Geistiges Uneigentum

Ich bin gerade über dieses Bild auf Twitter gestolpert. Oder besser gesagt, gestolpert worden. Und die erste Frage/der erste Gedanke, die/der mir so durch den Kopp schoss, war nicht etwa: toll. Oder: grenzgenial. Oder: wie gemacht?
Nein, die erste Frage war: Wer hat die Rechte an dem Bild? Und wer hetzt da demnächst seine Anwälte los?
Die Frage, was Vermeer dazu gesagt hätte, die wäre wohl viel spannender – aber die kam mir erst danach in den Sinn.
Das ist, wie schwedische Namen hören und das passende Möbelstück im Geiste schon einmal zusammen bauen können. Nebst den Nummern von den Schrauben dazu auch im Kopf haben.
Oder die Bestellung für 13 Personen bei Mäckes so runterrasseln zu können, dass nicht eine Rückfrage kommt.
Wir sind von Dingen geprägt, die hätte Vermeer nicht mal malen können.
Und wenn heutzutage jemand etwas Tolles nimmt und remixt, dann passiert eines von zwei Dingen: Bei uns in Deutschland kann man es auf YouTube vermutlich dank der GEMA nicht sehen. Und wenn doch – dann ist der erste Gedanke: Wie lange das wohl dauert, bis da jemand Post vom Anwalt bekommt?
Expedit groß in weiß kostet 129 Euro. Kommt in zwei Paketen, die nicht in einen A3 passen (ob die in einen Saab passen, muss ich mal ausprobieren) und dauert zu zweit 13 Minuten aufzubauen.
Geistiges Eigentum kostet nichts, kommt gänzliche ohne Pakete aus und passt nur denen in den Kram, die in ihrem Leben noch nicht wirklich etwas Kreatives erschaffen haben.
Und vor allem verklebt es das Hirn eines jeden noch halbwegs normal tickenden Menschen, wie die McRib Soße unsere Darmwände.
Sollte ich jemals auch nur ansatzweise Etwas erschaffen haben, was dem Mädchen mit dem Perlenohrgehänge (was ich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wohl nie tun werde) auch nur zum Hundertstel nahe kommt, dann erteile ich euch hiermit ausdrücklich die Erlaubnis, es zu Remixen, was das Zeug hält.
Denn wenn es auch nur entfernt etwas Kreatives gibt, was wir in den letzten 50 bis 100 Jahren eventuell hervorgebracht haben, dann ist es die Kunst der Wiederverwertung.
Und manche von uns sollen das tatsächlich nicht mit dem gelben Sack verwechseln.
Und vor allem ist Alles, was wir heute ach so Tolles erschaffen, doch eh beim nächsten Stromausfall im Arsch. Das Gefühl für die Ewigkeit verlieren wir tag-täglich beim IKEA an der Kasse.
Nur die Servietten und Teelichter, die dürften vermutlich so lange reichen …

18.10.12 | 06:58
So herrlich unaufgeregt und auf den Punkt warst du ja schon lange nicht mehr.
;)
18.10.12 | 07:00
Hey! Das mit dem Unaufgeregt geht ja in Ordnung. Aber auf den Punkt bin ich immer! Da sind manchmal nur noch ein paar Kommas und Gedankenstriche dazwischen :-)
19.10.12 | 09:59
Das dürfte der klügste Satz zu dem Thema sein, den ich seit Langem gelesen habe — und dann finde ich den in einem Aufsatz voller ähnlich kluger Sätze, verfaßt ausgerechnet von Dir altem Kopieren-ist-schlimmer-als-Mundraubmord-Vergewaltigung-Brandstiftung-Kindesmißbrauch-und-Joachim-Witt-Videos-angucken-müssen-Betonschädel. Ich bin beeindruckt!
Mir scheint, der Saab wirkt. ;-)
19.10.12 | 10:19
Ich habe nur auf einen Kommentar von dir gewertet. Und leider, leider, leider dann doch nur die alte Kamelle.
Denn DAS habe ich NOCH NIE so gesagt! Denn eigentlich weißt auch du Betonschädel den Unterschied und weißt, worüber ich mich aufrege und worüber nicht.
Im Herzen und im Geiste fahre ich schon seit Anfang der 90iger Saab. Aber selbst da wusste ich schon den Unterschied zwischen plumpem Aneignen von Dingen, die einem nicht gehören, was remixen eigentlich bedeutet (schließlich haben wir in den späten 80igern und in den 90igern nichts andere gemacht - und dies gänzliche ohne Anwälte) und das Gedanken nichts Neues hervorbringen können, da alles schon mal da war.
Nur ein Unrecht macht ein anderes Unrecht nicht wett. Zwei Ärsche ergeben kein reines Gewissen. Egal von welcher Seite man sie betrachtet. Und wer über die ach so böse Mafia schimpft, muss erst einmal sein eigenes Verhalten überprüfen. Und da ist es gänzlich egal, in welchem Auto man gerade hockt.
Harte Arbeit ist kein geistiges Eigentum oder Uneigentum. Harte Arbeit hat belohnt zu werden. Welcher Art diese Arbeit ist ist dabei auch völlig unerheblich. Metal, Erde, Einsen und Nullen, Gedanken oder Holz spielen keine Rolle.
Und will ich nur in den Genuss dieser harten Arbeit kommen, ohne dafür zu bezahlen - dann bin und bleibe ich ein Arsch. Egal welche hochphilosophischen Ausreden ich mir dafür einfallen lasse, nachplappere oder immer und immer wiederhole.
Aber anscheinen kann man heutzutage nur noch A oder B oder darf es nur noch. Und als C wird man dann halt in eine Ecke verfrachtet, weil es kann ja nicht sein, dass man A und B zusammen betrachtet und somit eigentlich gar kein C ist …
19.10.12 | 05:03
[ ] Du hast verstanden.
[X] Geh’ bitte noch ein paar Runden Saab-fahren, danke.