Warum das iPad keine Zeitung ist

THE DAILY schreibt Verluste, Verleger streiten um und hadern mit Bezahlmodellen und Kosten, Apps crashen und der gemeine Nutzer liest weiter im Internet oder regt sich tierisch auf, dass er trotz Abo für die digitale Ausgabe noch einmal zur Kasse gebeten wird.
Was direkt nach der Vorstellung als Segen und Rettung für die angeschlagenen, analogen gedruckten Medien gefeiert wurde - darf nach über einem Jahr wahrlich nicht als Erfolg gewertet oder gar gelobt werden - im Gegenteil.
Ernüchterung auf allen Seiten trifft es wohl am Besten.
Und wie immer in so einem Fall, stehen sich alle Beteiligten permanent selber gegenseitig im Weg, auf den Füßen und meckern ohne Unterlass. Nur in einem sind sie sich alle einig. Grundsätzlich trägt immer die andere Seite die Schuld - also muss man sich keinen Deut bewegen oder etwas ändern.
Mir - als verwöhntem Apple Nutzer - gehen die Begründungen und Jammereien von Verlegern und Zeitungshäusern gelinde gesagt ziemlich am Arsch vorbei. Papier, Farbe, Benzin, Personal, Austräger und dregleichen mehr kosten mehr als 30 Prozent.
Aber das alles hat nichts mit dem eigentlichen Grund zu tun - warum das iPad keine Zeitung ist und sie auch nicht ersetzen kann. Zumindest momentan nicht.
Und ich meine damit gar nicht mal die offensichtlichen Dinge - wie die Badewannen- oder Ankreuz-, Abreiß-, Draufkritzel-, Falt- und Knautschfähigkeit der guten alten Zeitung aus Papier.
Es gibt ein viel grundlegenderes und simpleres Problem. Es macht schlicht und einfach keinen Spaß. Und wir haben unser iPad weil es Spaß macht. Und einfach ist. Das Ding hat eben nichts mit Aufwand zu tun.
Und digitale Zeitungen und Magazine für das iPad sind momentan all das … NICHT.
Ich muss mir ein App laden. Dann muss ich mir die aktuelle Ausgabe laden. Dann muss ich warten, bis sie geladen ist. Wenn das Programm schlecht gemacht ist, dann muss ich so lange warten und kann keine Mails oder Feeds in der Zeit lesen. Dann stürzt das Programm ab. Dann fange ich von vorne an.
Dann sind die Inhalte zum Teil älter als in der Print-Ausgabe. Und die wenigsten Verlage, Verleger und Redakteure haben bis heute kapiert, dass es nicht reicht, die Texte und Bilder aus Quark oder InDesign einfach 1:1 zu übernhemen und noch etwas mehr Werbung dazwischen zu klatschen. Dann funktioniert jedes App irgendwie doch anders - oder gar nicht, wie erwartet.
Und da sind wir schon bei dem Hauptproblem (aus meiner Sicht). Für jede dappige Zeitung, für jedes popelige Magazin brauche ich ein eigenes App. Mit anderen Bedingungen. Mit einer anderen Bedienung. Mit einam anderen Layout.
Warum kann ich verdammt noch mal nicht ein App wie iBooks für all meine Zeitungen haben. iMagazine - oder so. Da suche ich mir einfach aus, welche Zeitungen ich haben will. Und die sind alle gleich zu bedienen. Und alle in einem Platz. Und die Herren Verlage und Verleger haben sich an gewisse Guidelines zu halten - wie wir Entwickler auch.
Ja, sie nerven uns Entwickler manchmal. Aber sie haben einen Sinn. Punkt. Und mir geht es jetzt nicht darum, ob und wie man Titten und Nippel sehen kann oder um eine inhaltliche Zensur oder Nicht-Zensur.
Das kann man danach angehen.
Aber vorher sollte man sich einmal um die Benutzung und Attraktivität kümmern. Was nützen mir Brüste oder tolle Karrikaturen, wenn ich gar keine Lust und Nerven habe, das passende App und dessen Inhalt überhaupt zu nutzen?
Ich habe ein Abo für die TAZ - ja, die gedruckte Ausgabe. Und wenn die endlich bei mir ankommt, dann kenne ich den größten Teil des Inhalts schon. Deswegen bezahle ich das Abo nicht. Ich zahle, damit ich das Online lesen kann und auch, wenn ich in dem Chaoten-Haufen nicht arbeiten könnte, so schätze ich doch deren Arbeit, die ich sogar noch als Journalismus bezeichnen kann.
Und ich würde auch gerne für eine iPad Version einer Zeitung bezahlen - wenn es denn dann endlich mal eine gescheite gäbe.
Bis dahin benutze ich das iPad für alles - nur nicht zum Zeitung lesen …
Hinweis: Dieser Beitrag wurde von Tumblr rübergeholt und somit sind leider alle Kommentare im digitalen Nirvana gelandet - sorry. Wer möchte, findet aber alles noch hier.
