Der langsame Tod von Aqua

Eigentlich war ja seit Mac OS 9 immer iTunes der Vorbote der Dinge, die da kommen. Heute habe ich dann festgestellt, dass es dieses mal dann eher Xcode ist.
Aqua war gestern. Morgen ist … ja, was ist das eigentlich. Momentan ist es für mich das Ende der Usability. Dies könnte natürlich auch mit daran liegen, dass ich selber von gestern bin.
Ich bin mit dem klassischen OS groß geworden und das ist für mich immer noch die schönste und selbsterklärendste Oberfläche gewesen. Für die Jungspunde unter euch, so sah es aus.
Damals zeigte sich der ‘Fortschritt’ – wie all die Jahre später – als erstes an iTunes.
Denn nach der klassischen, eher flachen – was vor allem technisch bedingt war, auf so einem lahmen pre-PPC Rechenknecht mit 2MB Grafikkarte und 32 MB RAM, wenn man viel Geld hatte, waren Schatten und Glossy und all die anderen Dinge einfach nicht drin – Oberfläche kam Aqua.
Und damals waren die Aufschreie ähnlich dem, was wir jetzt mit iOS 7 erleben.
Für mich gibt es nur einen gewaltigen Unterschied. Aqua war anders, bunter und all die Dinge – aber es war kein ‘Bedienbarkeitsalbtraum’ wie iOS 7. Da smag vielleicht auch ein wenig daran liegen, dass es nicht ganz so radikal und ich damals noch nicht so vertrocknet im Hirn war.
Aber auch daran, dass ein Button immer noch ein Button. Jett ist ein Button ein Text. Wenn man Pech hat, ein blassgelber Text auf weißem Untergrund. Oder ein hellgrauer.
Und ich befürchte, dass dies dann auch so langsam Einzug auf dem Mac hält. Piktogramme und Texte. Ersteres muss man verstärkt erraten und letzteres erst einmal lesen können.
Wenn ich mir so meine täglichen Support-Emails anschaue, dann bezweifle ich stark, dass wir Benutzer (so in der Gesamtheit) wirklich schon so weit sind. Diese neue Oberfläche verlangt einem etwas ab. Man muss Dinge wissen. und wie wir alle wissen, wissen wir die eben (so in der Gesamtheit) nicht.
Menschen sind zu doof, den einzigen blau blinkenden, dicken, fetten ‘Schließ mich’ button in einem Sheet wahr zu nehmen und zu drücken. Und jetzt sollen sie auf einmal zwischen lauter Text, den sie eh schon nicht lesen, dann kleinen, hellblauen und nicht blinkenden ‘Schließ mich’ Text wahrnehmen?
Dieser Schritt ist entweder völlig beschert oder verdammt mutig. Und wie so oft bei Apple ist man immer erst ein paar Jahre später schlauer. Nämlich dann, wenn der Rest der Welt genau so aussieht.
Und ich befürchte mal, der wird so. Wir schaffen analog ab. Ich bin mit Knöpfchen und Platten drehen groß geworden. Doepfer und Technics halt. Die Junspunde von heute machen alles am iPad.
ich bin mir wirklich nicht sicher, dass das so toll ist. Toll für die gesamte Menschheit. Also ich fasse dann doch lieber so einen Busen oder Arsch in 3D und echt an, als eine flache Abbildung unter Glas. Ja ich, weiß, ich bin komisch. Ich muss Dinge berühren und nicht eine Abbildung dessen mit der Stimme befehligen.
Mit Aqua hatte man wenigstens noch die Illusion von Hügeln und Räumlichkeit und Zusammenhang.
Den schafft Apple jetzt ab. Mein altes Hirn, dass noch weiß, wie sich Dinge anfühlen, muss das erst einmal verkraften.
Und ich bin doch so unflexibel. Ich und mein altes Hirn, wir wissen dafür wenigstens noch, wie Busen schmeckt. Diese neue Oberfläche, die will ich allerdings nicht ablecken. Und berühren darf ich sie nicht.
Wenn das mal nicht Fruststau verursacht …


