Der Porno Store - oder wie beim Lotto

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als man mit drei richtigen im Lotto noch ein Mittagessen für vier Personen gewinnen konnte? Mit fünf richtigen Zahlen konnte man sich locker eine einjährige Auszeit gönnen.

Dann kamen irgendwelche Marketingstrategen (garantiert unterstützt von Spielsuchtexperten) auf die grandiose Idee, das ganze attraktiver zu machen. Damit man die Preise erhöhen kann und noch mehr Menschen der Gier verfallen.

Ab sofort konnte man Summen mit ganz vielen Millionen gewinnen. Und alles darunter wurde zu Kleckerbeträgen gemacht. Und auch viel weniger Gewinner gab es. Aber die Kasse rollte. Also für die Lotto-Gesellschaften.

Und genau so ist das mit dem App Store.

Früher gab es ganz viele Möglichkeiten, als App-Klöppler seine Apps an den Mann und die Frau zu bringen und man wurde nicht Millionär – aber man hatte sein Einkommen und wenn man Glück hatte, dann konnte man sich von einem Erfolg auch mal ein Jahr Auszeit gönnen.

Und dann kamen die Marketingexperten Apple und schon konnte man mit dem richtigen Programm auf einen Schlag Millionär werden. Und alles darunter wurde zu Kleckerbeträgen gemacht. Aber die Kasse rollte. Also für Apple.

Heute gab es mal die ersten (halb) offiziellen Zahlen zu der Frage, wie viele Apps man am Tag verkaufen muss – um im App Store unter den ersten 10 zu landen. Denn alles andere ist nur noch ein heutiger Dreier im Lotto.

In den USA sind es 80.000. Noch mal: am Tag. In Deutschland (übrigens mittlerweile bei weitem nicht mehr der zweitwichtigste Markt weltweit – nur falls ihr euch wundern solltet, warum es Apps in Englisch, Chinesisch und Spanisch gibt und nicht auf Deutsch) – da ‘reichen’ 10.000.

Man muss immer noch 2.000 Apps verkaufen, um überhaupt in die Top 50/100 zu gelangen. Also in Deutschland. In den USA (und nur der Markt zählt) sind es immer noch stolze 25.000.

(Quelle)

Ja, dann macht man auch Kohle. Keine Frage. Nur selbst ich mathematisch unterbelichteter kann ausrechnen, wie viele Apps gleichzeitig in den Top 10 sein können. Bei 500.000 vorhandenen.

Wir App Entwickler sind die Porno Stars dieses Jahrhunderts. Erst kam VHS OS X/iOS und die wilden Partys und Preise und dann kam YouPorn der App Store und der aller größte Teil muss die Beine für ein Taschengeld breit machen.

Wir können nicht alle Sasha Gray Angry Birds sein.

Vielleicht sollten wir uns an das Gejammere der Zeitungsheinis dranhängen und Artenschutz beantragen. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass dies einer von uns tun wird.

Die Dinge sind, wie sie sind. Also macht man das Beste daraus. Und noch hat sich Qualität immer noch durchgesetzt. Klar geht auch die andere Schiene. Billiger und schrottiger geht immer. Dann bekommt man aber auch das, wofür man bezahlt hat. Oder andersrum. Man verdient auch nur das, was man investiert hat.

Ich glaube, dafür gibt es ein Wort. Wie war das noch mal. Android?

Die Zeiten ändern sich. Radikal. Und immer schneller. Verlierer hat es immer schon gegeben. Nur jetzt gibt es sie halt immer schneller. Aber eben auch die Gewinner.

Nur die Mitte. Die fällt wie überall auch zum Opfer. Es gibt nur noch die 1 Prozent und die restlichen 99. Es gibt nur noch Kopfhörer, die mehr Bass und mehr Höhen haben und die schrottigen. Nur – was war zuerst da? Menschen, deren Hörgewohnheiten schon immer verkorkst waren, oder Kopfhörerhersteller, die sich solche Menschen gezüchtet haben?

Gleiches gilt für Setzer, Drucker, Fotografen, Schreiberlinge und sonstige Gestrigen.

Wer A sagt, muss auch B aushalten können. Oder noch besser, sich an B anpassen. Und vergessen wir mal bitte nicht, dass man immer noch C bis Z zur Verfügung hat, so man den will und kann.

Oder um mal bei Sasha Gray zu bleiben: es gibt ein Leben nach dem Porn App Store …







Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!