Warum iPhone Apps das Zehnfache kosten müssten

myWPEdit Image

Nein, keine Angst – es wird nicht wieder einer dieses üblichen Göbelschen Rants über die armen verhungernden Entwickler und die geizigen Deppen, die hunderte und tausende für Apple Gerätschaften ausgeben und bei 99 Cent rumzicken und sich in die unterste Schublade begeben.

Obwohl …

Aber es gibt einen anderen Grund, warum iPhone Apps (bei dem iPad sieht es schon wieder etwas anders aus) eigentlich das zehnfache kosten müssten.

Weniger kostet mehr. Es ist nicht wirklich der Code, den man schreiben muss – so im Vergleich zu einem Mac App. Unter iOS ist zwar manches etwas schwieriger – dafür geht vieles schneller und in neue Frameworks und Möglichkeiten fließen ja auch die Jahre an Erfahrung beim Entwickeln von NeXT und OS X mit ein.

Nein – es ist das weniger an GUI. Weil weniger an Platz. Das treibt einen in den Wahnsinn. Bei einem Mac App kann man auch ne Menge verbocken – aber man kann sich den Horizont Fenster selber erweitern und auch viel einfacher umstellen und herumexperimentieren.

Klar hat man manchmal das Glück, dass der erste Gedanke/Anlauf/Versuch einer gescheiten GUI für eine View auf dem iPhone perfekt ist. In 99 Prozent aller Fälle ist es aber genau andersrum. 99 Versuche bis man halbwegs zufrieden ist.

Und dann, 2 Tage später und nach 200 Stunden Rumspielen – wohlgemerkt: nur mit der GUI – stellt man dann fest, dass man alles in die Tonne kloppen kann und fängt von vorne an. Und dann tauscht man nicht nur ein paar Buttons und Grafiken aus. Dann kann man sehr oft auch die komplette Navigation umstellen.

Nur um 2 Tage später und nach 400 Stunden Rumspielen erneut alles in die Tonne zu kloppen …

Das iPhone und das iOS mögen zwar geschlossen und limitiert sein – aber es hat einen Grund, warum dieses Zweigespann so erfolgreich ist. Erstmals ist die GUI und der Aufwand, der in selbige gesteckt werden muss – um Längen wichtiger. Denn das System ist eigentlich unsichtbar, ja nicht vorhanden. oder höchstens ein Hilfskonstrukt.

Oder andersrum – je besser die GUI (und damit meine ich nicht, wie schön die Buttons gemalt sind) um so weiter nach hinten verschwindet das Gerät und vor allem das System. Wir schaffen also mit jedem weiteren guten App das System immer weiter ab.

Und Microsoft wundert sich noch heute, warum sie vor sich hin dümpeln.

Der Aufwand, die Zeit, die nicht auf Funktionen – sondern das Führen des Nutzers, die Interaktion, das Erleben eines Apps drauf gehen, hat sich seit der Erfindung des iPhones und iOS hat sich locker verzehnfacht. Locker.

Ich sitze gerade an einer Idee (namens StandIn), die mich schon seit Monaten, wenn nicht Jahren, förmlich quält und ich weiß nicht, wie oft ich schon wieder von vorne angefangen habe. Wie bringt man unaufdringlich eine Menge spielerisch auf ein paar Pixel unter, so dass es einfach Sinn macht. Bei aller Einfachheit, Unaufdringlichkeit und Sicherheit – eines nervt mich am iPhone. Wenn es schon angetreten ist, meine Leben einfacher zu machen, dann soll es gefälligst ganz schnell und einfach mein Hirn entlasten.

Dafür müssen aber Informationen und Gedächtnisstützen zusammen gespeichert werden und nicht über 10 Apps ohne Verbindung abgelegt werden. Ich würde das gerne beheben. Dank der tollen Vorarbeit von Apple, was die Frameworks angeht, wäre der Code dazu in zwei/drei Monaten geschrieben. An der GUI sitze ich jetzt schon fast das zehnfache.

Und nein – damit ist nicht die Zeit vor Illustrator, Photoshop und Xcode gemeint. Das macht nur einen Bruchteil aus. Damit ist die Zeit gemeint, die man stundenlang auf das iPhone starrend verbringt. Die Zeit, in der man das jeweilige App auf und zu macht. Vor und zurück navigiert. Vor und zurück navigiert und vor und zurück navigiert. Oder in der man andere Apps studiert oder Mockups aus Pappe und Papier erstellt und auf dem Tisch vor sich hin und her schiebt.

Alles nur, um die perfekte GUI zu erstellen.

Das kennt doch ein jeder von uns. Tolles App geladen, drei Minuten rumgespielt und dann gemerkt, dass da etwas nicht stimmt. Da geht der Spaß verloren. Und auf dem iPhone ärgert uns so etwas um Längen mehr – als auf dem iPad oder gar Mac.

Ein steriler Klick ist immer noch etwas anderes, als eine Handbewegung, eine ‘Begreifung’ – denn Apple hat mit dem iOS eine – zwar unsichtbare – aber immer vorhandene Trennwand zwischen Benutzer und System aufgehoben.

Und um so direkter erfahren wir ein App – wir berühren es förmlich. Und um so schneller fühlen wir auch Unebenheiten.

Und mit Siri begeben wir uns nur ein paar Jahre später (also förmlich in Lichtgeschwindigkeit) auf eine weitere Ebene – oder andersrum: eine weitere Trennwand fällt.

Das wird noch viel spannender. Bau mal eine GUI zu einer Stimme …






Zwischenrufe

  1. Erminia

    Auf die App bin ich jetzt aber gespannt!




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!