Apfel+Z (Die Obstkiste des Internets)

Alles aus der Kommentar Schublade



Liebe Griechen,

ich bin stolz auf euch. Ich weiß, das ist ein doofes Wort und auch nicht so wirklich passend und eventuell auch überheblich – aber mir ist nichts Besseres/Treffenderes eingefallen.

Wenn ich mich recht entsinne, dann hat man uns hier in Deutschland früher in der Schule – zumindest noch in Theorie – beigebracht, was Demokratie bedeutet und wo sie mal herkam.

Ich bin zynisch, oft nur am Meckern und noch viel öfter dagegen – aber darunter verbirgt ich ein kleiner Optimist. Und wenn ein Anflug von Rückbesinnung, ein Hauch von Demokratie ins Ursprungsland zurück kehrt, dann finde ich das gut und sehe das positiv.

Noch positiver sehe ich, wenn sich Politik und Medien gleichzeitig vor einer ‘linken Renaissance in Europa’ fürchten und mit allen unmöglichen Mitteln dies als etwas Schlimmes/Schlechtes hochstilisieren wollen.

Da kann man nur hoffen, dass sich das alle andern Länder in Europa (und der Welt) euch als Vorbild nehmen. Egal, was da jetzt bei rauskommen wird – eines wird bleiben:

Das Wissen, dass man Zeichen setzten kann, dass man was tun kann; selbst mit einer popeligen Stimme. So unterbewertet, wie wir uns das selber immer wieder einreden, um ja nichts ändern zu müssen, ist die nämlich gar nicht.

Die, die da jetzt wie die aufgeschossenen Hühner durch Brüssel und Berlin huschen, die wissen dies sehr wohl. Es wird Zeit, dass der Rest sich das auch endlich mal wieder sagt.

Und nein, ich mag es so gar nicht, wenn man Optimist durch Naivling ersetzt …

Die Presse in Zeiten der Hysterie

Es gab mal eine Zeit, die ist auch noch gar nicht so lange her, da haben die Journalistenkrähen gegenseitig Rücksicht auf die Augen der anderen genommen.

Das fand und finde ich auch auch immer noch bemerkenswert in einer Zeit, in der Journalismus nur noch als Lückenbüßer zwischen den bezahlten und gesponserten Beiträgen und den Klickhuren stattfinden kann.

Und dann las ich eben gerade dieses hier: Die “Verschwörung” von Paris. Und das ist ja nicht das erste Beispiel dieser Art in letzter Zeit.

Jetzt mal völlig vom Inhalt und dem Umgang mit Presse, Berichterstattung abgesehen, so finde ich das doch schon erstaunlich. Ist es jetzt also soweit? Sind wir im Endstadium angekommen?

Von ‘der Presse’ – egal zu welcher Seite sie auch neigen mag – erwarte ich auch im Jahre 2015 und selbst beim Wasser bis zum Hals, dass sie weiß, was sie tut und wo sie zündelt.

Nein, alles rund um BILD bezeichne ich nicht als Presse. Aber von einer taz kann ich erwarten, dass sie sehr genau weiß, was sie mit solchen Aktionen anrichtet – gerade in dieser Woche, gerade in dieser angespannten Lage.

Der größte Irrglaube unserer Zeit und unsere Generation ist ja, dass wir angeblich mündig, aufgeklärt und allwissend sind – dem Internet sei Dank.

Die, die es besser wissen müssten, die, die eigentlich fundiert genau gegen diese falsche Annahme anschreiben müssten, die, die dieser grassierenden Kurzzeitauffassung wohlgewählte Worte entgegen setzen müssten – die sollten eigentlich den Weitblick haben und verstehen, dass sie sich mit solchen Aktionen keinen Gefallen tun.

Bisher hatte ich immer noch (die mit großer Wahrscheinlichkeit naive) Auffassung – oder eher Hoffnung – dass all jene, die das letzte Bisschen Restscheindemokratie mit ihrer Berufung und ihren Worten zusammenhalten müssen, kapiert haben, dass sie im selben Boot sitzen.

Ich weiß, man darf es nicht sagen – aber das Wort Lügenpresse kommt ja nicht von ungefähr. Natürlich wird es von den falschen Menschen missbraucht. Aber wie bei Allem gibt es einen Kern; in aller Regel inklusive Pudel.

Die Antwort auf allgemeine Verdummung, allgemeines Ablehnen kann und darf nicht sein, in das gleiche missgestimmte Horn zu stoßen. Warum muss man sich, wenn man es eh schon so verdammt schwer hat, auch noch gegenseitig – und damit sich selber – ein Bein stellen?

Eure verdammter Job ist die Aufklärung! Und das ist wohl mit der wichtigste Job, den man in diesen selbstverblendeten Zeiten haben kann! Ihr habt ihn euch ausgesucht! Und ja, es gibt immer noch vereinzelt Menschen, die euch dafür dankbar sind und sogar dafür zahlen. Euer Job ist aber eben nicht, nur für diese zu schreiben. Euer Job ist für alle zu schreiben; und vor allem für jene, die es so dringend und bitter nötig haben.

Und was die am Nötigsten haben ist nicht das, was sie meinen schon zu kennen und was sie überhaupt erst hat abstumpfen und sich abwenden lassen.

Kriegt verdammt noch mal euern Arsch endlich hoch und eure eigenen Köppe aus selbigem! Viel Zeit bleibt wahrlich nicht mehr!

Und Hysterie hat man noch nie erfolgreich mit noch mehr Hysterie bekämpfen können …

Die Bankrotterklärung

Jetzt ist es also so weit. Im Jahre 2015 ist es gesellschaftsfähig mit dem Abschaffen der Grundrechte nicht nur vor die Mikrofone, sondern auch in den Wahlkampf zu ziehen.

Das erste Mal, dass so etwas wie ein Minimum an Rechtsschutz gewährt wurde, geschah im Jahre 1215 in dem Land, das jetzt genau tausend Jahr später vollkommen am Durchdrehen ist.

Nun kann man natürlich darüber streiten, dass weder in der Magna Carta, noch in den nachfolgenden Schriftwerken etwas zum Recht auf Privatsphäre festgehalten wurde – allerdings sollte sich wohl ein jeder von uns mittlerweile darüber im Klaren sein, was passiert, wenn der Staat (oder genauer, die mit der Macht – schließlich ist das seltenst identisch) alles über jeden weiß. Erst recht in einem Zeitalter, in dem das Manipulieren und Missbrauchen von Daten und Dokumenten nicht einmal mehr Kenntnisse oder Fähigkeiten voraussetzt.

Und damit haben wir verloren. Das ist die Bankrotterklärung. Das ist der Untergang des Abendlandes. Nicht irgend eine vermeintliche Religion oder Überfremdung.

Und nein – damit haben nicht die paar armen Säue gewonnen, die sich in die Luft sprengen lassen oder blind um sich schießen. Gewonnen haben all jene, die diese armen Säue vorschicken.

Kaum ein Mensch mit Bildung, unversehrter Kindheit und Perspektive bombt sich durch die Gegend und in die Luft. Dazu lassen sich nur die wirklich ganz armen Säue instrumentalisieren; die, die verquere Ansichten und Ideologien mit Religion verwechseln.

Und die, die dahinter die Fäden aufs Perfideste ziehen, die wissen um den Unterschied sehr wohl und sehr genau.

Und das sind genau die, die sich jetzt bei solchen Äußerungen von westlichen Marionetten der vermeintlichen Macht hämisch die Hände reiben; wohl wissend, dass die satten, trägen und ängstlichen Abendländer so ziemlich alles mit sich machen lassen, wenn man es ihnen nur richtig verpackt und sie nicht in ihrer Bequemlichkeit stört.

Ich habe keine Ahnung wie viele Millionen Menschen, die dem Islam angehören, die den Islam als Religion haben, in den letzten Jahren für genau solche Rechte, Freiheiten und Werte auf die Straße gegangen sind, ihr Leben dafür gelassen haben und von uns im Stich gelassen wurden. Ich habe aber eine ziemliche genaue Vorstellung davon, wie kümmerlich klein das Häufchen derer bei uns ist, die für die Erhaltung dieses Rechte, Freiheiten und Werte kämpfen.

Und das macht mir mehr Angst, als jede Religion, als jeder Volldepp mit Sprengstoffgürtel und Kalaschnikow jemals können wird …

Das ist keine Karikatur

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Das ist menschliche Größe. Hut ab davor. Und wer das nicht verstehen kann und tatsächlich immer noch behauptet, dass man ‘so etwas’ nicht machen sollte oder gar darf – der ziehe bitte den Stecker, gebe seinen Autoschlüssel ab, stecke den Fernseher ab und fange an Holz zu sammeln, denn im Mittelalter ist es ziemlich ungemütlich …

Das letzte große Abenteuer des domestizierten Sitzpinklers

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Meine Höhle hat 200 qm, Fußbodenheizung und Fenster rundherum. Säbelzahntiger verirren sich eher selten ins Dachgeschoss und DHL-Männer stellen im Allgemeinen auch keine wirkliche Bedrohung dar.

Ich muss auch nicht tagelang und hunderte von Kilometern durch die Gegend streifen, wenn der Magen knurrt. Im Umkreis von 100 Metern habe ich sieben Sushi Bars, unzählige Inder, Italiener und argentinische Steak-Häuser, die so gute Chemikalien ins Fleisch spritzen, dass ich mir wirklich einbilden kann, es käme direkt vom Feuer. Was wir hier nicht haben, ist eine gescheite Dönerbude – aber das ist eine andere Geschichte.

Und wenn ich etwas Warmes neben mir auf dem Fell Bett haben möchte, dann kann ich es mir auch sparen, die große Keule herauszusuchen und sie drei Höhlen weiter zu schwingen und bis drei zu zählen. Ich muss nur das MacBook aufklappen, die Kreditkarte zücken und ich bekommen etwas vollkommen haarloses (nein, nicht auf dem Kopf) direkt vor die Türe chauffiert.

Mein Leben ist die pure, portionierte Langeweile. Ich bin kein Mann mehr. Ich habe keine wirklichen Abenteuer, keine wirklichen Aufregung mehr.

Mir bleibt nur ein allerletztes Aufbäumen übrig. Eines, an das ich mich verbittert klammern kann, direkt klammern muss.

Ich domestizierter Sitzpinkler verweigere mich einfach und beharrlich nach dem Weg zu fragen. Ich gehe sogar noch eins weiter und bringe das Navi erst gar nicht an der Scheibe an und verbanne es in den Kofferraum oder die Armlehne.

Ich bin der pure Rock’n Roll, während ich in fremden Städten für Stunden im Kreis fahre. Wer nicht ankommt, der fühlt sich frei. Wer zu spät kommt und nachtanken muss, ist ein ganzer Kerl.

Und wenn Mann gerade nirgendwo hin muss, wo Mann sich nicht auskennt, dann kann Mann immer noch ins IKEA fahren, die Pfeile gegen den Strich entlang laufen und in der Markthalle garantiert nicht um Hilfe fragen, wo Mann denn nun die Dreierpackung JÄMKA findet, die Mann der Finanzministerin mitbringen soll.

Doof ist allerdings, wenn Mann mittlerweile im Umkreis von 400 Kilometern selbst die kleinste Sackgasse kennt.

Das Ende vom Mann ist nicht die Emanzipation, ist nicht der Feminismus.
Das Ende vom Mann ist, wenn die Straßen ausgehen.
Das Ende ist, wenn Mann verdammt noch mal weiß, was diese blöden JÄMKA Dosen überhaupt sind …

PEGIDA - oder: Die praktische Einfachheit der Deppen

Es ist fast schon unglaublich. Aber fast ein jeder Artikel zu aktuellen Begebenheiten in Deutschland von mir fängt nahezu identisch, mit einem identischen Tenor an. Und dieser lautet wie folgt:

Egal worüber wir hier gerade diskutieren, streiten, den Kopf schütteln oder unseren Senf dazu geben müssen – es geht immer so grandios an den eigentlichen Gründen, an den eigentlichen Ursachen vorbei.

Diese Woche diskutieren wir (sofern man das so nennen kann) über PEGIDA. Der Witz – oder eher die Traurigkeit – bei der Sache fängt hier ja schon an. Es gibt so unglaublich viele, die ja nicht einmal Wissen, was der Name eigentlich bedeutet; oder besser: Wofür diese Abkürzung eigentlich steht.

Drum lassen wir uns den kurz noch mal auf der Zunge ranzig werden:

Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes

Und nein, der Rechtschreibfehler ist ausnahmsweise mal nicht von mir. Ich habe das so direkt von der offiziellen Webseite kopiert.

Kann mir bitte jemand mal kurz erklären, was unser europäisches Vaterland jetzt eigentlich genau ist?

Und mit diesen billigen Tritten sind wir (ich) dann auch direkt beim eigentlichen Problem angelangt. Häme, Spott und billige Tritte von uns Digitaler Bohème, auch bekannt als Twitter Nutzer mit drei bis 170 Followern.

Und dieses Mal stehen wir nicht mal alleine da. Ja, ich weiß, wir bilden uns immer ein, dass wir ja so viele sind und dass wir die Meinungshoheit mittels #Hashtags direkt gepachtet haben. Ich persönlich kann mich nur an keinen einzigen Fall erinnern, an dem wir es mal geschafft hätten, 15.000 Menschen auf die Straße zu bringen.

Nein, dieses Mal kommen die Tritte auch von der Analogen Bürgerlichkeit. Und damit wären wir dann noch viel mittendrinner.

Bürger, Bürgerlichkeit und Nadelstreifen.

Wenn wir hier in Deutschland etwas diskutieren, dann geschieht dies grundsätzlich nur mit Schlagworten und Schubladen; die machen die Sache nämlich so wunderbar einfach und abhakbar. Also vermeintlich.

Denn bei PEGIDA greifen sie einfach nicht. So gar nicht. Und schon haben wir ein Problem. Sobald wir uns keine Deutungshoheit mehr einbilden können, bleibt uns kollektiv nur noch der Reflex Hohn und Spott übrig; auch gemeinhin als gemeinsames Teppich Hochheben bekannt.

Wenn ich die Augen nur fest genug schließe, dann gibt es die Deppen einfach nicht. Ach, wenn es doch wirklich so einfach wäre.

Und genau dieses über Jahrzehnte antrainierte Verhalten ist Ursache und Wirkung in Einem. Man sollte doch meinen, dass wir nach dem Dritten Reich, nach Hoyerswerda und Co. so langsam mal dazu lernen.

Und nein, es geht dabei gar nicht um Nazis per se. Es geht erst einmal darum, wie wir mit verstörenden Dingen umgehen. Dingen, die angeblich nicht sein dürfen. Dingen, die angeblich nur ganz Wenige betreffen. Dingen, die wir nicht verstehen, die wir nicht einordnen können.

Denn es kann ja angeblich nicht sein, dass wir alle kollektiv an der Entstehung von PEGIDA mit Schuld sein könnten. Was gehen uns diese komischen Deppen mit ihren komischen Ängsten an. Und vor allem: Warum machen die etwas, was wir, wenn es denn drauf ankommt, so gar nicht hinbekommen. Warum gehen die auf die Straße und fordern dann auch noch Dinge, die stellenweise sogar Sinn machen?

Was nicht sein kann, dass gibt es auch nicht in diesem Land. Wir sind das Apple Europas: We’re holding it wrong.

Es kann nicht sein, dass wir hier jahrzehntelang große Gruppen an Menschen immer weiter im Stich lassen, immer weiter ausquetschen und sich alleine überlassen. Es kann nicht sein, dass wir hier jahrzehntelang institutionalisiert wegschauen, wenn ‘rechte’ Tendenzen aufkeimen. Es kann nicht sein, dass wir hier die permanent gängeln und überwachen, die noch die Courage haben, gegen diese Tendenzen ein Zeichen setzen zu wollen. Es kann nicht sein, dass wir die perfektionierte Gehirnwäsche in der Bertelmannschen Freiluftversuchsanstalt schlucken, wie die Klinikpackungen an blauen Pillen.

Und dann kann es schon gar nicht sein, dass sich da im Sumpf dieser fast 90 Millionen Affen ein paar zusammentun und gegen diesen Irrsinn aufrebellieren.

Und die Konsequenz darauf kann nur sein, dass man die Art des Rebellierens direkt im Keim mit Hohn und Spott ersticken muss.

Ja, ich weiß. Fakten, Fakten, Fakten. Jetzt auf einmal sollen sie zählen. Jetzt auf einmal zählt die vorgebliche (vergebliche?) Wahrheit. Wir haben jahrzehntelang wahrheitsresistente ZDF-Fernsehgarten-Zuschauer und CDU-Wähler herangezüchtet und wenn die sich dann – oh Wunder – dementsprechend verhalten und aufführen, dann ist das Geschrei groß.

Wir haben jahrzehntelang die Urängste bedient und gefüttert und wenn diese dann ihre nackte, hässliche Fratze zeigen, dann will es keiner von uns gewesen sein; schon gar nicht wir ach so toleranten digitalen Ureinwohner mit iPhone. Wir sind so tolerant, dass alle Menschen, die nicht unserem, auf unsere Bildschirme begrenzten, Weltbild entsprechen, nur Nazis sein können, sein müssen.

Bitte wer von uns hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten tatsächlich aktiv – und damit meine ich garantiert nicht die Anzahl der Retweets – etwas dagegen unternommen, dass sich die zurück gelassen und geblieben Menschen in unserer Mitte nicht in traurigen, trüben bis braunen Tümpeln ansammeln müssen?

Also ich habe genau gar nichts getan.

Wortansammlungen im Internet absondern hilft niemandem. Meine Probleme kreisen um zu langsame Upload Geschwindigkeiten, Bugs in einem unnötigen Betriebssystem eines unnötigen mobilen Telefons, wo ich am billigsten meine wöchentlich gewaschene und gewachste Autos betanken kann und ob das Bio aus der LPG auch wirklich Bio ist.

Und ihr so?

Aber, aber, aber, die kann man doch nicht ernst nehmen, das sind doch alles Deppen und latente Nazis …

Und damit wären wir dann wieder am Anfang. Teppich hoch gehoben und mit viel Hohn und Spott das, was nicht sein kann und darf ganz schnell drunter gekehrt.

Wieder nichts gelernt für Morgen. Willkommen in der Mitte Deutschlands. Erst die AfD, jetzt PEGIDA und was kommt morgen?

Wie ich uns kenne, nur ein noch größerer Teppich …

Im Vakuum gezüchtete männliche Arschlöcher

Bevor ich mich mal wieder komplett unbeliebt mache, nur kurz vorneweg:

Ein Idiot ist ein Idiot ist ein Idiot und bleibt vermutlich auch immer ein Idiot. Ein Arschloch ist ein Arschloch ist ein Arschloch und bleibt vermutlich auch immer eines.

Nur entstehen Idioten, Arschlöcher und deren Kombination eben nicht in einem Vakuum. Oder etwa doch?

Momentan ist ja nicht nur Twitter voll mit allem Gamergate, Julien Blanc und sonstigen Volldeppen. Dazu gibt es dann noch ein paar mehr als anschauliche Videos, wie das so ist, wenn man als Frau durch die Gegend läuft.

Jetzt mischen auch die Mainstreammedien mit und wie immer, wer hätte es gedacht, geht das meistens am Eigentlichen vorbei.

Also, um genauer zu sein: Es geht mir an meinem ‘Eigentlichen’ vorbei; der Frage nach den Hintergründen und somit nach dem Warum.

Der Frage nach dem Wo, wo diese ganzen Volldeppen den herkommen. Denn anscheinend werden die ja auch nicht weniger und vor allem scheint es die ja in Ecken zu geben, in denen man sie ja eher nicht vermutet hat; in der überwiegend weißen Mittelschicht, um das mal ganz stark zu vereinfachen.

Diese Volldeppen mit Internetanschluss sind in Ländern zu finden, in denen es schon seit ein paar Jahrzehnten Gleichberechtigung, zumindest auf dem Papier, gibt. In Ländern, in denen Frauen für ihre Rechte auf die Straßen gegangen sind. In Ländern, in denen Männer, zumindest in der Werbung, kochen, den Abwasch machen und auch schon einmal eine Windel gewechselt haben.

Wie das nun so ist, mit Dingen, die – anscheinend – im Internet ihren Anfangen nehmen und dort auch überkochen, da kann man die als Randphänomen abtun. Da reagieren sich ein paar Deppen ab, über die man ohne Internet nie etwas hören müsste. Das sind ein paar wenige, die muss man nicht ernst nehmen.

Darin sind wir gut. Teppich hochgehoben und ganz schnell gekehrt.

Ich mache das selten – aber ab und an gehe sogar ich aus dem Internet raus und wenn man dann in der ‘realen’ Welt mal nachfragt, dann sind das nicht nur ein paar 14-jährige Deppen. Jede, der wenigen weiblichen Entwicklerinnen, die ich kenne, kann euch ein Lied davon singen, wie dumm sie permanent von ihren männlichen Kollegen angemacht wird.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist, wenn man man bestimmte Gegenden in der Stadt einfach meiden muss, wenn man nicht alle naselang dumm von der Seite angemacht werden will. Wobei das dann doch schon eher seltener bartragende Hipster in komischen Hosen sind, um mal bei den Stereotypen zu bleiben.

Beiden Dingen, auch Belästigungen genannt, ist aber eines gemein: Da stimmt etwas nicht mit dem Frauenbild. Da ist sich nicht nur Twitter, da sind sich auch die Massenmedien mal einig.

Aber da hört es dann auch immer schon wieder auf. Weder in werbefinanzierte Massenmedien, noch in 140 Zeichen passen Nachfragen und Hintergründe.

Und erst recht bekommt man ein Problem, wenn diese Annahme vielleicht gar nicht richtig ist.

Was, wenn das Problem gar nicht das Frauenbild ist? Was, wenn es da ein viel größeres Problem gibt?

Was, wenn es das eigene Bild ist, das nicht stimmt? Was, wenn es also das Männerbild ist, das schief hängt?

Ja, ich weiß. Aber genau das ist auch noch so ein Problem. Es ging hier nicht um Entschuldigungen oder Ausreden. Ich habe eine Frage gestellt; mehr nicht.

Auch gibt es einen Unterschied zwischen einer – möglichen – Erklärung und einer Entschuldigung oder Ausrede.

Aber – und damit wen wir wieder direkt beim Anfang – die Frage ist und bleibt doch: Wo kommen diese ganzen Volldeppen her, diese Volldeppen, die es doch eigentlich gar nicht mehr geben dürfte? Vor allem handelt es sich dabei nicht nur um diese täglichen doofen Bemerkungen oder das unschöne Sabbern beim Anblick eines tollen Arsches.

Was momentan verstärkt zum Vorschein kommt – was mir in dieser Stärke, wohl behütet und ignorant, wie ich lebe, nicht bewusst war – geht weit über mangelnde Kinderstube oder untergefickt hinaus.

Was da, diese öffentlichen Aufrufe zu Vergewaltigung und Mord mal besser ganz außer Acht lassend, stellenweise in nicht geringen Mengen zum Vorschein kommt, ist schon erschreckend; um es mal Vorsichtig auszudrücken.

Wo entsteht so eine Einstellung, so es denn überhaupt eine Einstellung ist?

Angeblich entsteht ja nichts in einem Vakuum. Worin sind dann nur all diese Idioten bis Arschlöcher entstanden?

Um sie herum gab es Bildung, Wohlstand, arbeitende Mütter, Werbung mit abwaschenden Männern und Bus fahrenden Frauen.

Um sie herum gab es Mütter, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen.

Und dennoch wurden aus diesen überwiegend weißen Jungs in eher besseren Verhältnissen, in erschreckend großer Zahl, zum Teil riesige Volldeppen, die sich so verdammt schwer damit tun, dass es tatsächlich Frauen gibt, die gerne vor dem Computer hocken und in IT Firmen eben nicht nur für den Support und das Marketing zuständig sind.

Nein, die begleiten nicht ihre Freunde zu Entwicklerkonforenz, die haben sich auch nicht verlaufen. Nein, die halten dir gleich einen Vortrag, für den du ordentlich Geld bezahlt hast. Und auf der Fahrt zu der Konferenz hast du vielleicht sogar ein Spiel gespielt, an dem sie mitgearbeitet haben.

Abends, auf dem Weg zur Party, werden sie, wenn sie Pech haben und an den falschen Stellen vorbei laufen, allerdings genau so dumm von der Seite angemacht, wie die Friseuse deiner feuchten Träume sonst auch immer.

Deppen und Arschlöcher hat es schon immer gegeben und wird es ich immer geben und da werden auch alle Mütter, Erzieherinnen, Lehrerinnen, alle Frauen dieser Welt nichts dran ändern.

Aber was ist mit diesen vielen anderen Teilzeitdeppen und Selektivarschlöchern?

Jenen, die aus ‘gutem’ Haus kommen, sich im Supermarkt an der Kasse benehmen können und sich abends Videos anschauen, wie man Frauen am besten gegen ihren Willen abschleppt.

Was ist bei denen bloß schief gelaufen?

Augenscheinlich nicht im Vakuum aufgewachsen, eine ‘Bildung’ genossen und genügend Frauen um sich herum gehabt und dennoch versagen sie dann, wenn es drauf ankommt, in einem der entscheidendsten Punkte, die unser Zusammenleben ausmachen; der Interaktion mit dem anderen Geschlecht, im Umgang mit Frauen.

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem unbequemen Fenster und behaupte ganz dreist, dass diese Deppen bis Arschlöcher sehr wohl in einem Vakuum herangezüchtet werden. In einem von uns allen geschaffenem Vakuum und wir alle lassen sie dort drin aufwachsen.

Und ja, somit auch von euch Frauen.

Luft holen, nicht gleich der Emma schreiben und kurz innehalten. Danke.

Nochmal: Es geht nicht darum, irgendwelche Volldeppen in Schutz zu nehmen. Es geht nicht darum, Arschlochverhalten zu rechtfertigen und nein, auch wenn es sich vielleicht so anhören mag: Es geht nicht um Schuld.

Es geht um Verständnis. Und damit sind wir direkt beim Kern der Sache angekommen, zumindest sehe ich dies so.

Erst, wenn ich etwas verstehe, kann ich etwas tun. Erst, wenn ich verstehe, was ich tue, kann ich mein Verhalten ändern. Erst, wenn ich verstehe, was mein Gegenüber eigentlich von mir will, kann ich darauf reagieren. Erst, wenn ich mich ernst genommen fühle, kann ich mein Gegenüber verstehen. Und meinem Gegenüber geht dies genau so.

All diese Dinge sind eigentlich Selbstverständlichkeiten und sollten vorausgesetzt werden, so fundamental nötig sind sie.

Und wie wir alle wissen, ist dem leider nicht so. Wie war das noch mal mit dem Teppich hocheben?

Vor allem sind diese fundamentalen Dinge ja auch erst einmal vollkommen unabhängig davon, welches Geschlecht mein Gegenüber hat.

Aber sie werden noch so unendlich viel wichtiger, wenn es um unser Balzverhalten geht.

Und das trifft leider so oft auf so dermaßen großes Unverständnis und Unwissen; zum Leidwesen von uns Jungs bis Männern ist das nur nicht wirklich gerecht verteilt.

Ja, es ist ein Klischee und es ist es doch zu Recht: Wir wissen schlicht und einfach die allermeiste Zeit nicht, was ihr von uns wollt; gerade beim Heranwachsen.

Mal ist es richtig, mal ist es falsch, mal muss es dazwischen sein und oft ist es falsch, es sei denn, es macht der Richtige.

Ja danke auch!

Im Ernst: Natürlich sind wir nicht alle komplette Geisterfahrer und natürlich sind wir auch praktisch bildbar und nein, es geht hier immer noch nicht (und nur um das auch vorwegzunehmen, es wird es auch nie) um faule Ausreden oder Entschuldigungen für Fehlverhalten.

Ich kann nichts dazu sagen, wie das ist als Mädel und später als Frau mit uns Deppen aufzuwachsen. Ich kann nur etwas – und das dann auch noch komplett einseitig – dazu sagen, wie das ist, mit euch aufzuwachsen und mit euch zu leben und selbst als halbwegs gebildeter, halbwegs sensibler Schwanzträger auch heute noch täglich vor dem Wunder Frau zu stehen.

Und so schwer mir auch diese Worte über die Tastatur kommen:

Wir müssen reden! Wir haben Nachholbedarf!

Wir wachsen nämlich auch heute noch sehr wohl in einem Vakuum auf; zumindest in einem Teilvakuum voller Rätsel. Dies alleine macht uns natürlich nicht zu Volldeppen und Widerlingen. Es trägt aber dazu bei.

Ja! Tut es!

Mir geht es nur gar nicht um diese kompletten Vollhonks. Petz’ mal einem Ochs ins Horn, wie eine ehemalige Chefin von mir immer zu sagen pflegte.

Mir geht es um den Rest. Mir geht es um Morgen und die Jungs, die auch heute noch, jetzt in diesem Augenblick, im Vakuum aufwachsen.

Die, die von Müttern, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen umgeben aufwachsen und aus denen trotzdem wieder Arschlöcher werden können.

Und dann gibt es da noch die ganz vielen, die sich im Umgang mit euch nicht zum kompletten Volldeppen machen – aber dennoch nicht wirklich immer wissen, woran sie eigentlich sind.

Wäre es nicht schön, wir alle hätten mehr Verständnis, mehr Wissen?

Was hätte ich schon vor Jahrzehnten die besseren Beziehungen haben können, wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich mir über Jahrzehnte zusammenreimen musste und was ich mühsam von euch lernen konnte und durfte.

Und ja, das zählt natürlich auch für den Sex. Und nein, ich meine damit nicht nur Beziehungen-Beziehungen mit Zahnbürste und Haaren im Abfluss. Ich meine damit alles. Von Freundschaften bis hin zu Arbeitsdingen. Von Chefin, Kolleginnen bis Praktikantinnen und dem nächsten Flirt.

Und was wäre das so toll, wenn ich heute schon wüsste, was ich noch so alles die nächsten Jahrzehnte über und von euch lernen muss und darf.

Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wäre das nicht toll, wenn ihr nicht permanent den Kopf über uns schütteln müsstet? Wenn ihr euch häufiger verstanden fühlen und wissen könntet, weil euch tatsächlich mal ein Mann versteht?

Plump, flach, stereotypisch und all die anderen Dinge, ich weiß. Und dennoch so dermaßen nah dran und so wahr, dass es fast schon weh tut.

Wenn ich mit zwölf im Freibad vom 10-Meter-Turm direkt vor euch ins Wasser platsche und euch ganz nass mache, dann quietscht ihr und spielt die Entrüsteten; setzt euch aber immer wieder dahin.

Ein paar Jahre später ist so ein Verhalten dann auf einmal falsch. Es sei denn, ich habe das passende Aussehen oder Konto.

Und nein, so schnell werden wir nicht erwachsen. Und ja, dies ist ein äußerst flaches Beispiel. Aber so wunderbar übertragbar.

Und ja, ich weiß. Dünnes Eis. Aber genau auf dem läuft Mann so oft. Und zu oft ohne jemanden an der Hand. Ich bin aufgewachsen, ohne mit jemanden über solche Dinge reden zu können. Wir tun uns heute noch so verdammt schwer damit.

Aber wir müssen es können. Das haben wir verstanden. Das wird von uns erwartet. Und zuhören. Und machen. Und dann wieder nicht machen und dann die Situation erkennen, wann was richtig ist und wann was falsch ist.

Und das in einem Umfeld, in dem das mit der Gleichberechtigung noch jung ist, die Frauen immer noch zum größten Teil in Frauenberufen arbeiten, viel weniger verdienen und selbst wenn die Kindergärtnerin sagt, dass Jungs das dürfen, die Reaktion deines Umfelds auf dein Weinen eine ganze andere ist. Nur, um mal weiter bei den plumpen und dennoch so zutreffenden Beispielen zu bleiben.

Wo sollen denn die Feinheiten, die nicht so plumpen Dinge herkommen, wenn die einfachsten schon so verwirrend sind. Vermutlich genau so verwirrend, wie diese ganzen Widersprüche, mit denen ihr auch immer noch aufwachsen müsst.

Es mag naiv sein, es mag nicht immer zutreffend sein – aber ich unterstelle einfach mal, dass es einfacher ist, wenn man jemanden hat, mit dem man darüber reden kann. Das habt ihr uns leider immer noch viel zu häufig voraus.

Auch heutzutage und gerade in unserer ach so aufgeklärten, westlichen und eher einfarbigen Welt, da ist so oft immer noch niemand da, mit dem man als Junge und auch als Mann über solche Dinge reden kann.

Wie viele Alleinerziehende Mütter gibt es? Wie viele männliche Wesen gibt es in Kindergärten und Grundschulen wirklich, auch wenn es ein klein wenig besser geworden ist?

Und auch wenn man es nicht laut sagen sollte und ich mir das jetzt als ehemalige Kindergärtnerin einfach herausnehme, diese wenigen Männer sind wichtig – aber nicht wirklich der representative Männerquerschnitt.

Es hilft mir auch nicht, wenn mein Kindergärtner etwas zu mir sagt und meine Umwelt mir ganz deutlich zu verstehen gibt, dass da was nicht dran stimmen kann.

Ja, ich rede von Vorbildern und Rollenverständnis. Ich bin immer noch bei den ganz flachen und grundlegenden Dingen und ich werde auch bei denen bleiben.

Weil es an genau diesen Dingen liegt, auch wenn wir da gerne allesamt den Teppich hochheben und kehren, was das Zeug hält.

Und diese Dinge summieren sich. Ich hatte das Glück, zu den richtigen Zeitpunkten, tolle Mädels und tolle Frauen um mich herum zu haben, die nicht nur Verständnis mir gegenüber aufgebracht haben, sondern mir auch geholfen haben, selber zu verstehen.

Und nein, dies ist keine Selbstverständlichkeit und nein, nicht jeder hat das Glück. Wenn ich so um mich schaue, dann sind das immer noch viel zu wenige auf beiden Seiten.

Heute, auf dem Papier und im Vorstellungsgespräch, der Öffentlichkeit, da kann ich so tun, als ob ich wüsste, was einem Mann ausmacht und was sein Rollenverständnis sein sollte. Ich weiß, was von mir angeblich verlangt und erwartet wird. Nur hat das auch heute noch nicht wirklich etwas mit dem zu tun, was ich fühle, was ich oft will und vor allem nichts mit dem zu tun, was wir an Widersprüchen permanent an den Kopf und vor allem an unser Innerstes geklatscht bekommen.

Heute kann ich da drüber reden, egal ob mit Mann oder mit Frau. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich nicht doch immer wieder überfordert bin oder eine klare Definition von dem hätte, was ich da tue.

Natürlich rede ich, zum Glück, nicht für alle – aber wir wachsen oft immer noch ziemlich alleine gelassen auf und müssen selber herausfinden, wie das so funktioniert mit den Mädels und Frauen.

Wenn ich versuche mir vorzustellen, was aus mir geworden wäre, wenn da noch weniger Menschen gewesen wären, die einem an die Hand nehmen und den Weg weisen, dann ist Volldepp gar nicht mal so weit weg.

Ja, ich will alles ficken, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Hey, ich klettere auch auf alle die Bäume, keine Frage. Im Alter lässt das etwas nach und der Sand wird etwas feiner – aber das, was das auslöst und antreibt, das ist und bleibt da.

Bring das mal in einem Vakuum unter einen Hut mit all den Erwartungen, Widersprüchen, der Doppelmoral und den vielen erhobenen Zeigefingern.

Zu plump? Wirklich?

Was würde ich dafür geben, wenn ich heute noch mal mein Gesicht von dem Augenblick sehen könnte, in dem ich endlich kapiert habe, dass ihr (Mädels/Frauen) nicht wirklich anders seid. Also bei den Bedürfnissen. Nur beim Umgang damit unterscheiden wir uns dann doch ab und an bis gewaltig; halt weniger plump.

Ein lecker Törtchen ist ein lecker Törtchen ist ein lecker Törtchen …

Diese Unterschiede muss man aber erst einmal erkennen und verstehen, die muss man erst einmal beigebracht bekommen.

Das geht nicht in einem Vakuum. Und geschieht dies nur zur Ungenüge, dann winkt da schon der Volldepp in der Ferne und wenn da noch so ein paar andere Umstände nicht stimmen, dann ist es bis zum Arschloch auch nicht mehr wirklich weit.

Und dann passiert etwas, was so dermaßen logisch ist und dennoch immer wieder übersehen wird. Das ist wie mit den Trollen: Mit Abstand verstehen wir das und fallen dennoch immer wieder auf die Schnauze, wenn wir mittendrin stecken.

Wenn ich schon ein halber Volldepp bin und nur deppige Wege kenne, etwas gegen meine Unterfickung zu tun – was für Typen an Frauen werde ich denn dann abbekommen? Und was lerne ich daraus?

Da ist das 10-Meter-Turm-Springen in weniger putzig bis unbefriedigend und traurig; oder gar gefährlich.

Und wir – also ich, mit euch – reden immer noch nur über die simples bis plumpen Dinge. Zum richtigen Trauerspiel wird das dann, wenn wir gegenseitiges Verständnis bei viel, viel sensibleren Themen, wie Vertrauen, Bindung, Beziehung und dergleichen, aufbringen müssen, ohne es jemals wirklich gelernt zu haben.

Das kann doch nicht gut gehen.

Nochmal, weil es so immens wichtig ist: Es geht nicht um Schuld oder Ausreden. Es geht um die Frage, warum es immer noch so dermaßen viele Jungs und Männer gibt, die im Umgang mit Mädels und Frauen so dermaßen versagen.

Meiner Meinung nach ist ein nicht unwesentlicher Grund, dass wir damit immer noch viel zu alleine gelassen werden und die Widersprüche immer noch viel zu groß sind, sie ja sogar noch immer weiter und immer schneller wachsen.

Wir mussten uns, damals ™, unsere Pornos und VHS Kassetten noch zusammenklauen und zusammenfinden und heute tummeln sich die Mädels und Frauen, die ihre Brüste, Hüften und Ärsche als Avatar zur Schau tragen nur so in meiner Timeline und vor lauter Videos komme ich gar nicht mehr zum Arbeiten.

Aber ich muss unterscheiden können, dass es vollkommen OK ist, dass ich all diese Titten und Ärsche ins Gesicht gestreckt bekomme, dass es vollkommen OK ist, wenn diese Mädels und Frauen vom Ficken und Blasen tweeten – ich ihnen aber nicht hinterher pfeifen oder ihnen Komplimente zu Ihrem Arsch machen darf.

Es sei denn …

Es sei denn was? Wie und von wem lerne ich denn diese feinen Unterschiede? Mit wem unterhalte ich mich darüber, wenn ich in dem Alter bin, in dem ich mir noch dreißig mal am Tag einen runter holen muss – oder kann; schließlich ist ja immer alles eine Frage des Blickwinkels.

Wir müssen immer mehr und noch mehr und wer ist da, uns das Mehr beizubringen? Gibt es da überhaupt irgendwelche geeigneten Vorbilder, die dem stetig wachsenden Anforderungskatalog gerecht werden können? Und die ganzen alten Erwartungen sind dennoch immer noch da, lauern über unseren Schultern und schauen uns kritisch an, wenn wir versuchen, dem vermeintlichen neuen Bild vom Mann gerecht zu werden. Und mehr Sex beschert es uns dann leider allzuoft trotzdem nicht.

Ja danke auch!

Humor, Baby! Eigenironie und nicht immer alles so bierernst nehmen. Hilft! Doch, wirklich!

Muss man aber auch erst einmal lernen. Und das lernt sich immer noch am Besten zusammen. Doch, wirklich!

Denn genau dieses Zusammen ist das eigentliche Problem. Und die Lösung; wie immer. Auch wenn es oft nicht so aussieht, eigentlich wollen wir das Selbe. Nur unsere Wege dahin könnten oft unterschiedlicher nicht sein. Ist schon erstaunlich, wie oft wir uns auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel so dermaßen oft die eigenen Steine und Beine in den Weg schmeißen und stellen.

Weil wir nicht miteinander reden. Und damit meine ich nicht Monologe, die sich als Dialoge verkleiden. Ich meine wirkliches Reden; Reden nach Tacheles. Man muss die Dinge aussprechen, man muss die Dinge beim Namen nennen. Frau auch.

Zum Beispiel darüber, dass es eben nicht Alles jederzeit und sofort gibt, auch wenn uns permanent das Gegenteil suggeriert wird. Aber auch darüber, dass, wenn man nur aufhört den anderen permanent ihren Sex und ihre Beziehungen zu neiden und sich stattdessen darauf konzentriert, den Sex und die Beziehungen zu bekommen, die man verdient hat und die man will, man allen Beteiligten einen so verdammt riesengroßen Gefallen tut.

Und wir müssen auch darüber reden, wie schlimm es ist, wenn Männer erst im mehr oder minder hohen Alter mühsam erlernen müssen, sich über so wichtige Dinge auch gescheit austauschen zu können. Das zu können, würde die Oberdeppen- und Arschlochrate so dermaßen verringern, es wäre traumhaft für euch Mädels.

Und wo wir, schließlich hocken wir zusammen in diesem Schlamassel, gerade dabei sind: Man kann die vielen Frösche dieser Welt auch etwas netter abblitzen lassen. Die Chance, dass diese gleich ganz anders auf die nächste Frau zugehen, ist so unglaublich hoch, dass es sich wirklich lohnt. Doch echt! Ich Frosch weiß, wovon ich rede.

Und der allergrößte Vorteil davon, ein paar mehr Männer mit ‘Frauenverständnis’ in der der Welt zu haben, ist auch wieder so dermaßen simpel und logisch, dass wir ihn auch jeden Tag aufs Neue übersehen: Es wird enger für die Volldeppen und Arschlöcher dieser Welt.

Es ist nicht mit einem verpuffendem #Aufschrei getan. Wir sind jetzt lange genug mit unseren stetig wachsenden Anforderungen und der immer lauter werdenden Kritik alleine gelassen worden. Die kann noch so berechtigt sein, es wird sich nicht viel ändern, wenn wir da weiter zuhauf in unserem Vakuum hocken gelassen werden.

Es ist nicht schön dort. Es macht auf Dauer keinen Spaß. Es macht einsam und permanentes Rätselraten stumpft ab und fördert die falschen Verhaltensweisen. Und dennoch tun wir uns und unseren Kindern das immer noch tagtäglich an.

Von den ewigen Deppen und Arschlöchern und Volldeppen mal abgesehen, die allermeisten wollen wachsen, wollen lernen und wollen sich in ihrer Haut wohl fühlen; völlig unabhängig von Geschlecht und Herkunft.

Und es ist unglaublich, was für tollen Sex und was für tolle Beziehungen und Freundschaften man haben kann, wenn man sich nur ab und an gegenseitig daran erinnert …