Alles aus der Kommentar Schublade



Wenn heute die Zukunft von gestern war

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Wenn heute die Zukunft von gestern war – dann ist man vermutlich bereits in der Vergangenheit angekommen; sprich früher ist bereits wichtiger geworden als später. Denn später ist das, was man früher gesagt und nicht gemacht hat.

Später, in der Zukunft, wenn ich erst …

Tja – und? Was ist übrig geblieben. Heute, so?

Von den großen Träumen, Hoffnungen, Wünschen, Erwartungen. Also mein Skateboard – angestaubt im Keller liegend – hat immer noch Rollen. Die meisten (bis alle) Dinge sind irgendwie auch so ganz anders gekommen. Hat die Generation vor uns früher schon gewusst. Nur wir, wir meinten es besser zu wissen; die Zukunft wird es schon richten. Die ganz arroganten unter uns, die meinten, sie würden es in der Zukunft schon richten; man müsse ja nur die richtigen Knöpfe drücken, die richtige Zeit eingeben.

Tja – und? Was ist davon übrig geblieben. Heute, jetzt so?

Vielleicht sollten wir (da ich hier ja eh nur Selbstgespräche führe, also ich) den heutigen 21. Oktober 2015 zum Anlass zu nehmen, endlich mal etwas in unsere Schädel zu bekommen, was wir früher eigentlich vielleicht sogar schon mal besser geahnt hatten und nur dummerweise auf später verschoben haben – es gibt keine Zukunft. Hat es noch nie gegeben. Wird es auch in Zukunft nicht.

Es gibt nur heute. Es gibt nur jetzt. Und ja, es gibt auch nur Klischees. Aber die kann man sich nun einmal nach Belieben aussuchen. Und dann nimmt man doch einfach die besten und schönsten. Und zwar sofort. Morgen ist es zu spät und morgen hat man schon wieder vergessen, was man eigentlich machen wollte, wo der verdammte Fluxkompensator abgeblieben ist und was man vorgestern machen wollte erst recht.

Ja, ich weiß, man wollte morgen auf jeden Fall auch einen DeLorean haben. Bitteschön, hier habt ihr einen, der fährt vermutlich sogar besser:

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Sorry – ich habe leider keine Claudia Wells zum Ausdrucken gefunden und tut euch den Gefallen und googelt lieber nicht nach ihr; wie man das mit so vielen Personen von früher nicht tun sollte. Es gibt da der eine ganz einfache Übung, um euch einen Eindruck zu verschaffen:

Steht mal kurz auf und geht in’s Bad vor den Spiegel, am besten nackt …

So, seid ihr wieder da? Dann nennt mir mal bitte mit dem Bild im Kopp einen einzigen Grund, etwas auf Morgen zu verschieben? Meint ihr allen Ernstes, das wird in der Zukunft besser? Welche Knöppe – nicht Beulen – wollt ihr da verdammt noch mal drücken?

Jetzt – und nur jetzt, Klischees hin und her, ist der Zeitpunkt noch etwas zu machen, zu ändern und Spaß zu haben; sprich den Sex zu bekommen, von dem man früher immer geträumt hat. Der Sex von gestern reicht auch nicht mehr lange zum Masturbieren und morgen hast du noch keinen gehabt, wirst du auch nicht, wenn du ihn verschiebst. Übermorgen erst recht nicht – oder muss ich dich noch mal vor den Spiegel schicken? Und ja, das gilt auch für alle die anderen Dinge, die man auch angezogen auf später verschoben hat.

Also, was liest du hier noch rum. Auf, mach was draus! Das geht nur heute!

Ich bin dann jetzt auch mal Zukunft machen. Oder Spiegel abhängen. Oder so …

Es gibt ihn also doch noch, den guten guten Journalismus

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Ich bin im Meckern im Laufe meines Lebens richtig gut geworden; schließlich habe ich schon genug Bullshit gesehen und erlebt. In der Umkehrung heißt das leider auch, dass ich im Loben und Gutbefinden richtig beschissen (geworden) bin; zu gering sind einfach die Möglichkeiten, etwas für richtig gut zu befinden.

Um so mehr sticht dann allerdings heraus, wenn zwei Journalisten in diesem ‘Kaltland’ es tatsächlich schaffen, mit einem Artikel – ja einem richtigen Artikel und keinem Kommentar, keiner Polemik und keinem aus der Reuters-Ramschkiste zusammengepanschtem Stimmungsmacherchen – nicht nur zu zeigen, wie Journalismus geht, den Lesern mehr als ein TLDR; zumuten und ihnen ohne plumpe Manipulation die Tränen in die Augen treiben.

Was Amrai Coen und Henning Sußebach da in der ZEIT (ja, ich weiß jetzt auch nicht was ich davon halten soll; war reiner Zufall, dass ich mich da bei denen mal wieder verwirrt hatte) abgeliefert haben, macht zwar die letzen Jahre bis Jahrzehnte des erbärmlichen Journalismus in unserem Land nicht auf einen Schlag wieder wett, zeigt aber, dass es ihn wohl doch noch gibt.

Und das ES steht für hinter seinem Schreibtisch Hervorkommen, das Geld für ein paar Tage vor Ort tatsächlich genehmigt bekommen zu haben und dann tatsächlich auch eine Reportage abzuliefern. Eine, die einen Strang hat, um sich schaut, eine mit leiseren Tönen, die so viel mächtiger sein können als dieses ewige Gekreische um Klicks, eine, die Geschichte(n) erzählt, der man sich nicht entziehen kann, weil sie einem vor Augen hält, wie sehr man beteiligt ist, egal, wie sehr man sich auch bemühen mag, es zu verdrängen; bis sie im eigenen Garten hockt, bzw. dank der beiden der eigene Garten sein könnte, in dem einen (die) Geschichte einholt.

Ich weiß, mit Befehlen ist das immer so eine Sache und wer mich kennt, weiß, dass ich es mit denen eh nicht habe und es so eigentlich auch nicht meine. Drum versteht es bitte richtig, wenn ich euch jetzt sage, dass ich es in diesem Fall ernst meine. Ja, es ist ein Befehl! Ein Lesebefehl!

Wer

Im gelobten Land von Amrai Coen und Henning Sußebach

nicht durchliest, der braucht hier nie wieder vorbeizukommen, denn dann ist er oder sie hier schlicht fehl am Platze …

Ene Mene Merkel

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Ich weiß, wir drehen uns im Kreis und ein fast jeder Kommentar von mir fängt identisch an und hört noch identischer auf, wenn es um unsere Bertelmannsche Freiluftversuchsanstalt geht; auch Deutschland genannt.

Wie immer, so auch jetzt beim #Landesverrat, gehen fast bis wirklich alle Diskussionen, Schuldzuweisungen und Bauernopfer wieder am Eigentlichen vorbei.

Bitte was sollen denn all die Marionetten tun, wenn sie Anweisungen von ganz oben bekommen, die sie offiziell nie bekommen haben dürfen, über die nie laut geredet, ja nicht mal geflüstert werden darf, weil man sonst sein vollstes Vertrauen ausgesprochen bekommt.

Wenn ein Bundesprüfanwalt in einer Sache handelt, in der nächsten schweigt, in der übernächsten sich den Wolf prüft und jetzt auf Ansage versagt – was denkt ihr denn Alle, was dahinter steckt? Also wer?

Was denkt ihr denn, was er – so deutlich wie sonst kein einziger – mit der unsäglichen Einmischung gemeint hat? Meint ihr wirklich, das war nur auf zwei unbedeutende Blogger bezogen?

Hier geht es nicht um einen lächerlichen Vorwurf, es geht mal wieder (also wie immer) um das viel wichtigere und übergeordnete Bild und auch wie immer, funktioniert das mit den Nebelbomben wieder wunderbar.

Und Madam Teflon kann sich ihre Hände in Rauten waschen. Dann müssen halt noch ein paar mehr und eh nervige Fehlbesetzungen gehen; das kann ihr nur Recht sein. Man könnte es schon fast bewundern, in welcher Position sie sich mit unserer willigen und blinden Hilfe eingenistet hat. Sie gibt vor und wenn etwas schief geht, dann schauen wir überall hin, nur nicht in ihre Richtung und freuen uns über jeden noch so kleine gefeuerte Personalie.

Und wie wir alle so schön mitmachen, wie der Digitale Mob jetzt direkt nach weiteren Rücktritten krakelt, dürfte für tausende und abertausende Dissertationen von Systemischen Soziologen reichen.

Leute! Das System ist das Problem! Nicht die armen Handlanger in ihm!

Aber hey – Ene Mene Merkel spielt sich doch viel einfacher, schmerzfreier und bequemer. Schließlich muss man dann so gar nichts ändern.

Was der Michel bis heute nicht gelernt hat, das lernt er eh nimmer mehr …

Ein rabenschwarzer Tag für den Journalismus

Wenn zwei Blogger wegen Landesverrat in Deutschland ein Ermittlungsverfahren an der Backe haben, dann ist das ein rabenschwarzer Tag für den Journalismus; fünfzig Jahre nach der Spiegel-Affäre.

Wer sagt das?

Ich sage das!

Und ich meine das nicht so, wie ihr das jetzt denkt. Ich rede hier nicht von einem Angriff auf die Pressefreiheit. Da müssen wir gar nicht drüber reden oder diskutieren. Denn das (oder diese) hat sich mit heutigem Tag eh erledigt; dazu müsste erst einmal eine vorhanden sein.

Nein, heute ist der Tag, an dem die kritische Presse in Deutschland – wenn uns allen auch schon lange bewusst – offiziell für tot erklärt wurde; von allerhöchster Stelle.

Der Generalprüfanwalt gibt öffentlich zu, dass er vor zwei Bloggern mehr Angst hat als vor der gesammelten Presse Deutschlands. Damit ist alles zum Stand des Journalismus in unserem Land gesagt.

Ja, offiziell wird das so keiner nennen, schon gar nicht die gesammelte Presse und auch nicht die Bundesanwaltschaft und das Kanzleramt (denn ohne dessen OK wird da kein Schreiben rausgegangen sein) – nein, inoffiziell offiziell sind Beckedahl und Meister Bauernopfer der Einschüchterungsmaschinerie.

Kurzes Aufschreien, auch von ‘echten’ Journalisten, dann längeres Aufatmen im Anschluss, dass es sie nicht selber getroffen hat und dann eierlos weiter im Text als minderbezahlte Mietmäuler.

Die Angst unserer Schlapphüte und Marionetten aber – die besteht schon lange nicht mehr vor ‘wirklichen’ Journalisten. Es wundert mich schon eine Weile, dass noch keiner auf die Idee gekommen ist, WordPress und Co als gefährlich oder gar feindliche Waffe einzustufen und zu verbieten.

Aber auch das kann nicht mehr lange dauern.

So lächerlich, wie das vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag und auch wenn er ihr die agierenden Personen als lächerlich empfindet, die wissen ganz genau was sie tun; unterschätzt das mal bloß nicht.

Die wissen ganz genau, mit wem sie sich anlegen und wer am längeren Hebel hockt. Und sie wissen auch, dass in diesem Land kaum bis gar keine ‘wirklichen’ Journalisten mehr vorhanden sind, die eingreifen könnten, eingreifen werden.

Diese Feststellung und Erkenntnis finde ich noch weitaus schlimmer, als diese Landesverrat-Lachnummer …

Gute Nacht - oder: Til Schweiger als Maß der Dinge

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Und hier saß ich, ironische Tweets noch ironischer retweetend mit meinem Bio Kaffee in der Hand vor meinen MacBook und dachte, mich verwundert nichts mehr.

Und dann springt einem Til Schweigers Standardfresse – nein, keine Gemeinheit, lediglich eine Anspielung auf das Zeigen selbiger, heutzutage muss man ja Alles vorauseilend erklären – von allen Seiten an und man ist gezwungen das eigene Standard-Gesicht (Augen verdreht, Kopf permanent schüttelnd, Nase besserwisserisch verkrumpelt) kurzzeitig aus dieser jahrelang antrainierten und perfektionierten Haltung zu befördern.

Und das ist ganz schön anstrengend und kraftraubend; fast so schlimm, wie tatsächlich aufzustehen und das Book zuzuklappen. Und dann hockt man da, vergisst kurzzeitig seinen Kaffee und ist doch tatsächlich erstaunt.

Til Schweiger als Maß der Dinge?

Wie konnte das geschehen? Da wird auf einmal einer dafür gefeiert, dass er etwas völlig Selbstverständliches tut? PR hin, PR her – was muss hier schief gelaufen sein, wenn eine andere Farbe als kackbraun Bekennen zum Ereignis wird?

Ja, es ist Sommerloch, der Schweiger eignet sich auch immer gut in einem Land, in dem nur Neider und mit Unterhose bekleidete Mittelmäßer mit großer Klappe ihren fehlenden Geschmack und vor allem ihre Talentbefreitheit über die gefliesten Wohnzimmertische in das Nachmittagsprogramm Gleichgesinnten zur Bestätigung der eigenen Fehlempfindlichkeiten hinausposaunieren können.

Aber wenn man das Alles wegkratzt, dann bleibt da ja immer noch eine Menge dumpfer Empfindlichkeiten an dieser Facebook-Seite kleben. Wenn die Speerspitze (und an dieser Stelle weigere ich mich jetzt einfach mal dreist, dieses Wort jetzt auch noch vorauseilend zu erklären) des Widerstandes gegen diese stets, nur kleinlauter, vorhandene widerliche deutsche Seele – die, die sich als etwas Besseres versteht, die, die meint, dass sie ein Anrecht auf Alles hat, die, die keinem Anderen etwas gönnt, die, die permanent meint, dass sie zur kurz kommt, die, die immer einen Sündenbock für ihre Unzulänglichkeiten benötigt, die, bei der immer alle Anderen Schuld an der eigenen Misere sind – auf einmal ein Til Schweiger ist, dann wird mir Angst und Bange.

Wenn Leitmedien einen Til Schweiger – im Sinne des vorauseilenden Gehorsams, schließlich darf man hier ja bloß nirgends und bei niemanden anecken, möchte (Übersetzung: muss) ich an dieser Stelle klarstellen, dass ich keinerlei Probleme mit ihm habe und das aus folgenden Gründen: 1. Ich kenne ihn nicht persönlich. 2. Sollte dies eigentlich als Grund schon ausreichen – aber für die BUNTE Leser: 3. Bin ich in der Lage zwischen einer Person, seinem Image, seiner Arbeit und dem Schwachsinn, der über ihn (oder ihr) verbreitet wird, zu unterscheiden. 4. Habe ich mir mühsam angewöhnt, meinen Neid im Zaum zu halten und nur an Dingen/Menschen/Eigenarten/etc. nur rumzumeckern, wenn ich es selber besser auf die Reihe bekomme. Männerherzen, zum Beispiel, ist ein guter Film. Meine Drehbücher liegen in der Schublade – somit hat sich das dann erst einmal (oder für immer) erledigt …

Zurück zum Eigentlichen: Wenn also die versammelten Leitmedien und das halbe deutsche Twitter (ich weiß, das ist nicht viel – aber wir bilden uns das doch immer so schön ein und wer bin ich, dermaßen realitätsfremde Träume zerplatzen zu lassen, schließlich rede ich mir beim Verfassen solcher Artikel ja auch immer ein, es würde Etwas bei meinen dreieinhalb Lesern bewirken) einen Til Schweiger zum Helden im Kampf gegen unser dumpfes menschliches Versagen hochschreiben müssen, dann ist da etwas gewaltig schief gelaufen; aber so richtig.

Kommt das denn keinem Anderen in den Sinn, während er aus einer Facebook Seite schnell ein paar Schnipsel zurecht sammelt?

Hey, ich hocke hier unterbezahlt bei einem Leitmedium und schustere in fünf Minuten eine Wohlfühl-Aufreg-Klick-Hure über einen Til Schweiger zusammen, in dem ich eingestehen muss, dass wir aber komplett versagt haben. Was wäre das schön, wenn ich statt dessen einen weiteren Leitartikel darüber schreiben könnte, wie wir als SPON schon seit Bestehen täglich gegen diesen Schwachsinn wohlüberlegt und fundiert vorgehen und mit jeder Berichterstattung über Seehofer, Merkel und Co das Fischen in trüben Gewässern aufdecken und für unsere Leserschaft aufbereiten.

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Ohhhh! Habt ihr auch das Einhorn gesehen, das mir gerade über die Tastatur gelaufen ist?

Bei aller Anerkennung für Schweigers Leistungen – aber wo sind denn die ‘wirklichen’ intellektuellen Vordenker, die Meinung machen, die Dinge schreiben, die zum Denken anregen; in den verbliebenen Feuilletons und auf den noch wenigeren Bühnen?

Wenn ein Til Schweiger das Maß der Dinge geworden ist, wenn es darum geht der Gesellschaftsfähigkeit von öffentlichem Fremdenhass und dem Aufruf zur Gewalt der niedersten und feigsten Sorte etwas entgegen zu setzen – dann aber Gute Nacht.

Denn dann ist ist es eindeutig zu spät.

Die Oma meiner Frau ist die letzte im Umkreis (in dem sie wohnt) von 100 km, die den Krieg noch miterlebt hat. In vielen Teilen Deutschlands gibt es Niemanden mehr und die letzten verbliebenen, lebenden Mahner hängen am Tropf und haben allesamt keinen eigenen YouTube Kanal.

Geschichte ist ein Kreis. Die einzigen Dinge, die die Wiederholung ein wenig aufschieben können, sind persönliche Erfahrungen und Wohlstand für Alle. Beides stirbt hier gerade aus.

Und an deren Stelle tritt ein Witz über Kekse und Bildzeitungsleser. Und die Anzahl der Menschen um uns herum, denen wir mit unserer Überheblichkeit nicht nur vor den Kopf stoßen, die wächst mit einer erschreckenden Geschwindigkeit.

Und auch wenn er in einem roten Cape sicher eine grandiose Figur abgeben würde – vor denen schützt uns kein Til. Und leider auch nicht vor uns selber.

Und es gibt nichts Gefährlicheres, als ein allzu großes Vakuum, das nach einem Helden, einem Retter ruft. Wie das ausgeht, kennen wir. Leider nicht mehr persönlich – aber aus den vielen Unterrichtsstunden, die uns damals irgend wann gewaltig auf die Nerven gegangen sind.

Und wenn selbst wir Gutmenschen schon einen Til Schweiger als Helden nötig haben, wie mag es da all denen Millionen gehen, die wir täglich mit dem Kaffee in der Hand mit unserem Standard-Gesicht von unseren MacBooks aus belächeln?

Das sind übrigens die, die noch wählen gehen und für die die Politik gemacht wird; von Menschen, die ganz genau wissen, was sie tun, wenn sie streicheln und vor allem wen sie eigentlich streicheln.

Geht in seine Filme, rubbelt euch einen oder eine zu einem Starschnitt (wie nennt man das eigentlich heutzutage?) von ihm – aber bitte, um unser aller Frieden willen – macht ihn nicht zum Maß der Dinge, wenn es darum geht, etwas eigentlich völlig Selbstverständliches zu tun …

Den Rock mit den Blicken ausschütten

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Alle Jahre wieder. Das Sommerloch mit Röcken füllen, den vermeintlichen bis womöglich zukurzenen. Normalerweise ist mir das zu doof und vor allem zu warm, um mich damit auch nur eine Sekunde lang zu beschäftigen. Vermutlich bin ich aber auch einfach nur zu alt. Und wenn, dann fände ich es eh viel wichtiger, sich über Ästhetik und nicht über die Länge zu unterhalten.

Aber hey …

Jetzt ist mir dann eben aber doch die Sonnenhutschnur aus dem warmen Gesicht geschnallt.

An wen sich diese Kleidungsvorschrift richtet ist klar: Mädchen. Dies ist natürlich ein Muster der sommerlichen Schulkleidungsdiskussionen, die ja nicht kontextlos stattfinden, sondern sich einreihen in rape culture, victim blaiming und weitere sexistischerassistischeklassistische_fatshamende Körper- und Kleidungspolitiken. In den Erläuterungen heißt es dann oftmals, dass sich Schüler aufgrund der Kleidung nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten – aber auch Lehrer abgelenkt seien. Und anstatt sich nun zu fragen, was diese Lehrer eigentlich an einer Schule machen, wird die Verantwortung für alles bei den Mädchen abgeladen, sie sollen sich nicht ‚aufreizend‘ (was soll das eigentlich hier genau sein?) kleiden. Lehrer und Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.

Hotpants, Miniröcke und was du sonst noch (nicht) anziehen darfst

Ernsthaft? Sind wir jetzt soweit, dass nur noch Eunuchen Lehrer werden dürfen? Blinde Eunuchen?

Es scheint wohl nur noch Schwarz und Weiß und vor allem Dagegen zu geben. Und wenn man so manche Aufmachungen für taktisch unklug hält, dann muss man automatisch ein Arsch sein, der Mädchen unterdrücken und ihnen die Schuld geben will.

Ja hackt es denn noch bei Euch?

Und wenn ich als Erzieher/Lehrer vor lauter Ärschen und Titten schon gar nicht mehr weiß, wo ich hinschauen soll – dann bin ich also automatisch das Problem und fehl am Platz?

Ernsthaft?

Ich soll also mal nebenbei Millionen Jahre der Evolution komplett abschalten können, nur weil wir nicht in der Lage sind Dinge beim Namen zu nennen und dazu zu stehen und weil wir nur noch in Feindbildern denken und agieren können? Weil es immer mehr Eltern gibt, die ihren Kindern ein – nennen wir es mal: eher unglückliches Selbstbild – mitgeben?

Kindern (ja, bewusst Kinder und nicht nur Mädels) mit einem halbwegs gescheiten Selbstbild wird wohl eher seltener vorgeschlagen, sich anders zu kleiden. Aber das darf man ja so nicht sagen. Und schon gar nicht als Mann, dann ist die Aufregung wieder groß.

Das Witzige (Traurige) dabei ist ja, dass diese ‘Empfehlungen’ seltenst vom anderen Geschlecht kommen. Frauen haben ein Problem damit, wie sich andere Frauen/Mädels kleiden. Aber auch das darf man ja auch wieder nicht laut sagen; und schon gar nicht als Mann, denn dann ist die Aufregung noch größer.

Mädels, so wird das nichts!

Aber für viele von euch bin ich ja schon wieder der Arsch, nur weil ich das so sage. Und ihr wundert euch, dass es so schleppend bis rückwärtig vorwärts geht. Vielleicht solltet ihr da noch mal drüber nachdenken, wenn es wieder etwas kühler ist …

Michael erklärt die Euro/Europa/Griechenland/Menschlichkeitskrise

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Es hat mich zwar wieder keiner gefragt, ich tue es jetzt dennoch einfach so und erkläre hier mal auf die Schnelle die Euro-/Europa-/Griechenland- und vor allem die Menschlichkeitskrise.

Und weil es bei Erklärungen heutzutage je ausschließlich nur noch um Gefühle geht – wir uns also nur noch Argumente aussuchen, die unser eigenes kleines beschränktes Weltbild weiter zuzementieren – hier erst noch einmal ein paar kleine Fakten, die euch weder Politik noch Presse gerne bis überhaupt vor die Scheuklappen halten:

  1. Deutschland ist das Land, das noch nie seine Schulden (vollständig) zurück gezahlt hat. Wir fangen eher Kriege an. Wir haben zu Nazi-Zeiten gewaltige Schulden gemacht; Schulden, mit denen wir ihm großen Stil gemordet haben. Diese Schulden wurden uns erlassen, auch von Griechenland. Von den Reparationskosten fange ich hier erst gar nicht an.

  2. Deutschland ist (neben so einigen anderen) Schuld an der jetzigen Misere. Punkt. Ich gehe da gleich noch etwas genauer drauf ein. Ich finde es nur wichtig, dass direkt mal zu klären, so dass ihr das bitte die nächsten paar Minuten permanent im Hinterkopf behaltet.

  3. In Deutschland kommen auf 1 Euro Sozialschmarotzertum (da ist alles zusammengefasst, was Hartz IV Betrug, Schwarzarbeit etc. betrifft) über 1.300 Euro Steuerhinterziehung. Die Zahlen sind aus 2013, neuere habe ich leider nicht finden können. Ist aber auch wirklich schlimm mit diesen Griechen Deutschen, die ihre Steuern nicht zahlen.

  4. Der allergrößte Teil der griechischen Rüstungsausgaben floss (fließt) in deutsche Rüstungsprojekte/Rüstungsfirmen. Deals, die mit Wissen, Genehmigung und Hilfe der deutschen Politik getroffen wurden.

  5. Wir haben den Euro nur, damit Kohl seine Wiedervereinigung (hauptsächlich von den Franzosen) abgesegnet bekommen hat. Ja, das ist eine Vereinfachung der Geschehnisse, ich weiß. Aber Alles in Allem ist es genau das, worauf es hinausgelaufen ist. DAS IST WICHTIG ZU WISSEN UND VOR ALLEM FÜR DAS FOLGENDE VON BEDEUTUNG:

  6. Vor der Einführung des Euro waren die allermeisten Länder der heutigen Euro-Zone auf einem gar nicht mal so schlechtem Weg, stellenweise sogar um eine Vielfaches besser gestellt als Deutschland, so auch Griechenland. Das BIP in Griechenland stieg bis zum Anfang der Krise um über 20 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland nur um knapp 10 Prozent. Während in Deutschland in der Zeit die Reallöhne gewaltig gesenkt wurden und an allen Ecken und Enden gespart wurde – der Neoliberalismus also gefördert wurde – stiegen die Löhne in Griechenland – oder auch Spanien – an; somit der Konsum und somit auch die Investitionen. Es gab in den Ländern einen Aufschwung, während wir hier die, die eh schon kaum über die Runden gekommen sind, immer weiter ausgequetscht haben.

  7. Der Euro – und Alles, was dranhängt – unterliegt nur einem einzigen Prinzip: Geldwert vor Beschäftigung; nur möglich durch Sparpolitik und Sozialabbau.

  8. Ja, Deutschland ist gut im Export; besonders bei der Rüstung. Ja, mit diesen Überschüssen haben wir die Defizite in Südeuropa finanziert. Das schafft aber eine Ungleichheit in der Leistungsbilanz. Oder anders ausgedrückt: Die deutsche Wirtschaft hat sich (fast ausschließlich) auf dem Rücken Südeuropas erholt. Ich formuliere dies noch einmal anders. Während wir hier auf Kosten der Menschlichkeit (Sozialabbau) die Gewinne einiger weniger gewaltig gefördert haben, haben wir das auf Kosten der Länder gemacht, die noch halbwegs versucht haben, das Sozial in Staat nicht komplett zu streichen. Oder noch einmal anders herum ausgedrückt: Wir haben diese Länder gebraucht missbraucht, damit sich unsere Wirtschaft erholen kann, schließlich müssen wir die Dinge, die sich bei uns keiner mehr leisten kann, ja irgendwo hin exportieren.

  9. Ja, wir haben diesen Ländern (wie Griechenland) finanziell unter die Arme gegriffen. Das ist die positive Formulierung. Man könnte und sollte es aber beim Namen nennen: Wir haben ihnen unseren Scheiß (noch mal: damit wir unsere Wirtschaft retten können) aufgeschwatzt und ihnen gleichzeitig das Geld dafür zu miserablen Konditionen gleich mit in den von uns künstlich und mit allen Mitteln des Neoliberalismus geöffneten Rachen gedrückt. Wir haben also eine Blase geschaffen.

  10. Und dann kam die andere Blase, geschaffen von den selben neoliberalen Jongleuren und Akteuren, die grundsätzliche nur mit dem Geld anderer hantieren.

  11. Und anstatt da direkt einen Riegel vorzuschieben, haben wir diesen Akteuren offenen Auges erlaubt, auf den Staatsbankrott zu spekulieren. Wir haben ihnen also, nachdem sie gerade mit diesem Spiel Milliarden verbrannt und hunderte Millionen die soziale Leiter herunterstoßen haben, direkt wieder erlaubt, das ganze Spielchen auf dem nächsten Spielbrett fortzuführen. Dieses Mal halt direkt mit ganzen Ländern und halben Kontinenten. Zur Erklärung: Wenn ein Staat zum Abschuss freigegeben ist, dann steigen die Zinsen auf Staatsanleihen binnen kürzester Zeit so gewaltig, dass dieser Staat sie weder bedienen kann, noch er in der Lage ist, sich neues Geld zu auch nur halbwegs fairen Konditionen zu bekommen. Man macht also nicht den Bock zum Gärtner, sondern den Verteidiger und den Richter direkt zum Henker. Zu einem Henker, der an jedem Tod gewaltig verdient.

  12. Und was hat Merkel in dieser Situation getan? Genau, sie hat mit den ‘faulen Griechen’ Wahlkamp betrieben. Nein, natürlich nicht sie selber, da wurden die nur zu willigen Deppen aus den eigenen Reihen und der Schwesterpartei vorgeschickt.

  13. In dem Moment (Mai 2010) in dem Griechenland unter der Last seiner (noch einmal: von uns künstlich erschaffenen) Schulden einbricht, da schaffen Merkel und Co das nächste Kunststück. Anstatt Griechenland wirklich zu helfen und ihnen mit eigenem (deutschen) Geld unter die Arme zu greifen, zwingen sie Griechenland sich beim IWF weiter zu verschulden. An dieser Stelle nur noch mal zur Erinnerung: der IWF und alle dort ‘arbeitenden’ Menschen sind von niemandem gewählt, noch haben sie auch nur ansatzweise irgend etwas mit Demokratie zu tun.

  14. Das geniale an diesem Schachzug für Deutschland und die anderen, die Griechenland aufs Übelste die ursprünglichen Kredite überhaupt erst aufgeschwatzt haben (und auch hier noch einmal zur Erinnerung: um die eigene Wirtschaft zu sanieren), ist, dass sie so aus dem Schneider waren/sind, sie also keinerlei Beitrag für ihr eigenes Arschlochverhalten, der unsozialsten Art denkbar, leisten müssen. Einzig und alleine Griechenland zieht (mal wieder) die Arschlochkarte.

  15. Und als ob das nicht schon genug wäre, fangen wir jetzt auch noch an, Griechenland zu diktieren, was es zu tun hat. Und damit wir das Geld, welches wir schon längst doppelt und dreifach reinbekommen haben (mit wir sind nicht du und ich gemeint, sondern die, die sich durch unsere Sparpolitik und unseren Sozialabbau eh schon mehr als gesund gestoßen haben) auch wirklich noch einmal abkassieren können, wird Griechenland einem noch schlimmeren Spardiktat und einem noch schlimmeren Sozialabbau unterzogen, als jedes andere Land. Löhne sinken um rund 30 Prozent und die, die diese Löhne überhaupt noch bekommen, können sich glücklich schätzen, denn in nur kürzester Zeit nimmt die Arbeitslosigkeit um über 200 Prozent zu. Um das noch mal anders zu formulieren: Die Griechen haben seit 2010 mehr erdulden müssen, als jedes andere Volk in Friedenszeiten. Ich formuliere das noch einmal um: WIR SIND MIT DEN GRIECHEN SCHLIMMER UMGEGANGEN ALS WIR NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG BEHANDELT WURDEN!

  16. Die Griechen haben daraufhin das einzig richtige getan: Sie haben Syriza gewählt, in der Hoffnung, dass diese menschenverachtende Austeritätspolitik endlich ein Ende hat. Wir hier, wir wählen die gleiche Scheiße in anderen (Hosen) Anzügen gerne mal über Jahrzehnte immer wieder.

  17. Und was macht die EU und allen voran Deutschland in dieser Situation? Nein, sie stimmen nicht für einen Schuldenerlass und für einen Kurswechseln zurück zu einem Europa, dass sich zumindest noch vage an das Wörtchen sozial erinnern kann. Nein, sie diskreditiert die gescheiten (und einzig sinnigen) Forderungen der neuen griechischen Regierung mit nur allen möglichen Mitteln und die deutschen Medien machen sich wieder mal nur zu gerne zu den Handlangern dieser neoliberalen Marionetten; ich gehe sogar noch eins weiter: neoliberalen Mördern.

  18. Griechenland, obwohl schon längst von uns KO geschlagen hat, unterbreitet immer weitere Zugeständnisse und sinnige Angebote (was ein Hohn, das so zu nennen). Und was hat die EU, was hat Deutschland gemacht? Es ist nicht einen (ich wiederhole: NICHT EINEN) Schritt von seinem Schwachsinn abgerückt.

Griechenland ist wegen uns finanziell für lange Zeit ruiniert. Wir allerdings, wir haben schon lange die menschliche Bankrotterklärung abgeliefert. Und das Fatalste daran ist, dass wir an einem System festhalten, das uns diese Erkenntnis verbietet. Wir stecken in einem System fest, das einen Sündenbock, einen unter uns benötigt. Anders funktioniert dieses System nicht.

Aus diesem Grund ist das Klammern an den eigenen Schwachsinn das Einzige, was wir hier tun können. Andernfalls müssten wir zugeben, dass das gesamte System falsch ist. Und bevor wir das tun, opfern wir lieber ein paar Millionen Menschen, schließlich geht es ja auch nicht um die, es geht um Geldwert. Nur aus dem Grund haben wir den Euro überhaupt erst eingeführt und nur darauf haben wir hier das ganze System ausgerichtet. Wir gewinnen also doppelt, wenn wir Griechenland platt gemacht haben. Und nein, das ist keine Polemik. Wer das hier immer noch rufen möchte, der hat bis hierher wieder nichts kapiert, kapieren wollen, kapieren können.

Die Ankündigung, dass Griechenland diese Tage 50 Milliarden benötigt (was im Gesamtzusammenhang nicht einmal Peanuts darstellt), hat binnen eines Tages mal eben 300-500 Milliarden an den Börsen/auf dem Markt vernichtet. Das haben auch alle vorher gewusst. Man hätte also 250-450 Milliarden sparen können – oder andersherum ausgedrückt: Griechenland innerhalb eines Tages ‘retten’ können, so man das denn überhaupt gewollt hätte/überhaupt will.

Ich dagegen, ich will nur noch allen angeblich gebildeten Menschen, die mir etwas von den faulen Griechen und selbst Schuld erzählen wollen, auf die Fresse hauen. Von morgens bis abends und dann in der Nacht dann auch noch mit ganz viel Anlauf.

Der einzige Trost, den ich habe und wovor hier die allermeisten systembedingt die Augen schließen: Morgen, morgen ist Deutschland dran und dann steht ihr da und wundert euch, warum keiner versteht, worum es eigentlich geht, warum keiner mehr einen Rest an Menschlichkeit für euch aufbringt. Und systembedingt könnt ihr nur eines: wieder die Schuld woanders suchen, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf …