Die Gier kommt vor dem Fall

Vorneweg: Ich bin ein Datenträgernostalgiker. Ich war erst heute wieder in einem Plattenladen. Ja genau diese alten Dinger mit Loch in der Mitte. Ich habe eine Zeitung abonniert, Bücher im Regal und schreibe meine Notizen immer noch mit Bleistift auf Zettel und in mein Moleskine und für mich war früher auch alles besser. Vor allem die Zukunft.

Und obwohl ich noch nie ein Buch kopiert, ausgedruckt oder sonst wie unerlaubt (also in den Augen der Kontenwächter unerlaubt) vervielfältigt habe, meine Musik mir gehört und ich brennbare CDs und DVDs, sowie USB-Sticks und Festplatten auch nur für meine eigenen Daten verwende und Unsummen im iTunes Store für File und TV Shows lasse – da zahle ich für jeden Mac, jedes Superdrive, jede CD, jede SSD, jeden USB Stick, jede SD Karte, jeden Drucker, jeden Scanner und jeden Kopierer auch gleichzeitig meinen garantiert nicht freiwilligen Obolus für euch Dinosaurier mit.

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte sind da garantiert schon einige tausend Euro zusammen gekommen. Also habe ich eigentlich die Arschlöchigkeit von Menschen die Dein und Mein nicht unterscheiden können mitfinanziert und die Gier derjenigen, die den Hals nicht vollbekommen können und alles verschlafen und aussitzen, was irgendwie neue Chancen bietet.

Und genau eben jene, denen endlich mal der Gnadenschuss gesetzt werden sollte haben jetzt beschlossen, dass sie künftig doch bitte mal umgerechnet bis zu 36 Euro pro verkauftem Smartphone zu bekommen haben – schließlich würden die ja auch nur dazu benutzt, ihre Milliarden um ein paar Euro zu erleichtern. Nur mal so zum Vergleich. Eine Foxconn Mitarbeiterin bekommt pro gebautem iPhone keinen ganzen Cent.

Die meisten von Euch wissen, was ich vom Filesharing und dergleichen halte. Aber noch viel schlimmer finde ich diese Unverschämtheiten und maßlose Gier dieser Verwertungsgesellschaften. Ich finde, die Bezeichnung sagt ja schon alles. Neusprech für Aasgeier.

Wie – ihr erwartet dass da irgend etwas aus der Politik zu gekommen wäre? Die haben nur mitgeholfen, es irgendwo in den Untiefen des Bundesanzeigers zu vergraben und es ist erst jetzt aufgefallen …

Bundesanzeiger vom 28. Juli






Zwischenrufe

  1. Tuvanojo

    unglaublich!
    Man lernt nie aus.
    Danke dafür :-)




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