Das Weblog der MOApp Programm Manufaktur.
Tiraden, Kommentare, Fünde und Tipps von Michael & Ollerum.

Manchmal liegt das Gute doch nicht so nahe

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Viele sind immer ganz erstaunt – aber ich mag neumodische Dinge eigentlich so überhaupt gar nicht. Wenn es nach mir ginge, dann hätte die Zeit in den 80igern stehen bleiben können. Die Autos waren gut, die Musik war besser und man hat einen Bogen um Karottenhosen und Blazer machen können.

Da es leider nie nach mir geht, muss ich mich also mit den doofen neuen Dingen abfinden und dazu gehören dann auch solche, wie Telefone ohne Tasten, die täglich aufgeladen werden müssen. Ein Unding, das - neben allen anderen nervigen Begleiterscheinungen - auch keinen Fortschritt zum permanenten Batteriewechseln im Walkmen darstellt.

Ja, mit dem iPhone 6 oder einem Xperia kommt man mittlerweile über den Tag, vielleicht sogar über zwei – aber - mal abgesehen von dem Preis - haben die auch eines gemein, was mich in den Wahnsinn treibt:

Ich behaupte ja, der Erfolg des Ur-iPhones hatte einen viel trivialeren Grund, als endlich auch unterwegs Alles machen zu können, außer sinnvollen Dingen – es lag schlicht und einfach richtig gut in der Hand; wie so ein Handschmeichler aus der verklärten Kindheit im Waldorf-Kindergarten.

Man hat es permanent in der Hand gehalten, gedreht und mit rumgespielt, ohne dazu auf den Bildschirm starren zu müssen.

Alle Android-Clone der ersten Jahre nach iPhone (ja, ist eine eigene Zeitrechnung, genau so, wie nach Sopranos die Zeitrechnung für TV Shows ist) haben dies mehr oder weniger bewusst übernommen.

Und dann ist Jony in seinem weißen Kasten durchgedreht und hat uns etwas geben müssen, auf das man sich intellektuell gewiss einen runter holen kann – aber das iPhone 4 hat doch keiner freiwillig in der Hand gehalten und mit dem 5er war es dann ganz rum.

Und – oh Wunder – alle Clone haben den Mist übernommen; stellenweise bis hin zu praktisch unnutzbaren Designs – ja, Jolla, ich rede von euch. Das Jolla Phone hat einem körperliche Schmerzen beim Halten zugefügt.

Neben dem BlackBerry Bold 9900, gibt es nur noch ein anderes Smartphone, das man gerne hochhebt und in der Hand hält und auch gerne mit rumspielt und das ist das Nexus 5; mit dem Nachfolger haben sie das auch schon wieder versammelt. Dieser bringt einen dann wenigstens durch den Tag. Was nützt mir ein Telefon, dass sich gut anfühlt, wenn ich es zwei Mal am Tag aufladen muss, weil irgend ein Depp sich gedacht hat, es wäre eine gute Idee, auf fünf Zoll mehr Pixel unterzubringen, als auf jedem Fernseher und mehr, als die meisten auf ihrem Hauptbildschirm haben. Das Nexus 5 schaffte, selbst mit angepasstem Kernel und vielen Tricks, keine 4 Stunden am Stück mit Bildschirm auf fast komplett dunkel gestellt.

Ja, mit dem iPhone 6 ist es etwas besser geworden – aber von einem Handschmeichler ist auch das Lichtjahre entfernt.

Der durchschnittliche Neuzeitmensch greift über 200 mal am Tag zu seinem Smartphone – da kann ich doch erwarten, dass so ein Teil halbwegs gescheit in der Hand liegt und ich es gerne hochheben will. Aber wir hatten das ja schon – es geht nie nach dem, was ich für sinnig halte.

Ich halte es auch für völlig unsinnig, 700 Euro für ein Telefon auszugeben, erst Recht, wenn ich jedes Mal kotzen muss, wenn ich es in der Hand halte und erst rechter, wenn ich permanent Gefahr laufe, dass genau in dem Moment, in dem ich es wirklich mal für etwas Wichtiges/etwas Sinniges, wie zum Beispiel den ADAC im Niemandsland anrufen zu müssen, benötige – garantiert genau dann der Akku leer ist.

Da ich nebenbei (also momentan so gut wie nie) mich an der App Klöppelei für Android probiere und ich es generell im Leben für wichtig halte, immer mal über den Tellerrand zu schauen – liegen hier des Öfteren ein paar Androiden rum. Auch mag ich Android im Großen und Ganzen fast schon lieber als iOS. Oft sind es nur so Kleinigkeiten, wie das Arrangieren der Apps (Icons) – ich hasse zugeklatscht Dinge, wie diesen unsäglichen iOS Homescreen.

Richtig angenervt bin ich aber schon seit Version 1 von Usbility-Fails ersten Grades. Wenn ich eine Email aus einem Programm heraus verschicken will, dann ist KLAR, dass ich eine Adresse, einen Empfänger angeben muss – also hat das Feld verdammt noch mal als erstes ausgewählt zu sein. Nicht so bei Apple, da muss man immer noch mal reinklicken.

Selbiges bei der Tastatur und Umlauten. Wenn ich kein A will, sondern einen A-Umlaut, wie zum Beispiel das Ä – warum, VERDAMMT NOCH MAL, kriege ich erst noch mal angezeigt, dass ich das A gedrückt habe. Und diese Liste ist so unendlich lang und unter Android so unendlich kurz und wenn nicht, dann gibt es eine Lösung von irgend jemanden, der genau so angenervt war.

Ein Telefon ist für mich immer noch – und wird es auch immer bleiben – ein Werkzeug, um mir das Leben einfacher zu machen. Und wie bei Werkzeugen – vom Schweizer Messer mal abgesehen – üblich, sind die nur für ein/zwei Jobs gedacht; müssen diesen dann aber richtig gut erledigen.

Bei mir sind das Email, Twitter und ein paar Nachrichten. Dazu braucht man kein 700 Euro Werkzeug und schon gar nicht eines, zu dem man sich dann gleich sieben Powerbanks dazu kaufen muss damit man über den Tag kommt.

Ich hatte zwischenzeitlich mal ein kleines, billiges Teil von LG mit einer großartigen Akkuleistung, allerdings war der Bildschirm dann nicht wirklich alltagstauglich. Sobald es etwas heller wurde, konnte man nur noch raten, was in der Email stand und bei den vielen Twitter Fahrstuhl Bildern war man sich nie sicher, ob da jetzt nur wieder noch ein Mädel ihren Arsch zur Schau stellen musste – oder ob es tatsächlich ein Bild von einem Fahrstuhl war.

Also habe ich weiter gesucht und ausprobiert, zwischenzeitlich angenervt entweder das Nexus 5 mit drei Powerbanks oder doch das iPhone 6 verwendet und war mit nichts so wirklich glücklich.

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Seit ein paar Tagen habe ich allerdings ein Telefon in Gebrauch, das noch günstiger als das LG Teil war, natürlich nicht so gut wie das Ur-iPhone in der Hand liegt – aber man möchte es auch nicht direkt wieder hinlegen. Ja, man mag es sogar einfach so ein bisschen in der Hand halten und rumdrehen und das mit einem Akku daherkommt, der schier unglaublich ist. Am ersten Tag habe ich es eingerichtet, alles installiert und aktualisiert, alles ausprobiert und am Ende des Tages stand der Akku bei fast neun Stunden Bildschirm (in hell) an, auf noch 83 Prozent.

Und der Bildschirm ist – für ein 90 Dollar Teil – gut, ja fast richtig gut. Ich kann auch in der Sonne noch alles erkennen und ich kann es mir so einrichten, wie ich das will.

Xiaomi ist mittlerweile der viertgrößte Hersteller von Smartphones und hat seinen Sitz in China. Und auch direkt dort habe ich das Redmi 3 bestellt, denn noch bekommt man Xiaomi Smartphones gar nicht oder nur mit gewaltigem Aufschlag in Deutschland.

Das Redmi 3 kann man auch über Amazon beziehen, dann bezahlt man fast 200 Euro. Auch die sind jetzt kein wirklicher Wucher für das Teil, es spielt schlicht in der Liga und der Akku betrifft alles, was ich in dem Bereich und drüber ausprobiert habe.

Es gibt Online-Shops, die sich auf den Import von China Handys spezialisiert haben. Dort bekommt man es für um die 140/150 Euro plus Versand und eventuell Zoll, je nach dem, aus welchem Land es verschickt wurde.

Von all diesen Läden, die, wie die Markdown und Email Apps, aus dem Boden sprießen, ist GearBest eindeutig der beste, da man bei anderen, günstigeren Läden aufgeschmissen ist, wenn man einen Garantiefall hat. Dann kann man sein Gerät nämlich auf eigene Kosten zum Hersteller (nicht Händler) schicken und Monate auf Antwort aus China warten.

Ich hatte diesen Weg nur gewählt, weil ich die Hoffnung mittlerweile aufgegeben hatte und es bei einem Reinfall oder Defekt einfach als Betriebsausgabe abgeschrieben hätte.

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Aber ich bin von dem Teil mehr als angenehm überrascht und werde es tatsächlich als meinen täglichen Begleiter benutzen, was auch mit daran liegt, dass Xiaomi nicht nur bei der Hardware und der Verarbeitung eine Menge richtig macht, sondern auch beim System und der Software.

Samsung Handys kann man mittlerweile so gar nicht mehr benutzen, wenn man nicht weiß, wie man den ganzen Scheiß erst einmal wieder runter bekommt und man sich das System und die Apps so einrichtet, dass die Batterie nicht nach ein paar Stunden bloßem Rumliegens schon komplett leer ist.

LG ist da ein bisschen besser – aber deren Handys will man auch nicht wirklich in der Hand halten müssen; dies gilt auch für Huawei und Motorola. Deren Handys sind vor allem immer noch zu schwer.

Und dann wird die Luft ja schon dünn. Sony kann das mit dem Akku und der Kamera – aber das mit dem Design und dem gerne in der Hand Halten kriegen die einfach nicht hin. Und ich bin aus dem Alter raus, mich für irgend etwas anstellen zu müssen. Und diese OnePlus Dinger liegen genau so wenig gut in der Hand, wie die von ZTE und Co, auch wenn deren Hardware und das Preis/Leistungsverhältnis natürlich sehr gut sind.

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Dieses Redmi 3 macht fast alles richtig und die Xiaomi eigene MIUI Oberfläche (in Version 7) spielt ganz oben mit oder übertrifft sogar alle anderen und damit ist auch Apple gemeint. Wer die Chance hat, schaue sich die Oberfläche mal an. So geht ‘Flat’ ohne gleich alles - was nur ansatzweise mit Usbility zu tun hat - zu opfern.

Leider verzichten die auch auf einen ‘App Drawer’ – so dass man auch alle Apps auf dem Desktop hat. Allerdings kann man sie sich so anordnen, wie man möchte. Die MIUI Icons sind auch wirklich richtig, richtig gut, leider passen dann die von den heruntergeladenen Programmen nicht mehr, so dass man dann doch zu einem eigenen Launcher mit einem eigenen Icon Set greift.

Manche dieser Importeure installieren einem auf Wunsch auch eine deutschsprachige Version des MIUI ROMs – allerdings kann es dann passieren, dass man auch direkt wieder Bloatware und unnötigen Scheiß mitbekommt, worauf Xiaomi selber zum Glück verzichtet.

Wer kein Problem mit einem englischen System hat, der sollte beim original ab Werk bleiben, muss sich dann allerdings den PlayStore und die für den Sync benötigen GAPPS selber installieren.

Das Xiaomi MIUI ROM tauscht nämlich alle Google Apps gegen eigene aus, denn ein Grund, warum die Chinesen die identische Hardware, die bei Huawei und Co schon mal an die 300 Euro kostet, mit der überzeugenden Qualität verarbeiten, liegt in deren Strategie, zusätzliches Geld über angeschlossene Dienste zu erwirtschaften.

Es gibt einen eigenen App Store, eigene Cloud-, Musik-, Spiele- und Filmdienste, die allerdings für uns völlig uninteressant sind, da nur auf chinesisch.

Und ja, natürlich habe ich mir Gedanken um die Verantwortung gemacht. Allerdings macht es keinen Unterschied, ob man ein Gerät von Apple, Samsung, Sony oder Co kauft – die werden alle in den selben Fabriken, zu den identischen Bedingungen, zu den selben Kosten hergestellt. Wo der gewaltige Unterschied hinwandert, ist ja hinlänglich bekannt.

Und noch mal ja, ich weiß, dass es Fairphone gibt. Und wie gerne würde ich das nutzen – nur sind die Deppen ja genau so doof. Das Teil will man einfach nicht in der Hand halten und jetzt haben sie auch noch mit dieser Unsitte angefangen, dick und fett Fairphone vorne drauf zu schreiben.

Bitte – was soll der Scheiß?

Xiaomi macht das richtig. Gute Hardware, gute Software, gute Verarbeitung, ein paar Rauten drauf und jeder (zumindest in China) weiß, was für ein Teil das ist, so dass man sich es erlauben kann, nur ein ganz kleines, dezentes Logo auf der Rückseite anzubringen.

So geht das, Samsung, LG und Co!

Als Rundumpaket ist dieses Redmi 3 einfach gelungen. Genau so, wie die Ohrstöpsel mit Klang, die ich seit einer Weile verwende: die GranVela Mrice E300A.

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Nein, sie spielen nicht wirklich in der Oberliga mit, wie manche behaupten. Ja, sie klingen verdammt gut, keine Frage. Aber sie klingen nicht so gut, wie 1000 Euro Teile und vor allem haben sie einen Nachteil: Sie rascheln ein wenig. Bei Teilen für 20 Euro, die permanent in die Tasche gestopft werden und den Ollerum jetzt schon ziemlich lange überleben, kann ich da locker drüber hinweg sehen, bzw. hören – hätte ich mehr ausgegeben, dann würde ich nur fluchen.

Ihr größter Vorteil ist allerdings, dass sich das Kabel wirklich nicht verdreht und dass man sie bei der Farbgebung sofort findet. Ich empfehle euch allerdings auch, direkt ein paar gescheite Gummischnuppsies dazu zu bestellen, die mitgelieferten spiegeln eindeutig den Preis wieder.

Manchmal liegt das Gute doch nicht so nahe, sondern in China. Wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht …




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