Ich glaub’ es hackt!

Nicht eine Woche – ja fast nicht ein Tag vergeht, an dem man nicht etwas über einen Hacker-Angriff liest. So richtig angefangen hat es vor Monaten bei der Sache mit Wikipedia, dann kam Sony, zwischenzeitlich wurden mal Teile der NPD Spenderliste veröffentlicht und jetzt sind gerade mal ein paar französische Atom-Konzerne dran.
Und ich gestehe: mein erster Gedanke ist nicht, Arschlöcher, Straftäter, wie kann man nur, ab in den Knast mit denen oder dergleichen – nein, ich wünsche mir immer, das auch zu können.
Es gibt doch so viele tolle Dinge, die man anstellen könnte. Atomkonzerne lahmlegen (und damit meine ich nicht, dass deren Webseite mal kurz ausfällt) oder der Börse mal den Saft abdrehen, die angeblich nie stattfindenden Lieferungen von MMB, Heckler & Koch und all den anderen in Länder, deren Zivilbevölkerung wir mit Embargos noch weiter quälen, mal nebenbei im Netzt veröffentlichen, die Quoten von RTL und Pro7 ein wenig manipulieren, die Kontoauszüge so mancher CDU und FDP Politiker twittern (140 Zeichen reichen für deutsche Politiker-Nullen noch aus) und ich könnte diese Liste den ganzen Tag lang ergänzen.
Ich glaube, für die Welt ist es ganz gut, dass ich davon keine Ahnung habe. Wenn ich etwas bei dem verbocke, was ich so täglich tue, dann ist ein kleiner launischer Weblog Eintrag mal wieder mit Rechtschreibfehlern gespickt oder eines meiner Apps stürzt ab. Bei Ersterem helfen die automatische Korrektur und aufmerksame Leser und bei dem anderen kann nicht viel passieren, da ich ja schon extra automatische Sicherungen und Backups an jeder Ecke einbaue und bei einem Mac stürzt ja auch nur das einzelne App ab.
Wenn aber jemand (auch wenn ich die Idee eigentlich ganz toll finde) wirklich mal der Frankfurter Börse den Saft abdreht, dann hat das ganz andere Auswirkungen, die sich auch der beste und begabteste Hacker in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen kann. Das ist so wie mit dem Schmetterling, den Wolken und den Erdbeeren.
Wer weiß, was alles passiert, wenn einer tatsächlich mal RWE komplett lahm legt (noch mal, die Idee oder die Vorstellung an sich, die finde ich ganz toll) – so blöd wie Atomstrom ist, wenn ich gerade im Krankenhaus an irgendwelchen Maschinen hänge, lege ich nicht unbedingt an erster Stelle Wert darauf, dass der Strom, der sie betreibt, nur in Vollmondnächten von ökologisch abbaubaren Windrädern mit Gewerkschaft erzeugt wurde.
Mittlerweile hängt alles so sehr zusammen, dass man von seinem kleinen Terminal-Fenster aus überhaupt nicht mehr abschätzen kann, was man da womöglich anrichtet – ein bloßes und kurzzeitiges Lahmlegen eines Internetauftrittes reicht für 10 Minuten bei SPON – das war es dann aber auch schon. Mal abgesehen davon, dass das ja noch wahrlich keine Meisterleistung ist.
Bleibt die Frage – ob es andere Möglichkeiten gibt und wo die Grenzen sind.
NPD Spender bloßstellen ist eine Straftat – schließlich haben auch Arschlöcher ein Recht auf Privatsphäre. Ich persönlich finde, dass dies ein sinnvoller Akt des Zivilen Ungehorsams und somit notwendig und wünschenswert ist. Falls ihr euch jetzt dabei erwischen lasst, kommt mir aber nicht mit: Der Michael hat aber gesagt :–)
RWE komplett lahmlegen? Idee toll, Auswirkungen nicht abschätzbar – bitte lieber lassen. Ihr dürft aber gerne die Protokolle der Absprachen mit CDU und FDP online stellen.
Quoten von RTL und Co manipulieren? Ja bitte – kann das mal einer für mich machen? Aber bitte nicht auf mich schieben :–)
Frankfurter Börse lahm legen? Ich würde es ja wirklich zu gerne mal erleben – aber auch hier wage ich zu bezweifeln, dass der 13-jährige Uwe nachts um drei vor seinem MacBook die Auswirkungen einschätzen kann. Wie wäre es, wenn Uwe statt dessen mal ein bisschen an den Boni schraubt – die Kontonummern ein wenig verdreht. So manche Alleinerziehende Mutter (ja, auch du Vater) könnte da was gebrauchen.
Und nein, wer hier drin einen Aufruf zu möglichen Straftaten sehen will, der hat den Text nicht verstanden und muss bitte oben noch einmal anfangen und dieser Satz steht hier nur auf Anraten meiner Anwältin – oder so.
Ich muss jetzt hier die Liste meiner Ideen nicht weiter einzeln abhandeln – ich denke, man versteht, worauf es hinausläuft.
With great power comes great responsibility.
Mögen die Hacker dieser Welt sich dessen immer bewusst sein – und nur weil sie diesen Satz schon so oft gesehen haben, heißt dies leider nicht, dass er ins Blut übergegangen ist. Das mit der Macht ist so eine Sache. Wir sind leider alle dafür anfällig, Größenwahnsinnig zu werden.
Nur Größenwahn hat noch nie etwas Gutes hervorgerufen …
Hinweis: Dieser Beitrag wurde von Tumblr rübergeholt und somit sind leider alle Kommentare im digitalen Nirvana gelandet - sorry. Wer möchte, findet aber alles noch hier.
