Datenträgernostalgiker

Datenträgernostalgiker ist mein neues Lieblingswort – für heute oder so.
Und eines gleich vorneweg (weil so mancher, der in die Welt posauniert und die einen oder anderen schlecht redet und sich die Haare färbt, gerne mal selber verschweigt, welche Farbe das eigene Parteibuch hat) ich bin Mitglied bei den Piraten.
Nicht weil ich jeden Scheiß, den sie so verzapfen und verbocken besonders toll finde oder gut heiße – sondern schlicht und einfach, weil sie dann ein Mitglied mehr haben und ein paar Euro mehr im Monat in der Kasse.
Und natürlich freue ich mich auch über das Berliner Ergebnis. Und gleichzeitig tut es mir für die Renate leid – denn das sind zum großen Teil auch ihre verlorenen Stimmen und ich hätte es ihr gegönnt.
Lange (vor) Rede zum eigentlichen kurzen Kern:
Jungs und Mädels der Einsen und Nullen und E-Petitionen. Damit ist es nicht getan. Und es nützt uns auch nichts. Und mit uns meine ich auch mich dicken faulen 140-Zeichen Sack.
Die Piraten haben nicht so viele Stimmen bekommen, weil sie so grandios gut sind und ‘uns’ so toll repräsentieren (welches immer noch die eigentliche Aufgabe einer Partei ist, bzw. sein sollte) sondern die anderen sind alle schlicht und einfach nur schlecht und ignorant.
Und mit Weder oder Noch gewinnt man keinen Blumentopf. Auf keiner Seite. Nur haben diese analogen Datenträgerostalgiker eines gemeinsam und vor allem uns voraus – sie sind vernetzt.
Klingt komisch – ist aber so.
Ein Haufen – egal ob Spinner oder eben nicht – ist nicht eine breite Masse. Und was nützt mir ein Gefasel über Datenschutz oder so komische Dinge wie eine Vorratsdatenspeicherung, wenn ich die nicht essen kann und die mir auch nicht meine Medikamente bezahlt.
Um jetzt mal den Bogen zum Apple-related Weblog Nummer 3.467.862 gespannt zu kriegen: wir lieben Apple aus einem Grund – weil sie (auch wenn manche Final Cut Nerds im Dreieck hüpfen) an den kleinen auf der Sraße denken, der sich die Nase vor den großen Apple Store Scheiben platt drückt. Basisdemokratie in Reinkultur eben. Ein Apple ist für alle und Apple kümmert sich um alle. Alles, was die FDP eben nicht ist.
iOS ist einfach. Einfach zu verstehen. Jeder darf mitmachen und vor allem jeder will.
Ich weiß – ist ein überspannter Bogen und ein bisschen eindimensional – aber im Kern eines Pudels schlägt auch nur ein Herz. Und das vermutlich eher links.
Und unser Volks-System (ich fasse mal OS X und iOS jetzt zusammen, wird ja eh bald soweit sein) gibt es nur, weil sich ein paar Spinner mal ihrer Zeit voraus waren, es frei verfügbar gemacht haben und andere das Potential erkannt haben.
In anderen Worten – sich vernetzt haben.
Sich also auch um andere Dinge gekümmert haben. Also irgendwann nicht nur um TCP/IP und Sockets – sondern auch um MP3, GL und Co. Um alles halt. Für jeden eben.
Oder in anderen Worten: Sich über Datenträgerostalgiker mokieren, kurz orange wählen oder sich in orange wählen lassen – aber selber nichts machen oder sich nur auf eine eigene Sache konzentrieren, das reicht nicht aus. Nicht in Berlin und erst recht nicht in den restlichen vorgelagerten Provinzen.
Status Quo Nostalgiker ist nämlich bei Weitem kein so schönes Wort …

19.09.11 | 04:01
ostalgiker wie in der headline oder nostalgiker?
klingt beides lustig.
19.09.11 | 04:33
Du hast noch 2 ostalgiker im Angebot ;)
19.09.11 | 09:51
Wie ich diese Autogoregdur hasse!
19.09.11 | 11:13
“Basisdemokratie in Reinkultur eben. Ein Apple ist für alle und Apple kümmert sich um alle.”
Ja, vor allem um die, welche sich ein Android-Gerät kaufen wollen, da sorgt Apple dann dafür, dass sie das böse Gerät erst gar nicht kaufen können…
Danke Apple! Danke Basisdemokratie!