Es ist die Hingabe

Es geht nicht um grünlichblaue Plastikknubbel. Es geht nicht um betatschbare Wählscheiben mit Internetzugang und es geht auch nicht um ein paar tausend Lieder in unseren Hosentaschen.

Wenn rund um den Globus sämtliche Nachrichten und Headlines von einer Person dominiert werden, dann steckt da mehr da hinter als langweilige und unnütze Gadgets.

Nämlich die Person selber.

Und da wir Menschen durch und durch egoistische Wesen sind, da muss das Ganze etwas mit uns selber zu tun haben. Und auch wenn es uns doofen Fan-Boys und Girls immer vorgeworfen wird – es hat im Grunde, es hat im Kern, eben nichts mit glänzenden Gerätschaften zu tun.

Es hat etwas mit der Hingabe zu tun. Mit diesem Streben etwas noch besser zu machen. Mit dieser Liebe zum Detail und dieser Fähigkeit, das Wesentliche zu erkennen und heraus zu arbeiten.

Denn eigentlich sind das all die Dinge, die wir für uns selber wünschen. Für unsere Arbeit und vor allem für uns.

Das Erkennen des Unwichtigen und den Mut aufzubringen, diese Erkenntnis zu vertreten und radikal durchzuziehen.

Und das ist das, was Personen und ihre Arbeit unterscheidet. Und das ist es, was den Unterschied macht. Und das ist die Art, wie man ein ‘Ding’ im Universum hinterlässt.

Und die einen können es und die anderen eben nicht. Und die, die es können – die sind rar und die werden zum Vorbild. Zum Vorbild für Millionen.

Weil wir tief Innen nämlich auch gerne so wären und auch gerne solche Arbeit abliefern möchten. Weil wir eigentlich auch nach dem Besten streben.

Und es ist nicht die Liebe zu einem schnöden Gerät die uns unterscheidet und wir kaufen auch kein Smartphone – sondern wir honorieren die Hingabe. Weil wir darum wissen oder es wenigstens ahnen.

Das unterscheidet uns von anderen. Und die Anderen werden dies nie verstehen.

Gestern aber hat man gemerkt, dass es verdammt vielen so geht. Und das ist gut zu wissen und zu sehen. Und das ist das, was bleibt. Morgen gibt es schon ein neues Tablet und übermorgen eine andere Firma und den Tag danach ist das Internet durch etwas anderes ersetzt worden.

Aber dieses ‘Ding’ im Universum, diese Idee, dieser Wunsch, diese Hingabe – die kann nicht von irgendwelchen Aktienwerten aufgefressen werden.

Wenn uns etwas bewegt, dann sind es nicht leblose, tote Dinge oder doofe Erfindungen. Nein – uns bewegen Menschen (der Ollerum legt Wert darauf, dass uns auch Katzen bewegen).

Uns bewegen Lebewesen.

Denn hinter den Booms und Amazings and Best Evers und unter dem Rollkragen, da war vor allem ein Mensch. Ein Mensch mit Ecken und Kanten und vor allem ein Mensch, den man bewundern konnte und kann.

Und vor allem ein Mensch mit Hingabe.

Und die Hingabe ist es, die uns bewegt hat. Die wir uns für unsere eigene Arbeit und unser eigenes Leben wünschen. Diese Hingabe ist es, die wir brauchen.

Gestern ist uns kein großer Erfinder und auch kein großer Visionär abhanden gekommen. Gestern ist ein Mensch gestorben. Und nur deswegen sind wir bewegt.

Nicht seine Gerätschaften haben uns bewegt – er hat uns bewegt. Weil er in uns etwas mit klaren einfach Worten angesprochen hat. Und es wird bleiben – weil er eben nicht nur geredet – sondern es uns vorgelebt hat. Mit all seinen Vorteilen und Nachteilen.

Ein weniger gutes neues Smartphone – oder was auch immer – kann niemals eine Lücke hinterlassen. Ein Mensch schon.

Aber er kann auch eine Idee hinterlassen.

Und es ist an uns – etwas damit anzufangen …






Zwischenrufe

  1. Thomas

    Sehr schön geschrieben und verdammt wahr (auch der Katzenteil ;)



  2. Matthias

    sehr gut !



  3. Arne

    Wow, Sehr guter Artikel Michael. Habe gestern auch mehrfach mit dem Kopf geschüttelt, als ich manche Kommentare im Netz gelesen hab. Aber so sind manche Menschen nun mal.



  4. to

    Ich habe ja in letzter Zeit gern über geschimpft (und zu recht wie ich meine), aber die Gedanken und Vorstellungen die Steve Jobs hinterlässt werden mich für immer bewegen und inspirieren.
    In diesem Sinne kann ich mich deinen Worten nur voll und ganz anschließen.



  5. to

    …gern über Apple geschimpft… (wollte ich sagen…)



  6. Guennersen

    Der beste Nachruf, den ich gelesen habe. Danke.



  7. sm_art

    sehr schön geschrieben und alles auf den Punkt getroffen, Vielen Dank dafür.

    Grüße auch an Gollerum



  8. Olaf B.

    Besser kann man es nicht sagen.



  9. Susanna

    ohne Worte ,die Sätze sagen alles ,sehr schön geschrieben



  10. @respectyouridea

    Großartiger Text, Michael.
    Habe genau das gestern in 2 Tweets zusammengefasst.
    Und heute für den morgigen “Keks” des dailycoffeebreak-
    Podcasts geschrieben.



  11. Ludwig GE

    Danke!



  12. Kai Thrun

    Interessanter Aspekt, gute Schreibe.

    Danke und Gruß,
    Kai



  13. Julia

    Wunderschön. Mit Abstand einer der besten Texte, die in letzten Tagen geschrieben worden sind.



  14. Frank

    Ganz toll geschrieben.
    Vielen Dank.

    Im Übrigen alle Texte von dir.
    Ich lese sehr gern hier.



  15. Stefan

    Danke für diesen ausgewogenen und reflektierten Beitrag.



  16. Christian

    Schön gesagt!



  17. Clemens

    Da kann auch einer Gerät und Mensch dahinter nicht unterscheiden. Bei den ganzen Nachrufen wird offenbar, dass uns die Religion abhandengekommen ist, der leere Platz aber nach Füllmaterial sucht. Und schon ist die neue Sekte da!



  18. Michael

    Da kann aber eine nichts mit den Worten anfangen. Bei solchen Kommentaren wird offenbar, dass uns das differenzierte Denken abhanden gekommen ist und drum der leere Platz mit Vorurteilen und Schwarz-Weiß-Denken gefüllt wird. Und schon ist der Schwachsinn da!



  19. Max

    Ein schöner Nachruf, ein guter Aufruf.



  20. Manuela

    Sehr schön geschrieben! Spricht mir aus der Seele.



  21. creezy

    Ah Clemens ist unkritischer Mediennachquatscher und kennt offensichtlich die ganz lapidare Bedeutung des Wortes Sekte nicht. Oder hat nur Angst vor neuen Religionen.

    @Michael
    Schönster Nachruft, meiner kleinen Meinung nach.



  22. A.

    Wichtige Beobachtung.



  23. Alex

    Ein mit Hingabe verfasster Artikel, der es auf den Punkt bringt - echt super!




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!