Im Zuge der Ausrichtung

Wenn Erdmännchen Scheiße bauen – dann müssen Mitarbeiter gehen. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben. Jetzt gehen bei Adobe also 750 Menschen. Nicht, weil Adobe rote Zahlen schreiben würde. Im Gegenteil. Die haben gerade mal wieder Milliarden an Gewinn eingefahren.

Ob zu Recht steht auf einem anderen Stern.

Aber es gibt ja schließlich Gewinnvorgaben. Und die müssen erfüllt werden. Wer käme denn da auf die Idee mal lieber gescheite Produktvorgaben zu erarbeiten.

Nein, die Gewinne sollen jetzt aus den Bereichen digitale Medien und Online-Marketing kommen. Bin ich der Einzige, dem es da kalt den Rücken runter läuft? Hat da bei Adobe nicht einer mal in jüngster Zeit über die Straße in Richtung HP geschaut? Und dann auf die andere Straßenseite und in Richtung Apple? Oder in Richtung Square?

Ich bin gestern einmal quer (naja, fast) durch Berlin gefahren. Und da hier ja fast alles nur eine große Baustelle ist – eigentlich auch nur im Schritttempo. Und dabei ist mir etwas aufgefallen. In anderen Städten gibt es alle 20 Meter einen Spielautomaten-Casino, eine türkisches Wettbüro und ein Internetcafe. Manchmal noch ein Pfandleihaus dazwischen.

Hier gibt es alle 50 Meter ein Design/Werbe/Marketing/SocialMedia Dingens und dazwischen eine Druckerei/Schilder/Werbetechnik Geschäftsansammlung. Und ab und an einen Kaisers und ein kaputt gestaltetes Café – in dem dann diese ganzen jungen Futzis mit ihren Brillen und Bärten nachmittags um drei ihr Frühstück holen.

Ich habe noch nie so das Bedürfnis gehabt mich zu rasieren und mit Kontaktlinsen anzufreunden, wie hier.

Kommt da keiner mal auf die Idee, dass dies nicht gut gehen kann?

Im Zuge der Ausrichtung entlassen wir alle Mitarbeiter, da wir unsere Luftblasen keinem mehr andrehen können …

Mir fällt gerade nicht ein in welcher brasilianischen Stadt – aber eigentlich sollte es wohl Rio de Janeiro sein – hat man die öffentliche Werbung in den Straßen komplett verboten. Kein Schild. Kein Blinkdingens. Kein Billboard. Kein zugekleisterter Bus. Nur Stadt und Bäume und freie Flächen.

Eine Lebensqualität, kaum zum Aushalten. Und die ganz normalen Betriebe, Geschäfte und Handwerker sind alle nicht bankrott gegangen. Im Gegenteil …






Zwischenrufe

  1. Stephan Michels

    “Hier gibt es alle 50 Meter ein Design/Werbe/Marketing/SocialMedia Dingend” hängt aber auch stark vom Stadtteil ab. Im Prenzlauer Berg kannst du schon recht haben. In anderen Stadtteilen hast du gefühlt alle zwei Geschäfte eine Dönerbude. Ich frag mich manchmal, wann die Dönerbudenblase platzt. Soviel Döner isst doch kein Mensch. Und wenn, geht man doch zum Bali.



  2. Michael

    Ja, dachte ich ja auch. Aber gestern war ich dann doch erschrocken. Klar, Prenzlberg - aber dann natürlich auch Charlottenburg, selbst in Kreuzberg und Friedrichshain, dann auch noch in Neukölln und Schöneberg und Wilmersdorf - erschreckend.

    Hey, vegetarischer Döner (der richtige eigentlich auch) ist die beste Erfindung direkt nach der Katze :-)




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