Bitte trackt mich!

Ja - ihr habt mich richtig verstanden. Ich will getrackt werden. Vielleicht nicht auf Schritt und Tritt. Obwohl - so viel bewege ich mich ja zum Leidwesen meines Bauchumfanges eh nicht und die Pendelbewegungen zwischen Kaffeemaschine und Schreibtisch dürften auf Dauer eh etwas langweilig werden.
Aber im Internet - da bitte. Von Apple und Amazon, über Beatport, iTunes und der New York Times bis hin zu YouPorn YouTube (ich bin eh dafür, dass sich einer von beiden umbenennen sollte, kaum will man jemandem eine lustiges Video auf YouTube zeigen, da offenbart die URL-Leiste des Browsers die nächlichen Ausflüge in andere Gefilde und nein, der Pornomodus ist auch keine Lösung) - bitte trackt mich!
In Zeiten von Locationgate und dem kommenden ‘Bitte trackt mich nicht’ Erweiterungen für Browser oder sogar gesetzlichen Verboten, da flehe ich euch alle an - bitte trackt mich!
Nein, es geht nicht darum, dass ich mit meinem kümmerlichem Online-Dasein mit nur dreieinhalb Facebook-Freunden und mehr Spam als echten Mails im Posteingang so gerne beachtet werden möchte, damit ich mir nicht als kompletter Versager vorkomme - nein, ich möchte getrackt werden, weil ich darum weiß, wie wichtig das ist.
Und nein (die Zweite) - es geht nicht um irgendwelche Bewegungsprofile und personalisierte Viagrapillen mit eingraviertem Namen (wobei das in meinen Augen eindeutig eine Marktlücke ist und falls damit jemand in Zukunft Geld verdienen sollte, ihr dürft mir ruhig zwei Wochen Urlaub spendieren, wenn ihr dann die erste Millionen gemacht habt) - nein, es geht schlicht und einfach um Verbesserung von Dienstleistungen und Produkten und ja, auch Werbung. Ohne Werbung kaum Fortschritt und so. Ihr kennt das.
Ohne Google und Co findet man ziemlich wenig und andersrum, man wird nicht gefunden. Oder wieder andersrum. Man weiß gar nicht, dass man gefunden werden will. Und wer einen finden will. Was dann erneut andersrum auch wieder heißt, man weiß auch nicht, wer einen nicht finden will. Und dann kann man ja auch gar nicht versuchen zu verstehen, warum man denn nicht gefunden werden will.
Ich aber will, dass andere wissen, warum ich sie suche und warum ich deren Seite besuche - oder eben auch nicht. Oder dass ich sie nicht eine Sekunde später wieder sofort zugemacht habe und nie wieder vorbeigeschaut habe. Man kann nicht nicht kommunizieren. Und mein Browser und ich, wir kommunizieren mit der Welt da draußen. Surfen ist keine Einbahnstraße. Und Cookies lügen nicht - oder so.
Und ja - ich gestehe! Ich tracke euch auch!
Wo kommt ihr her?
Was für einen Rechner benutzt ihr?
Welchen Browser?
Welches System?
Womit sucht ihr?
Was schaut ihr euch an?
Was schaut ihr euch nicht an?
Wann schaut ihr vorbei?
Was wird geladen?
Was wird gekauft?
Was wird nicht gekauft?
Kommen welche aus dem iTMS oder App Store vorbei?
Welche Seite schauen die sich dann an?
Und welche (komischerweise) nicht?
Und diese Liste kann man beliebig erweitern oder eingrenzen, je nachdem, wofür man sie denn braucht.
Und nein, man braucht solche Daten eben nicht zwangsläufig nur, um den dicken Reibach zu machen und euch zu verraten und zu verkaufen. Arschlöcher gibt es überall und vermutlich - und vor allem gefühlt - werden die auch nicht weniger. Aber es soll doch tatsächlich noch Menschen, Entwickler, Gestalter und Firmen geben, die tun diese Dinge ‘für’ ihre Kunden und potentielle Neukunden.
Klingt komisch - ist aber so!
Ja, man kann mit diesen Daten nämlich auch äußerst sinnvolle Dinge tun. Webseiten und Produkte verbessern, benutzerfreundlicher gestalten und erweitern. Euch, die ihr euch für Dinge interessiert, gezielter (und damit eigentlich unaufdringlicher und un-nerviger) ansprechen und lauter so tolle Dinge mehr. Und man muss diese Daten dafür auch nicht ewig aufbewahren und man kann sie ja so verwalten, dass weder ein Personenbezug möglich ist, noch Schaden angerichtet werden kann.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass der allergrößte Teil auch nur so verwendet wird. Personen und Firmen, denen es nämlich um wirkliche Verbesserung - also Dienst am Kunden - geht, denen ist der Kunde und somit deren Daten und deren Vetrauen nämlich einfach wichtig. Sonst würden wir uns diese aufwendige Arbeit erst gar nicht aufladen.
Wenn diese Daten dann aber irgend wann auf die ‘leichte’ und ehrliche Art und Weise nicht mehr zu beschaffen sind - dann werden die zum einen anders beschafft und/oder ihr könnt den Nutzen und die Vorteile einfach nicht genießen.
Also darum hier und für morgen und für jeden zum Mitschreiben - bitte trackt mich!
Trackt mich, wertet meine Besuche und mein Verhalten aus und verbessert damit eure Seiten, Dienste und Produkte. Ich mag es nämlich, wenn man sich um mich und meine Interessen kümmert. Indem ich nämlich eure Seiten besuche und eure Dienste in Anspruch nehme, da weiß ich was ich tue und schenke euch mein Vertrauen und die Hoffnung, dass ihr auf mich ‘hört’ und mich respektiert.
Drum noch einmal. Trackt mich!
Solltet ihr nämlich Bockmist bauen, dann komm’ ich eh nicht mehr vorbei. Und Daten wie Email-Adressen oder gar Kredikartennummern, die hinterlasse ich eh nicht einfältig mal nebenbei und überall. Und schon gar nicht meine Snail-Adresse oder richtige Telefonnummer. Nirgends, wo es nicht hingehört. Und für das Internet, da hat man extra so tolle Prepaid-Kreditkarten erfunden. Tolle Sache das mit denen …
Also, bitte trackt mich!
Hinweis: Dieser Beitrag wurde von Tumblr rübergeholt und somit sind leider alle Kommentare im digitalen Nirvana gelandet - sorry. Wer möchte, findet aber alles noch hier.
