Gezüchtete Dummbeutel

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Vorneweg: Für 99 Prozent aller Dinge, die man auf dieser Welt tun kann bin ich eindeutig zu blöd. Oder vielleicht auch nur 98 oder gar 99,5 Prozent. Und manche Dinge werde ich auch garantiert nicht mehr lernen. Diplomatie zum Beispiel.

Aber noch viel mehr Dinge verstehe ich auch einfach nicht. Kurvendiskussionen, Frauen und vor allem Dummheit. Und damit meine ich nicht Bildung, Totes Wissen und dergleichen – sondern schlicht und einfach diese Unfähigkeit sich auf Dinge, Situationen, Menschen und Aufgaben einzustellen und dieser erschreckende Mangel and Neugier/Neugierde.

Was kann denn Schlimmes dabei passieren, wenn man mal etwas Neues ausprobiert und den Dingen auf den Grund geht?

Und drum stößt es mir immer wieder von Zeit zu Zeit sauer auf, dass wir uns die Dummbeutel ja förmlich züchten. Dümmer geht immer. Noch weniger neugierig erst recht.

Und drum machen wir alles noch einfacher und noch einfacher. Hübsches Icon drauf und putziger Name dran – damit ja keiner auf die Idee kommt, sein Resthirn nutzen zu müssen.

Und wehe mir ist etwas zu kompliziert. Dann meckere ich aber rum, dass man das aber ja so nicht gestalten kann und ich investiere keine weitere Sekunde mehr in dieses Produkt oder dieses App.

Man schreibt seine Apps (egal wofür) ja nicht mehr für den durchschnittlichen Nutzer, sondern geht instinktiv nur noch vom DAU aus.

Die andere Seite der Medaille halt. DAUs sind in der Mehrheit, DAUs zahlen einem die Miete und DAUs sind so leicht zufrieden zu stellen – also vermeintlich.

Und wir züchten uns immer mehr herbei. DAUs sind hervorragende Tänzer, Schriftsteller, Mechaniker, Poeten, Mütter, Omis, Väter und Gitarrenspieler.

Aber das sind sie doch auch nicht geworden, in dem sie den Weg des geringsten Widerstandes gegangen worden sind und durften – oder?

Wir haben Mofas frisiert, Baumhäuser gebaut, Breakdance und Skaten gelernt, mehr oder minder erfolgreich Frauen (oder Männer oder beides) ins Bett bekommen und jetzt kriegen wir erzählt und vorgesetzt, dass wir über drei Klicks und vier Tatscher nicht hinauskommen können und vor allem nicht mehr müssen.

Sind wir alle schon im Altersheim und kriegen unser Wissen klein püriert? Hat uns jemand gefragt? Wollen wir das eigentlich? Müssen wir da eigentlich mit machen?

Der DAU kapiert nicht was die Library ist – also verstecken wir sie mal vorsorglich. Der DAU löscht sich gerne mal ausversehen mehrere Einträge auf einmal – also lassen wir ihn immer nur einen Eintrag auf einmal auswählen.

Du willst dein Hirn benutzen? Dann installiere gefälligst Ubuntu. Wirklich? Das ist unsere Zukunft?

Klappe halten und Geldbeutel zücken. Passend zum Fernsehprogramm. Denn der Erfolg gibt uns Recht. Also der monetäre.

Na dann muss es ja stimmen …






Zwischenrufe

  1. Jan

    Es ist immer der Zwiespalt: Freiheit oder Einfachheit. Scheint nur schlecht unter einen Hut zu bringen zu sein. Ubuntu ist da ein gutes Beispiel. Es trägt mancherorts den Spitznamen “Das Windows unter die Linuxe”. Es macht vieles einfacher, nur will man das hier und da gar nicht. Dann greift man doch wieder auf die komplizierteren, dafür aber wirklich gut zugänglichen Systeme wie Slackware oder Debian zurück. Aber egal wie: DAUs sind einfach nur die Hölle. Hirn für 20 Pfennig täten oftmals reichen. Aber nein, Denkhilfe muss sein.



  2. Ludwig GE

    He, he - das kommt mir vor wie jener Dirigent, der sich darüber mokiert, dass die Konzertbesucher nicht erkennen, durch welche Tonarten Mozart sein Klavierkonzert a-moll gerade jagt. - Ich muss auch nicht kochen können, um zu merken, dass die Suppe versalzen ist. …
    Jahrelang habe ich mich damit rumärgern müssen, dass diese Windows PCs immer irgendwo rummacken, habe den Aufbau von Registries studiert, Linux ausprobiert und mich mit dem Aufbau von Unix beschäftigt … nur weil ich neugierig war, was hinter dieser schönen neuen Welt steckt. - Aber jetzt will ich nur noch meine Arbeit mit Hilfe der Rechner erledigen und nicht mehr den Technikpsychoanalytiker spielen. Deshalb bin ich vor über vier Jahren zum Mac gewechselt.
    Ich verlange nicht mehr als eine vernünftige Gebrauchsanweisung; ich bin sogar bereit diese mir selber auszudrucken. (Zu WordPerfect 5.1 bekam ich noch ein dickes, didaktisch hervorragend aufgebautes gedrucktes Handbuch!) - WEnn das alles zuvielverlangt ist, dann krame ich wieder meine alte Olivetti heraus und schnipsle meine Sachen mit Pelikanol zusammen. -
    Ich habe mich zum DAU zurückentwickelt und will es bleiben! -
    Wenn Ihr wollt könnt Ihr mich ja in meiner Stammkompetenz versuchen einzuholen!



  3. Michael

    Du müsstest jetzt bitte für die ganzen jungen Geeks hier dringend erklären, was eine Olivetti ist und vor allem Pelikanol :-)



  4. Ludwig GE

    Anfragen werden gerne entgegen genommen! ;-)
    NB: WordPerfect war übrigens eine der besten Texverarbeitungen, die ich je “bedienen” durfte; warum die von MSWord verdrängt wurde ist mir immer noch schleierhaft.



  5. Ludwig GE

    Da es ja schon nach Mitternacht ist:
    Eine OLIVETTI: ist eine Schreibmaschine (so ein Ding mit Tasten, einer Rolle, Farbband und noch ein paar Hebelchen) der italienischen Firma Olivetti - gab es (gibt es gebraucht) in diversen Ausführungen von rein mechanisch bis hin zu elektromechanisch, vom Büroackerpferd bis zur Design-Ikone.
    PELIKANOL: ein Klebstoff für Papier (wurde teilweise vom Prittstift ersetzt) - ermöglichte zusammen mit einer Schere eine antike Variante von copy and paste.
    ALLES KLAR?




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