Die zwei Maße

Wir messen alles mit zwei Maßen. Dinge, die wir gemacht haben, bewerten wird anders, als Dinge, die wir nicht gemacht haben. Sowohl geistig als auch handwerklich.

Dinge, die Personen gemacht haben, die wir mögen, bewerten wir anders, als Dinge von Personen, die wir so gar nicht leiden können.

Komischerweise übertragen wir das auch auf Firmen und Gegenstände.

Und zu einem Maß gehört auch immer die passende Erwartung. Und somit auch die Freude oder die Enttäuschung.

Und egal, wie man es dreht oder wendet. In den seltensten Fällen hat das etwas mit einem fairen Maßstab und somit mit einer fairen Beurteilung zu tun.

Maps ist bei weitem nicht so schlecht, wie es jetzt – zum Teil mit viel Schadenfreude – gemacht wird. Hätte eine andere Firma das so veröffentlicht, wäre das kaum eine Schlagzeile wert.

Die, mit dem anderen Maßstab werden jetzt gleich unisono dagegen halten, dass wir aber ja über Apple reden. Da kann man etwas anderes erwarten.

Ja – kann man das?

Ich persönlich würde das gerne können – weiß aber, dass ich das nicht kann. Klingt komisch – ist aber so.

Denn wir alle können nicht objektiv oder fair sein. Ich persönlich kenne keinen Maßstab, auf den wir uns einigen können?

Ein Jahr mit lauter neuen Features gegen sieben Jahre mit weniger Features. Doppelt so viele Presse, die alle es mit den Details und der Fairness nicht so genau nehmen? Ist das jetzt der Zeitpunkt, die freie/kostenlose Werbung, die Apple sonst so bekommt dagegen aufzuwiegen.

Ich bin nicht in der Position dies zu beurteilen. Ich habe einen anderen Maßstab. ich habe den geschlagen gestrigen Tag damit verplempert, herauszufinden, dass Apples Dokumentation Lücken hat. Gewaltige.

Und dennoch ist sie besser – und zwar um Längen – Alls jede andere Dokumentation, mit der ich mich in meinem leben rumschlagen musste.

Auch rede ich wöchentlich, wenn irgend ein App mal wieder aus den bescheuertsten Gründen abgelehnt wurde, gegen eine Wand.

300 Millionen Nutzer weltweit sind (im Großen und Ganzen) froh drum, dass es diese Reviews gibt. Ich auch. Eigentlich.

Ich kann euch keinen Maßstab nennen. Ich wende meinen eigenen an. Ich finde eine Menge ausgelieferte iPhones mit massiven Kratzern um Längen schlimmer, als ein zu verbesserndes Karten-App.

Andere mögen das anders sehen.

Ich weiß nur, dass weder Blind Flecken, noch Häme, noch übereilte Aktionen jemals etwas gebracht hätten. Egal mit welchem Maßstab betrachtet.

Fehler zu erkennen, einzugestehen und zu korrigieren – das kann ich mit den unterschiedlichsten Maßstäben betrachten und komme doch immer zu dem ein und selben Schluss:

Egal, wie angepisst ich vielleicht selber gerade sein mag, so macht man das. Und zwar nur so …






Zwischenrufe

  1. to

    Im Prinzip hast du schon recht, aber das sich alle so freuen wenn Apple auf die Nase fällt hat auch viel mit Apples eigener Diktion zu tun. Gerade in Europa kommen all diese “it just works”, “magical” und “amazing” in tausendfacher Wiederholung in jeder Keynote seltsam rüber…
    Wir langjährige Apple-User wissen eh was wir davon zu halten haben. Für alle anderen wirkt das eher lächerlich.
    Und sehr viele Leute sind halt erst seit sehr kurzer Zeit Apple-User dann nur die iToys…
    Deshalb ist dann auch der Aufschrei so groß, neben all den Gründen die du erwähnt hast.



  2. sam

    es kommt eben auf die presentation an…

    apple hat jahre lang am eigenen image gebaut und alles daran gegestzt, cool, fehlerfrei, anders und vor allem DAS superlative schlecht hin zu sein… und hat durch geschicktes marketing dazu beigetragen, dass wir apple user das image in die welt getragen und verteidigt haben.
    aber so langsam glaubt uns keiner mehr nach all den apple untypsichen fehlern wie mobile.me, ping, antennagate, “neue” mac pros und eben #scuffgate sowie eben apples #ilost oder auch besser bekannt als apple maps.
    dass die “anderen” sich nun darüber lustig machen, ist ganz normal.

    seit back-to-the-mac geht es bei osx auch irgend wie nicht mehr nur nach oben…
    1finger gestures durch komische und unlogische 3/4 finger gestures ersetzt, sandbox + plus nervende nachfragen und keine versions mehr >_



  3. zhet

    irgendwie fehlt mir schon ein bisschen die “gute, alte” Mac-Zeit ™, in der man in seiner Niesche gelebt hat und einfach an eine Produkt Freude hatte - naja, es gab auch kratzer, Probleme, aber irgendwie war es angenehmer, von dem Rest ignoriert zu werden. Jetzt hat auf einmal jeder eine Meinung zu Apple - und teilt sie ständig und ungefragt mit. Ist es bei Microsoft, Google und wie sie alle heissen jetzt schon so langweiliggeworden, dass die sich ständig mit Apple beschäftigen müssen?



  4. to

    @zhet
    Naja, es hat sich kaum eines von den Unternehmen so unbeliebt gemacht in letzter Zeit - s. all die Sager von Apple und all die Klagen.
    Klar viele lieben Apple noch immer, aber noch mehr hassen Apple wie die Pest - ein gefundenes Fressen für die Presse.
    Da könnte sich Microsoft locker ein zweites Vista und Google ein Maps-Disaster leisten dzt. - keiner würde es merken.
    Ja, ich vermisse die Zeit auch, als noch nicht jeder Trottel ein iPhone hatte und Apple noch Computer gebaut hat…



  5. Ivo

    Tja, also ehrlich gesagt, ist die Aufregung rund um die Map Applikation einfach nur lächerlich. Die Leute tun so als hinge ihr Leben davon ab. Man bekommt davon Windpocken oder noch schlimmeres. Ich mein hey, wenn man plötzlich nur noch seinen Nachbarn anrufen könnte, das wäre ein Problem.

    Was ist so extrem wichtig an der Maps App? Vor ein paar Jahren, da habe ich mir ne Karte genommen um mich zu orientieren. Heute halte ich so ein kleines Dings in meinen Händen und das sagt mir innerhalb weniger Sekunden wo ich mich gerade befinde und zeigt mir einen Kartenauschnitt an. Zudem kann ich sogar Satellitenbilder sehen.

    Sicher man muss aufpassen wenn man vor seinem Nachbarn prahlen will, das wäre schon fatal wenn man dann nur Müll in Berlin angezeigt bekommt. Der dreht sich glatt um und belächelt einen. Und zwar nicht weil er irgendein Android irgendwas hat, sondern einfach weil er noch ne herkömmliche Karte hat und die sogar bedienen kann.

    Brot und Spiele. Das hat schon immer funktioniert. Es gibt wichtigeres als eine missglückte Maps App.



  6. zhet

    genau dieses “hassen” ist es, dass mich irgendwie immer wieder kopfschüttelnd zurückbleiben lässt. Der eine liebt seinen Blackberry, der andere mag Android… ich habe ein Mobiltelefon von einer Firma gekauft, die eine andere Firma verklagt hat, die auch Mobiltelefone verkauft. Und nun? Läuft mein Telefon jetzt schlechter?
    Und: Apple baut noch äusserst gut Computer - versuch mal, ein brauchbare Notebook zu finden, wenn du ein Macbook im Kopf hast ;-)




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