A ist nicht B, und schon gar nicht C
Megaupload ist tot. Lange lebe Ultraupload – oder so. Dinge, die einmal im Netz sind, die verschwinden nicht. Schon gar nicht, wenn sie erfolgreich sind. Erfolgreich ist alles, was nichts kostet. Noch besser ist allerdings, wenn es eigentlich kosten müsste.
In Deutschland besteht über die Hälfte des täglichen Datenaufkommens aus Filesharing – um mal den idiotischen Überbegriff zu verwenden. In manch anderen Ländern sind es sogar über 70 Prozent.
Und damit meine ich nicht das Austauschen von Ollerum-Bildern.
Und wir alle wissen das. Und wir alle haben Titel in unserer iTunes Bibliothek, die wir nicht rechtmäßig erworben haben. Und wir alle haben schon mal Software benutzt, die wir so nicht benutzen durften. Und wir alle haben schon mal Filme geschaut, die noch gar nicht im Kino waren.
Wir alle. Selbst mein Vater.
Und drum sind wir alle auch großartige darin, Rechtfertigungen aller Art für unser Tun zu finden. Auch der Diebstahl eines virtuellen Brötchens aus Einsen und Nullen ist Diebstahl. Ihr könnt euch eure Kommentare an dieser Stelle einfach sparen.
Wir alle wissen was wir tun. Ganz genau. Also können wir auch verdammt noch mal dazu stehen. Die Eier kann man wenigstens haben.
Nun gibt es zu allem auch eine andere Seite. Ohne Napster und Co kein Internet wie heute. Kein iPod. Kein VDSL 50 und kein App Store. Zumindest noch nicht heute. In der Form. Zu diesen Preisen. Und ohne SO ein Internet und ohne Apple und ohne Massendiebstahl von Eigentum, für den die meisten hart gearbeitet haben – da müsste ich zum Beispiel einen deppigen 9to5 Job machen und der Ollerum wäre den ganzen Tag alleine.
Wer A sagt, der muss auch B sagen. Wir alle haben unsere Kindheit und Jugend (ok, nicht wir alle – ich vergesse immer, dass ich schon ein alter Sack bin) mit dem Kopieren von Floppies und Kassetten verbracht.
Und auch damals wussten wir schon ganz genau, was wir da tun. Gänzlich ohne Internet.
Aber A heute ist nicht B von gestern. Und es besteht ein Unterschied darin, ein Spiel zu kopieren und im Freundeskreis weiter zu reichen, damit mehr und zusammen gespielt werden kann und der Anstiftung zum massenweisen Diebstahl in großem Stile – um sich gesund zu stoßen.
Auch das wissen wir alle. Auch dafür müssen wir keine Ausreden und die Bösen woanders suchen. Das ist heute genau so wie früher.
Nur jetzt haben wir noch ein C. Das hatten wir früher so in der Form nicht.
Das gefährlichste am Ollerum sind seine kleinen spitzen Zähnchen. Und er hat es am liebsten, wenn man ihn am Kinn krault. Und er dabei ungeschützt auf dem Rücken liegt. Seine stärkste Waffe also unbrauchbar ist – sollte ich ihm an die Gurgel gehen.
Und so ist das mit Allem und Jedem. Auch dem Internet. Wir alle stolpern über unsere eigenen Schwächen und Stärken und wir graben immer und grundsätzlich unser eigenes Grab.
Ohne Raubkopieren und kein Filesharing – kein Internet von Heute. Wegen Filesharings und Raubkopierens – bald kein Internet mehr von Morgen.
Katze, Faden, Maus, Schwanz. C.
Und C muss dringend von A und B getrennt werden. In unseren Köpfen. Und dazu gehört als aller erstes einmal, dass wir zu A und B stehen. Wir alle. Wir alle sind beteiligt. Punkt.
Wer ein freies und von C unangetastetes Internet will und fordert, kann A und B und C nicht in einen Topf schmeißen, nur um nicht zu seinem eigenen Treiben stehen zu müssen.
Und es kann nicht angehen, dass Schnellschuss-Piraten in einer Presseerklärung meckern, dass endlich mal die Gesetze des Internets angewandt wurden. Es gibt keine Grenzen mehr. Punkt. Ein Arschloch ist in den USA oder in Deutschland genau so ein Arschloch wie in Hongkong oder auf Neuseeland.
Wer A einfordert, der muss auch B akzeptieren – selbst wenn es von C kommt. Alles andere ist geheuchelt und weiter am eigenen Grab geschaufelt.
Wer auf YouTube in Land A die selben Filme wie in Land B sehen will, der muss auch akzeptieren, dass C dann auch für alle und überall gilt.
Jede zweite Datei, die über unsere Leitungen wandert – täglich wandert – gibt C Recht. Punkt. Recht im Sinne von Rechtsprechung. Nicht zwischen ‘Teilen’ und millionenschwerem Aufruf zu Straftaten unterscheiden – spielt nur C in die Hände. Wieder Punkt.
Von Menschen, die das undifferenzierte Denken unserer Datenträgernostalgikern permanent anprangern – ist das schlicht und einfach ein Armutszeugnis. Und noch eine Schaufel mehr selber ausgehoben.
Ihr wisst, wie ich zu Arschlöchern stehe, die anderer Arbeit klauen, sich an die Ecke stellen und es jedem auch noch frech grinsend hinhalten. Etwas, was wir alle schon gemacht haben. Noch schlimmer allerdings sind Menschen, die dann nicht einmal dazu stehen können – aber ganz groß darin sind, die fadenscheinigsten Ausreden dafür zu finden.
Denn dies alles nützt nur einer Seite. Und das sind nicht wir. Und das ist gefährlich und dumm. Und Dummheit wurde schon immer bestraft. Und auf die immer gleiche selbst geschaffene Bedrohung mit den immer gleichen dummen Antworten zu reagieren – wir alle wissen, wie Einstein das genannt hat.
Wir sitzen alle im selben Boot Internet. Wieso nur muss ich dann täglich an mich halten, um nicht permanent ob der Dummheit mit meinem Paddel um mich zu schlagen?
A ist nicht B – aber A kann nicht ohne. Und umgekehrt. Aber es geht ohne C – so man denn nur will …

21.01.12 | 04:05
Ach, Michael … wann wirst Du endlich mal einsehen, dass auch der illegalste «Raub»kopierer nichts klaut, weil man beliebig vermehrbare Güter halt mal nicht klauen kann. «Klauen» heißt «wegnehmen», kapish? Wenn ich, Du, irgendwer was kopier(e|st|t), isses eben gerade nicht weg.
Und nein: Kimble, der alte ahnungslose Egomane, der wird dadurch kein Stück besser.
21.01.12 | 05:35
Was war jetzt noch mal C? A war äh…jedenfalls nicht B, oder?
21.01.12 | 02:49
…Dumdidum….
21.01.12 | 06:14
Moss - du meinst also, Raubkopierer seien keine Diebe, sondern Betrüger?
22.01.12 | 12:52
Es sind Diebe UND Betrüger! Punktum!
22.01.12 | 07:57
[…] Ausführlicher hat das Dilemma mit der Doppelmoral Apfel-Z beschrieben, aber natürlich sind die Merkbefreiten auch dort wieder ganz vorne mit dabei. Veröffentlicht am: 22. Jan. 2012 Archiviert unter: Social Gedöns kommentieren Name: (wird benötigt) […]
22.01.12 | 09:20
@Janina: ich meine, beim Kopieren sei kein Raub beteiligt. Raub ist die gewaltsame Wegnahme von Sachen, was beides hier bekanntlich nicht zutrifft.
@Ludwig GE: Du kannst mir jetzt sicher auch ganz genau beschreiben, was da so im Einzelnen gestohlen wird, also hinterher weg ist, oder?
Und Betrug, naja … dazu braucht’s einen Betrogenen, also einen, dem duch die Tat ein Nachteil entstanden ist. Die Behauptung, jedes Musikstück, jedes Programm, jede TV-Serienfolge und jeder Film, den/die/das aus dem Netz gezogen wird wären andernfalls gekauft worden, steht aber auf sehr tönernen Füßen. Wenn dem so wäre, müßten die z.B. die Umsätze der Medienindustrie in den letzten paar Jahren in sich zusammengefallen sein, und beispielsweise Microsoft, deren Programme wohl die weltweit meistkopierten sein dürften, wäre wohl seit Jahren pleite.
Also laßt das Gejammer. Solange die Medien- und Softwarehersteller immer noch versuchen, Euch haarklein vorzuschreiben, was man mit ihrem Kram alles nicht darf, genau so lange wird’s nicht besser.
23.01.12 | 01:27
“Raubkopierer” ist nur ein reißerisches Wort, das hängen blieb, mir schon klar. Immer noch schmeichelhafter als andere treffendere Bezeichnungen.
Was ich nie kapiert habe - wieso das “Klauen” (ich mach da jetzt mal Anführungszeichen hin) von Dingen, die ich eigentlich gar nicht will oder brauche und nur deshalb mitnehme, weil sie gerade so einfach einzustecken sind, gerade deshalb was anderes sei. Ich sah da nie irgendwelche Schwierigkeiten, eindeutig festzustellen, was da was ist, aber vielleicht habe ich auch nie angestrengt genug versucht, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Man muß vielleicht wirklich dran glauben wollen. ;)
24.01.12 | 01:20
@Moss Wärest Du Komponist, Dichter, Maler, Photograph und … wüsstest Du, was Diebstahl geistigen Eigentums ist; wärest Du Sänger, Gitarrist, Schauspieler oder … wüsstest Du, um was es bei Leistungsschutzrechten geht.
… Dass die Inhaber von Urheber- oder Leistungsschutzrechten mit ihren Rechten verantwortungslos umgehen, heisst doch nicht, dass Du deren “Erzeugnisse” ohne Erlaubnis nutzen darfst. - Du kannst Dir Deine Bilder selber malen, Deine Musik selber komponieren, Deinen Krimi selber drehen etc. etc. etc. - falls Du das kannst, d. h. es gelernt hast.
Also laß das Gejammer! Dich zwingt keiner etwas zu kaufen, wenn Du die Bedingungen des Kaufvertrages nicht akzeptieren kannst oder willst! Punktum! Ende! Schluss! …
25.01.12 | 01:30
@Ludwig GE: Ich bin auch zum Gelderwerb Softwareautor und Schriftsteller, habe aber keine Ahnung, was «geistiges Eigentum» sein soll. Wie soll irgendetwas Geistiges, also Erdachtes, Eigentum sein können? Alles, was ich erdenke, basiert doch vollständig auf den Gedanken anderer, für deren Geistesprodukte logischerweise das Selbe gilt … recursio ad infinitum. Wie also soll irgend etwas Erdachtes irgend jemandem oder gar einem nur juristischen Konstrukt gehören können? Wie soll man ein Buch lesen, einen Film sehen, ein Lied hören können, ohne sich dessen «geistiges Eigentum» zu eigen zu machen?
Die Frage bleibt: warum bin ich nocht nicht verhungert, obgleich alles, was ich schreibe, frei im Netz verfügbar ist und ich sogar will, dass es kopiert und weitergegeben wird? Um konkreter zu werden: von TeX ist die Rede, also Software, die schon Open Source in der Public Domain war, bevor diese Begriffe allgemein bekannt wurden.
Das deutsche Urheberrecht stelle ich übrigens nicht in Frage, im Gegenteil. Leistungsschutzrechte schon eher, denn diese schützen nicht die Urheber, sondern lediglich die Verwerter, die auf Kosten ersterer leben. Ja, Verleger und Verlage sind noch nötig, aber sie sind einfach nur Dienstleister, deren Dienste langsam, aber stetig überflüssig werden. Das wissen die Bertelsmänner und Co. natürlich selbst auch alles, also versuchen sie, jetzt noch möglichst viel Kontrolle zusammenzuraffen.
In Deinem zweiten Absatz hast Du übrigens was vergessen: Homefucking is killing Prostitution. Mehr fällt mir zu diesem MAFIAA-Geblubber beim besten Willen nicht ein.
27.01.12 | 04:17
[…] Kein Wunder das MoApp seinen Frust darüber im Blog niederschrieb “A ist nicht B, und schon gar nicht C“. Fast wie erwartet gab es auch jede Menge Kommentare dazu, die an ein Gerechtigkeitsbewusstsein einiger Mitmenschen zweifeln lässt. Das selbe konnte man auch zum Eintrag “Umsonst geht nicht immer:über Kostenlosmentalität, Musik und andere Dienste” von Caschy beobachten. […]