Das Weblog der MOApp Programm Manufaktur.
Tiraden, Kommentare, Fünde und Tipps von Michael & Ollerum.

Entschleunigung

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567 Emails. 37 Anrufe. 123 ungelöste Bugs. 876 neue Ideen. Von Tweets und Posts und Kommentaren erst gar nicht geredet. Täglich. Und keine Zeit. Bei locker 12 bis 16 Stunden Arbeit jeden Tag. Sieben Tage die Woche. 365 Tage im Jahr. Der letzte Urlaub war vor über zehn Jahren. Und jünger wird man ja auch nicht.

Und damit geht es mir ja immer noch besser, als vielen anderen von da draußen/von euch.

In diesen 12/16 Stunden tue ich ja fast ausschließliche Dinge, die ich mag und gerne tue und auch nur, weil ich das will – und nicht, weil mich jemand dazu verdonnert hat.

Aber auch ein selbstgeschaffenes Hamsterrad bleibt ein Hamsterrad. Nur in etwas schöner, vielleicht.

Ich kann natürlich auf einmal die Bremse ziehen und es zum Stillstand verdonnern. Zum einen wollen Support-Emails beantwortet, Fehler behoben und Aktualisierungen heraus gebracht werden – aber vor allem würde ich ja wahnsinnig werden, könnte ich auf einmal nichts mehr klöppeln.

Aber man kann so ein Rad ja vielleicht auch etwas langsamer treten. Zumindest kann man es versuchen. Und in der Zeit kann man ja mal etwas machen, was man schon immer machen wollte und nur nie dazu kam.

Und das sollte vielleicht mal etwas sein, was so gar nichts mit der eigentlichen Arbeit zu tun hat. Und da ich nun wahrlich nicht fürs Gärtnern geeignet bin – aber schon immer einen Saab fahren wollte, da habe ich mir vorgestern kurzerhand einen uralten und noch nicht wirklich durchgerosteten 901 angeschafft.

Alleine die Heimfahrt war schon so dermaßen entschleunigt, dass ich dabei grinsen musste. Das gestrige Warten auf der Zulassungsstelle war dann zwar auch äußerst entschleunigt – mit Grinsen hatte es allerdings nichts mehr zu tun. Die Fahrten durch Berlin dann schon wieder eher.

Man muss nicht jede Ampel bei dunkelgrün noch mitnehmen. Man muss nicht permanent die Spur wechseln, weil man ja schneller vor der nächsten Ampel stehen könnte und vor allem, weil der Audi das hergibt.

Man ist auch nicht wirklich später wieder zu Hause. Dafür aber mit einem Grinsen.

Und so ist das oft bei der eigentlichen Arbeit auch. Man bekommt, so man denn nicht künstlich und verkrampft auf das Gaspedal tritt, in der Regel fast alles auch ohne Hektik erledigt. Oder zumindest kann man es versuchen.

Man muss ja nicht jede Idee umsetzen, nur weil der Kopp das hergibt. Und man kann einfach auch mal etwas anderes machen. Zum Beispiel an einem alten Saab rumschrauben.

Und wenn ihr demnächst hinter einem alten, weißen 901 steht, dann nur keine Hektik. Der ist entschleunigt. Was zum Teil auch daran liegt, dass man so manchem Gang zweimal erklären muss, dass er jetzt drin ist. Nach rechts blinken ist auch nicht so wirklich wichtig, man kann ja auch einfach mal öfter nach links abbiegen.

Da entdeckt man Ecken, in denen war man noch nie. Und wenn man entschleunigt fährt, dann sieht man so gar was.

Aber das allerbeste an dem Ungeschoss ist, dass ich jetzt wieder meine alten HR3 Clubnight Mitschnitte hören kann. Da ist doch tatsächlich noch ein Kassettenradioteil drin. Wenn das mal nicht entschleunigt ist, dann weiß ich es auch nicht.

Es gibt doch nun wahrlich nichts Besseres zum Zeitverschwenden als Spulen …




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