Das Sterben der Kommentare

Ich weiß, ich bin alt. Und wenn ich von vorm Krieg Internet erzähle, dann gähnt die Hälfte von euch Jungspunden hier ganz fürchterlich. Demnächst stirbt dies mit dem vorm Krieg ja auch komplett aus. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, durch was es ersetzt wird?

Damals - als alles noch analog war?

Bitte, was ist analog?

Und eben genau so ist das mit den Blogs und den Kommentaren.

Als wir alten Säcke vor mittlerweile fast Jahrzehnten damit angefangen haben, da hatten wir noch HTML 3 mit ohne CSS. Dafür aber Kommentare.

Ich erkläre das mal kurz für euch Jungs und Mädels der Generation Smartphone:

Ein Kommentar ist etwas, das man auf einem Blog ganz einfach hinterlassen kann. Unter dem Eintrag. OK, ich muss fairerweise sagen: konnte.

Damals, ihr wisst schon, als die Handys nur 11 Tasten hatten und so dick waren, wie 5 iPhones.

Da konnte man ganz einfach kommentieren. In der Regel sogar ohne Anmeldung und Freischaltung. Und das war toll. Man konnte teilhaben. Diskutieren. Ideen und Information austauschen, Fehler in dem Artikel berichtigen, wichtige Links ergänzen.

Das war so dermaßen sozial, lange bevor das Netz ja so was von Irgendwas Mit Sozial wurde.

Und dann kamen die Trolle und es gab Anmeldungen und Captchas und Freischaltungen und Spamfilter. Und noch mehr Trolle.

Und als das Netzt dann Irgendwas Mit Sozial wurde, da wurde es in den Kommentaren immer unsozialer.

Und nach und nach verschwanden dann die Möglichkeiten, mal ganz einfach einer Artikel auf einem Weblog zu kommentieren.

Und seit kurzem, da wird auch so gut wie gar nicht mehr kommentiert. Selbst wenn die Kommentare für jeden noch offen stehen sollten. Ja, das gibt es noch. Hier zum Beispiel. Gänzlich ohne Captcha und sonstigen nervigen Dingen.

Wenn, dann gibt es überhaupt noch eine Antwort dazu auf Twitter, Facebook und AppDotNet.

Ohne Bezug für alle anderen, die vielleicht auch den Artikel lesen. Und wenn dann dort sinnige und hilfreiche Links, Verbesserungen oder Korrekturen dazu getätigt werden, dann gehen die unter und werden vorher alle auch noch URL-geshorted.

Denn der Nachfolger von Kommentaren ist: Kaputt.

Und das ist so dermaßen schade.

Drum bitte, bitte, bitte – wenigstens hier und nur für mich und alle meine Leser:

Wenn ihr euch schon liebenswürdigerweise die Zeit nehmt, meine Fehler zu korrigieren, ergänzende Links herauszukramen oder sonst wie zu kommentieren – macht dies hier!

Das ist ganz einfach, tut nicht weh und dient allen. Ihr wisst schon, der ursprüngliche und eigentliche Sinn des Internets?

Zu jung dafür?
Muss ich den auch noch mal erklären?
Wenn ja, dann lasst mich das wissen. Aber nicht auf Twitter …






Zwischenrufe

  1. Stephan

    Hey, seit wann konnte man denn mit den Pre-Smartphones auf Webseiten rumsurfen? ;-)
    Und jetzt würde ich die noch einen Früher-war-alles-besser-Spruch reindrücken, aber ich muss dir eigentlich Recht geben. Ich kommentiere eigentlich auch viel zu selten. Twitter und Facebook haben es zwar geschafft, Quellen in einem Stream sammeln, aber im Gegensatz zu Feedreadern verlässt man die Social Networks ungern. Und deshalb schließt man die besuchten Seiten gleich wieder und läuft weiter im Stream.

    Und nu?



  2. Jones

    Also ich würde mich “noch” als jung bezeichnen und kommentiere gerne deine Einträge.
    Ich mag diesen Blog sehr :) Ich lese mir jeden Eintrag durch :-)

    Zwischenruf von Jonas



  3. Sascha

    Vielleicht nicht die Schuld bei anderen suchen, sondern bei Dir selbst. Das ist son Klassiker, Du weist schon, aus vergangenen Tagen. Es gibt nämlich Blogs da wir kommentiert was das Zeug hält. Es ist nämlich kein generelles Problem.



  4. Michael

    Damals, als Menschen noch nicht permanent in Schuld und Angriff gedacht und gehandelt haben.
    Damals, als wir noch Humor und Augenzwinkern hatten und alles nicht so ernst genommen haben. Vor allem uns selber nicht …



  5. Michael

    Vielleicht aber auch damals. Als alles noch übersichtlicher war. Und wir weniger lasen. Und somit genauer. Und auf die Details achten konnten.

    Details wie:

    Wenn ihr euch schon liebenswürdigerweise die Zeit nehmt …



  6. Matthias

    Ach, danke für die Erinnerung. Jedes Jahr zum Neujahrstag nehme ich mir vor, dass ich doch eigentlich mal auf den zig Blogs die ich lese und gut finde, mehr kommentieren könnte. Dies ist wahrscheinlich der erste Kommentar in diesem Jahr. Aber ich versuche mich zu bessern!
    So wie früher, als es noch gar keine Blogs gab sondern noch alles in Foren ablief….



  7. Michael

    Foren? Wie alt bist DU denn?

    (Betonung bitte denken, du müsstest das ja noch gelernt haben, gänzliche ohne Smilies)



  8. Mirko

    Pah, Foren. Elende Jungspunde. Newsgroups, bei de.* meist mit Realname-Sozialzwang! Aber das kennt ja keiner mehr. Und die die’s kennen, sind zu ‘nem Großteil die AOL-Heinis, die für deren Verfall gesorgt haben bevor die Spammer richtig losgelegt haben…
    Ach ja, früher… war’s auch nicht wirklich besser. Nur anders.



  9. Stephan

    Bulletin Boards? :-D Immer 2x mehr wie du!
    Was war das für ein Gefühl mit ernem 9600er (was damals High-End war) sich in einen fremden Rechner einzuwählen und dort dann gaaaaanz wichtige Nachrichten zu lesen und zu schreiben.
    Hach.



  10. Marco

    Es gibt noch Blogs mit Kommentarmöglichkeiten und ohne Anmeldezwang irgendwo?
    Schöne alte Welt. :)



  11. isger

    “So wie früher, als es noch gar keine Blogs gab sondern noch alles in Foren ablief….”
    und man sich stets zu einem thema an einem ort zusammengerottet hat. stattdessen zieht man sich nun auf seine eigene kleine insel zurück und erwartet dabei, dass einem ein jeder daraufhin folgt.



  12. Michael

    Erwarten und Wünschen/Hoffen sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Und das - so behaupte ich mal - früher, wie heute …



  13. Matthias

    Ich will mein BTX und meinen alten Brotkasten wieder! Bzw. lieber meinen 128er mit dem unschlagbaren 80-Zeichen-Modus :-)
    Das war meine Kindheit! Bin ich jetzt zu jung oder zu alt?
    Ernst beiseite: Ich habe meinen eigenen Blog tatsächlich nach fast 10 Jahren eingestampft. Einfach so. Schleichender Prozess. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob die Entwicklung positiv oder negativ ist. Die der Kommentare - nicht die meines Blogs.
    Viele Seiten nutzen nun die größtenteils asozialen “Sozialen”, die ich allein aus Protest nicht nutzen möchte.
    Vorteil: Einfache Möglichkeit der Kommentierung für Nutzer und alles irgendwie zentral mit einem Account verwaltet.
    Nachteil: Alles irgendwie zentral mit einem Account verwaltet.
    Gespannt darf man sein, wie sich das in 5-6 Jahren entwickelt. Vielleicht stehen wir “Digital Natives” dann genauso da wie die “Digital Immigrants” und heißen dann “Social Immigrants” oder “Industrial Digital Cattle” oder irgendwie so…



  14. Helge

    Ich mochte ja auch immer die Newsgroups. de.alt.arnooo war schon recht lustig… ^_



  15. to

    Oh… ja… Foren und Newsboards… das waren noch Zeiten! Kinder, Kinder…
    Also ich bekomme das ganz stark mit wie immer mehr Blogs ihren Kommentarbereich schließen. Und ich verstehe das voll und ganz. Aus den Zeiten als man sich gegenseitig half und nützliche Links zukommen ließ, oder sich genüßlich befetzte (aber jeder immer auch was zu sagen hatte, gell Michael) ist eine Zeit geworden in der Kommentare hauptsächlich als Betätigungsfeld für Borderliner dienen. Ich finde das sehr schade…



  16. awek

    Früher™ hat man auch noch Absätze geschrieben die aus mehr als zwei Sätze lang waren. Entschuldigung für das Getrolle, aber es macht mir noch weniger Lust das hier gelegentlich zu lesen, wenn die Form so furchtbar ist.



  17. Michael

    Du Armer. Du machst Dinge, auf die die eh schon keine Lust hast. Mein Beileid. Also ich mache keine Dinge, auf die ich eh schon keine Lust habe. Erst recht nicht, wenn die noch weniger Lust machen. Dafür Absätze, wo es Sinn macht …



  18. Ludwig GE

    Warum denn schon wieder alle so genervt!? - Schade, wollte auch was zum Thema beisteuern “Früher”… ja, ja! (bin Ü70)



  19. @dr3do

    @Stephan

    9′600?! Soo schnell?! Krass. Ich biete 300 baud, dann Steigerung auf 1′200. Da gehen wenigstens die Leitungen nicht von kaputt (Originalaussage der damaligen “Deutsche Post”). #yeaaah



  20. el-flojo

    Herrlich. Es kam aber noch kein Hitlervergleich. Da geht noch was…



  21. Heuni

    Amen Bruder



  22. Erminia

    @Michael
    Ich mag Absätze. Gerne auch nach nicht zu vielen Sätzen, am besten jedoch, am Ende eines kompletten Gedankens oder Aspekts. Allerdings, so manchem Deiner Gedanken kann ich oft nicht folgen, einfach weil Dein Satzbau und gelegentlich auch die Rechtschreibung durchaus eine Korrekturlesung vertragen könnten. Es wirkt häufig so, als hättest Du unter der Dusche drüber nachgedacht, es schnell getippt und hochgeladen. Beispiel? ” ich habe den geschlagen gestrigen Tag…”



  23. Patrick

    Ich bin auch hier :o)

    … vielleicht solltest du die Kommentare im Blog anzeigen lassen, nicht das das jemand übersieht. Ist halt so ne Sache mit dem RSS Kram. Feedreader lassen einen eben nicht mal schnell kommentieren!




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!