Wenn Dafür das bessere Dagegen ist

Dagegen sein ist in. Dagegen sein ist hipp und heutzutage vor allem so einfach. Man muss nicht mal mehr aufstehen. Ein Klick reicht und schwups sind 10.000 oder gar 10.000 gegen etwas.

Dafür zu sein ist schon etwas schwieriger. Ist ja eigentlich auch gegen unsere Natur. Für unsere Natur gibt es ja auch gar nicht.

Jetzt sind wir also alle mal gegen Apple und Foxconn. Klick. Dagegen.

War das einfach.

Wie – jetzt nicht nur dagegen? Jetzt auch komplett mit Boykott und so. Wie klickt man denn bitte einen Boykott ohne aufstehen zu müssen?

Und vor allem – womit wollt ihr Möchtegern-Boykottierer denn zukünftig arbeiten?

Mit HP? Mit Dell?

Apple macht ‘keine’ 25 Prozent aller Arbeiten aus, die in Foxconn Fabriken für andere ausgeführt werden. Foxconn Mitarbeiter/innen verdienen um Längen besser als die meisten anderen Chinesen/innen und so schlimm wie die Bedingungen an mancher Stelle leider immer noch sind – sie sind um Längen besser als in den meisten anderen chinesischen Fabriken.

Die Löhne sind in China in solchen Fabriken die letzten Jahre zehnmal so stark gestiegen wie vergleichbare in der EU und Deutschland. Die Bedingungen für die Arbeiter haben sich in den letzten Jahren in dem meisten Bereichen deutlich verbessert und die Kinderarbeit zeitgleich weiter abgenommen.

Ist deswegen alles toll? Nein. Da brauchen wir uns nicht drüber unterhalten. Welche Henne da an welchem Ei Schuld ist bleibt ja immer noch offen und geht auch meterweit am Kern des Pudels vorbei.

Was passiert denn mit den ganzen hunderte und tausende Kilometer gewanderten Arbeitern, wenn keiner mehr Produkte von Apple kauft? Also den 25 Prozent der Foxconn Mitarbeiter/innen, die für Apple Produkte zuständig sind?

Die stehen auf der Straße. Oder in einer anderen Fabrik, die mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Apple Audits unterliegt. Oder bauen nebenan den Dell und HP Rechner zusammen, den sich die Denkbefreit-Boykott-Helden statt dessen gekauft haben.

Super. Da hat sich das Dagegen-Sein doch mal gelohnt.

Tja – selbst in der heutigen 1-Klick-Zeit benötigt man zum Dagegen-Sein doch noch ein bisschen Resthirn.

Wie wäre es mal, wenn wir statt dessen mal was richtig Sinnvolles dafür tun. Dafür-Sein macht auch Spaß.

Ich bin dafür, dass wir alle eine Art Fund einrichten, der direkt an die Menschen geht, die unsere geliebten Gadgets zusammenschrauben müssen.

Neues iPhone gekauft? Auf appletax.com (Achtung – ist ein Beispiel) gegangen und mittels PayPal 10 Dollar Gewisenberuhigungssteuer nach China geklickt und dort kümmert sich zum Beispiel die Fair Labor Association um die Verteilung. Mehr Lohn, bessere Unterkünfte, bessere Arbeitszeiten usw.

10 Dollar bei 300 bis 800 für ein unnützes Gadget sind wahrlich nicht viel und können dort einen riesen Unterschied ausmachen.

30 Dollar für einen neuen Laptop als Ungerechtigkeit-Ausgleich-Steuer und 50 für einen Mac Pro.

Das wäre mal ein sinnvolles Dafür mit auch nur (fast) einem Klick und man hätte wirklich ein Zeichen gesetzt und etwas erreicht.

Dafür ist nämlich das neue Dagegen. Hat sich leider nur noch nicht rumgesprochen. Drum dürft ihr das gerne weitersagen.

Da wäre ich sogar stark dafür. Und da sage noch mal einer was dagegen …






Zwischenrufe

  1. Fabian

    Super Idee, das mit der Apple -oder sonstwie Tax…



  2. el-flojo

    Nach der Machtübernahme werde ich Ollerum als Präsidenten einsetzen und Du schreibst seine Reden, ok?



  3. Michael

    Wenn das nicht mal der ultimative Plan ist. Thrönchen hat er schon …



  4. Moss

    Das mit den Arbeitsbedingungen bei FoxConn geht auch kürzer.




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