Die Spaltung

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Es ist doch erstaunlich. Die haben junge, gebildete Tunesier und Libyer auch mittels Facebook, Twitter und Co – also dem Internet – etwas unglaubliches geschafft. Und dann gibt es ‘Freiheit’ und Wahlen und was passiert?

Genau, die Scharia oder nur etwas entschärfte Islamisten. Hierbei bitte beachten, dass dieses Wort nicht gleichzusetzen ist mit Bombenlegern oder was man noch so alles bescheuertes automatisch damit verbindet. Katholiken sind auch nicht alle gleich Päderasten – aber dies nur mal so am Rande.

Natürlich schreien sie jetzt dann alle in unseren Breitengraden auch gleich direkt mal auf. Obwohl man bei uns ja eh immer gleich schreit, wenn es uns nicht in den Kram passt und wir es nicht verstehen.

Dabei ist es doch so simpel.

Mit Internetanschluss. Ohne Internetanschluss. Gerade in Tunesien auf dem Land nicht einmal mit Strom und fließend Wasser.

Dafür aber war die Ennahdha zu Fuß in jedem Dorf und hat die Menschen dort ‘abgeholt’ wo sie stehen. Keine Sau braucht Twitter, wenn es nichts zu essen gibt. Wikipedia ist auch für den Arsch, wenn es nicht einmal eine Schule gibt und somit die wenigsten lesen können.

Vor 20/30 Jahren hat man hierzulande auch nur eine Partei gewählt, weil der Pfarrer dazu aufgerufen hat – also, wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass Bayern nicht doch Ausland ist. Ich kann mich an keine panische Angst und Warnungen in der New York Times vor Fundamentalisten aus Freising erinnern – aber auch dies wieder nur mal so am Rande.

Eigentlich wollte ich ja über die Spaltung reden. Und diese Spaltung gibt es auf der ganzen Welt. Die einen haben einen Internetanschluss und die anderen nichts zu essen. Ja, ich weiß – bei uns eher selten. Als alleinerziehendes Elternteil (meist weiblich) mit zwei Jobs kommt man eher weniger zum Surfen und man (frau) überlegt es sich drei mal, wie viel das im Monat kosten darf und ob man (frau) davon lieber nicht doch Unterhosen, Klopapier und Bücher kauft.

Bücher fallen für einen verdammt großen Teil der tunesischen und lybischen Bevölkerung schon einmal weg. Keine drei/vier Flugstunden von uns weg gibt es mehr Menschen, die noch nie in der Schule waren als Menschen mit Internetanschluss.

Und da wundern wir uns wirklich? Während wir twittern, was wir gefrühstückt haben?






Zwischenrufe

  1. Stefan

    In Libyen gilt die Scharia als einziges Gesetz seit 1973, als Gaddafi sie eingeführt hat. Die ist jetzt also nicht „passiert“, sondern besteht einfach nur als Rechtssystem weiter.



  2. Michael

    Er hat es so genannt - mit der ‘eigentlichen’ Scharia hatte es aber nicht mehr viel gemein. Wie es momentan bekundet wird, wird jetzt wieder die ‘richtige’ angewandt …



  3. Jens

    Ja das ist das übliche Problem mit historischen, religiösen Schriften – Wer hat die Lizenz zum Verstehen und weiß, wie es richtig zu Lesen ist!? Der der am lautesten schreit, der den längsten Bart hat, der die meisten Fußnoten hat oder der, der am längsten auf das Buch gestarrt hat!?
    Vielleicht sollten wir uns aber auch immer vor Augen halten, dass unsere Moralvorstellungen und damit auch unsere Gesetze auch nicht aus dem Nichts kamen und ganz gewiss nicht nur das Ergebnis der Aufklärung und der Moderne sind!



  4. Michael

    Recht hat immer der, der den Schwachsinn nur am einprägsamsten permanent wiederholt :-0



  5. Baum GE

    Dort heißen sie Isliamisten, woanders Evangelikale!



  6. Ludwig GE

    Da ist doch wohl ein “i” zuviel1 - Liest sich aber auch ganz gut!




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