Mitarbeiter sind nicht immer ein Garant für das bessere Produkt. Im Gegenteil. Apple ist dafür oft auch das Paradebeispiel – aber so ein bisschen mitdenken. Da ist wohl wieder mal unter gegangen, dass es außerhalb von Kalifornien und den USA noch eine ganze Welt gibt.
Aber auch hier könnte man seinen Arsch drauf verwetten, dass in spätestens zwei Jahren kein Hahn mehr nach kräht und wir Google Maps aus unserem vollen Kurzzeitgedächtnis vollständig verdrängt haben.
Apple baut Bockmist, wie alle anderen auch. (Bei) uns fällt es nur mehr auf. Aber in aller Regel korrigieren sie diese dann zu unserem Vorteil.
Drum bleibt auch noch Hoffnung für den Formfaktor, die Materialien und die Verarbeitung …
