10 Years of Making Apps

Das Märchen vom Sync

Es war einmal – vor langer, langer, langer Zeit – da hatte man einen Schreibtisch. Damals noch aus richtigem Holz und ohne Schrauben. An diesem saß man von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr abends und benutzte Stift und Zettel. Die Zettel wurden dann gelocht und fein säuberlich in den Aktenschrank hinter einem eingeräumt.

Wenn es ein musste, dann nahm man auch mal schon einen dieser Zettel oder gar eine ganze Akte mit nach Hause. Die packte man dann in seine lederne Aktentasche und brachte sie am nächsten Tag wieder mit.

Genau. Mit. Eine Akte. Ins Büro. Man hatte nicht eine Akte im Büro, eine zu Hause, eine in der ledernen Aktentasche, eine auf der Toilette, eine in einer kleineren Ledertasche bei der Freundin und auch nicht noch eine in einer noch kleineren Leder-Tasche im Auto in der Pferde-Droschke.

Was müssen das schöne Zeiten gewesen sein.

Heute meint man ja grundsätzlich alles in 123-facher Kopie an jedem noch so unmöglichen Ort mit jedem noch so unmöglichen Gerät dabei haben zu müssen, bearbeiten zu können, dafür so wenig wie möglich – also nichts – bezahlen zu müssen und es soll EINFACH FUNKTIONIEREN ™.

Ja, von wegen!

Es gibt kein Sync, der EINFACH FUNKTIONIERT ™ – und es wird ihn auch nie! Das ist ein Ding der Unmöglichkeit!

Alles was wir tun können, ist es so zuverlässig wie möglich zu machen.

Und vor allem versteht ja jeder etwas anderes darunter. Aber ein App soll das können, was man darunter versteht. Auf dem Mac, dem iPad, dem iPhone, im Web und auch unter Android. Und wehe, das zickt, versteht etwas ganz anderes oder kostet gar mehr als 99 Cent – dann ist das Geschrei aber groß.

Die reinen Hardware-Kosten um iCloud auch nur ansatzweise und halbwegs gescheit testen zu können, betragen schon einmal alleine locker 4000 bis 5000 Euro und auch nur, wenn man sich aufs Minimum beschränkt und von Allem das einfachste kauft.

Das bringen über 90 Prozent aller Apps in den App Stores nicht in einem Jahr ein.

Wie wir alle wissen, ist die iCloud immer noch ein Witz. Ach stimmt, wir wissen es nicht alle. Wir erwarten nur, schließlich kriegen wir ja erzählt, dass es EINFACH FUNKTIONIERT ™ …

Aber dann nimm doch einfach die Dropbox!

Noch mal zum Mitschreiben: DIE DROPBOX IST KEIN SYNC!

War sie noch nie und wird sie vermutlich (und bewusst) nie sein. Und die Dropbox zum richtigen Sync zu verwenden ist verdammt harte Arbeit und setzt eine Menge Können und Nerven voraus. Und auch das wird immer, immer, immer mal zicken. Und dann hat man immer noch nicht das Problem mit dem App Store und dem Sandboxen behoben. Und von diesem riesigen rosa Elefanten, der ständig über allem schwebt, reden wir lieber gar nicht.

Liebe Entwickler, ab heute werden keine Apps mehr, die die Dropbox API verwenden, in die Stores zugelassen. Dein nur an die User denkendes und gar nicht böses und egoistisches Apple.

Und dann hat man locker ein/zwei Jahre und Unsummen in eine Sync Lösung gesteckt, die fürn Arsch ist und die passenden Bewertungen dazu kann man sich auch denken.

Ja, man kann anfangen und sich eine komplette eigene Lösung klöppeln. Hurra, noch mehr Daten auf noch mehr unsicheren Servern vor mehr – oder minder – begabten Entwicklern. Von dem Aufwand und den Kosten dafür mal gänzlich abgesehen.

Apple hat bis heute noch nicht eine gescheite Lösung für irgend etwas, was mit Web/Syncen zu tun, abgeliefert, die EINFACH FUNKTIONIERT ™ – aber popelige kleine Entwickler mit beschränkten Fähigkeiten und Ressourcen sollen das mal über Nacht für 99 Cent klöppeln.

Habt ihr eine Ahnung, was da ein Aufwand hinter Google Reader stand oder hinter Google Docs steckt?

Wie war das noch mal mit dem kleinen Häwelmann?

Es ist ja nicht so, dass wir euch das nicht gerne anbieten würden. Ich persönlich lasse aber erst etwas auf meine Kunden los, wenn ich dafür meine Hand ins Feuer legen kann.

Für die iCloud kann ich das leider immer noch nicht. Die Dropbox ist momentan keine wirkliche Alternative und ich verwette meinen Arsch drauf, dass dieser Elefant eher früher als später platzt und ich habe weder das Können, noch die Ressourcen etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, an dem selbst die ‘beste’ und ‘reichste’ Firma dieser Welt seit jetzt über zehn Jahren scheitert.

Ich kann immer wieder nur die selbe alte Leier für euch spielen, in der Hoffnung, dass der eine oder andere doch noch in der Lage ist, zuzuhören und zu begreifen:

GESCHEITE DINGE KOSTEN UND BRAUCHEN ZEIT!
Daran ändert auch die beste Gehirnwäsche und das naivste Wunschdenken nichts …






Zwischenrufe

  1. Jens

    Lieber Michael,

    Du hast in Deiner Dir eigenen Art natürlich furchtbar Recht! So eine Sync ist keine Kleinigkeit, aber für meine Belange muss ich Apple und auch Dropbox alle Achtung zollen! Hut ab und Danke dafür! Ich habe angefangen zu synchronisieren, da hat man dazu noch Kabel benutzt und wenn ich an meinen alten Treo denke, den ich mir genau mal deshalb angeschafft habe, dann denke ich mit Schmerzen daran zurück, was ich gekotzt habe. Ständig haben sich meine Kontakte und auch einzelne, individuell benannte Telefonnummern. Emails etc. vermehrt und vermehrt. Da sind wir heute doch schon deutlich weiter! Bis auf die Safariebookmarks, die mir die iCloud ständig durcheinander hagelt, wenn der betreffende Rechner mal ein paar Wochen nicht Online war bin ich sehr glücklich mit der „einfach funktionierenden“ iCloud.
    Aber Du hast wohl recht damit, dass es immer eine Frage der Erwartungen ist. Aber ich spame auch Entwickler nicht mit hirnverbrannten Bewertungen zu – wenn ich da an den iOS 7 Support denke, kann man ja immer nur mit dem Kopf schütteln.

    Zusammengefasst: Ich Entwickler macht auch ganz viele Sachen toll! ;-)




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