Kleine Nachtretung
Ich habe mich ja eben schon zu Schmidts gestrigem Interview geäußert. Es gab da noch so ein kleines Detail, dass für leichte Missstimmung sorgen könnte.
Whether you like Android or not, you will support that platform.
Vorneweg, ich bin mir sicher, dass Schmidt dies nicht als Drohung gemeint hat und auch nicht böse. In einem einstündigem, freien Interview schaffen es die wenigsten aber auch jedes Wort zu platzieren. Ich finde es müßig, sich über Wortwahl mehr als nötig aufzuregen.
Was er meinte ist ungefähr folgendes: Es gibt mehr Android Geräte. Punkt. Entwickler wollen ihre Apps verkaufen. Drum werden sie auch für Android entwickeln. Wir gewinnen. Fertig.
Und genau da liegt er falsch. Wir mögen es nicht und wir werden auch nicht. Du verlierst. Fertig.
Wobei es natürlich Ausnahmen gibt und wir auch gar nicht in Gewinner und Verlierer denken.
Auch wenn das schwer aus dem meisten Köpfen raus zu kriegen ist. Wir sind nicht alle geldgeile Millionäre. Wir sind nicht alle Angry Birds und scheffeln Unsummen (ich gönne denen das übrigens ohne Einschränkungen, nur um das noch mal klar zu stellen). Im Gegenteil. Die meisten von uns haben einen anderen Job um sich über Wasser zu halten. In dem klöppeln sie dann für eine Firma vielleicht auch ein Android App. Aber das ist etwas anderes.
Und nur weil manches in drei Stunden zusammengerotztes Furz-App mal kurz ein paar 100.000 Dollar gemacht hat (vor Jahren) – heißt das nicht, dass andere Apps genau so schnell erstellt werden können. Im Gegenteil. Es ist harte, zeitaufwendige Arbeit. Und wir lieben sie.
Und genau das ist der springende Punkt, den Herr Schmidt von Google entweder nicht sehen will, nicht sehen kann – oder viel wahrscheinlicher, nach Außen hin nicht sehen darf.
Den wenigsten Entwicklern geht es um Geld. Dann würden sie für Google arbeiten und so Dinge wie Buzz rausbringen. Uns geht es um unsere Apps und das bestmögliche App zu erschaffen. Weil wir lieben, was wir tun. Drum haben viele von uns auch einen anderen Job, um das, was wir lieben, finanzieren zu können. Nicht jeder kann in den Top 12 sein und Geld verdienen.
Und wir haben einfach keinen Nerv uns mit den Unsäglichkeiten von Android auseinander zu setzen und uns verrückt zu machen, mit mindestens vier verschiedenen App Stores, vier verschiedenen Auflösungen, vier verschiedenen ‘Systemen’ und in einer ‘Community’ – die schlicht und einfach kein Geld für Apps ausgibt, bzw. ausgeben kann. Weil es einen Grund gibt, warum die HTC und Android benutzen.
Marco von Instapaper (also einem der wichtigsten und erfolgreichsten Nicht-Spiele-Apps) ist genau aus dem Grund gestern direkt eine Wette eingegangen und genau aus den eben erwähnten Gründen wird er nie für Android klöppeln. Und er würde so ein App direkt noch halbwegs verkauft bekommen.
Also, lieber Herr Schmidt. Es geht nicht um olle Zahlen. Wir mögen Android einfach nicht. Aber wir würden sofort ein anderes System unterstützen, wenn wir es mögen.
Ganz unabhängig von den vermeintlichen Verkaufszahlen …

09.12.11 | 05:25
Hab eben auf Daring Fireball gelesen, dass Schmidt nicht richtig zitiert wurde und etwas leicht anderes gesagt haben soll: http://daringfireball.net/linked/2011/12/08/eric-schmidt-really-said